Berlin - Toni Leistner sprach von einer Revanche, Damir Kreilach von einer Wiedergutmachung. Zweimal hat der 1. FC Union 0:3 gegen Heidenheim verloren, erst in der Hinrunde, dann im Wintertrainingslager. Dumm nur, dass weder Leistner noch Kreilach den Kollegen bei der Aufarbeitung der negativen Geschehnisse  helfen können.

Bei erstem ist eine Verletzung schuld, bei zweitem eine Gelbe Karte, die im Trubel um den Treffer zum 3:1 für Braunschweig am Montag von kaum einem registriert wurde. Nicht mal auf dem offiziellen Statistikzettel war sie vermerkt. Aber sie wurde gezeigt, und weil es die fünfte für Kreilach war, ist Unions torgefährlichster Spieler am Sonntag gegen Heidenheim (15.30 Uhr) gesperrt.

Saison anständig zu Ende bringen

Es fehlt also die komplette Innenverteidigung (Roberto Puncec ist ja ebenfalls gesperrt), und von der Abteilung Attacke ist nur Philipp Hosiner übrig. Das passt zu dieser Partie, die ein Dankeschön für die Fans werden soll, obwohl eine wirkliche Saisonabschlussfeier  nicht stattfinden wird: Damit nicht der Eindruck entsteht, dass die Spielzeit schon gelaufen ist, gibt es anders als in den vergangenen Jahren,  als das letzte Heimspiel auch die letzte Partie  der Spielzeit war, keine Autogrammstunde mit den bleibenden und scheidenden Fußballern.

Es ist ein emotionales Durcheinander zwischen Freude über eine tolle Saison, die Union  im Land bekannter gemacht hat, der Enttäuschung, auf der Zielgeraden gestrauchelt zu sein, und der verzweifelten Resthoffnung auf ein  Aufstiegswunder. „Wir wollen erst mal die Saison anständig zu Ende bringen“, sagt Jens Keller.

Unter Umständen kann es also sein, dass die Fans Toni Leistner gar nicht mehr richtig zu Gesicht bekommen werden. Der 26-Jährige hat schon in der ersten Hälfte gegen Braunschweig einen Muskelfaserriss erlitten, wie sich später herausstellte. „Toni wird diese Saison nicht mehr spielen“, sagt Keller. Und nächste Saison? Ein klares Bekenntnis zu den Eisernen hatte der Innenverteidiger trotz des bis 2018 datierten Vertrags vermieden.

„Ich muss mir in Ruhe Gedanken machen“, sagte Leistner diese Woche. „Man weiß nie, was passiert, er hat eine tolle Saison gespielt, er ist ein guter Innenverteidiger“, sagt sein Trainer. Soll heißen: Seine Leistung ist nicht so verborgen geblieben wie Kreilachs Sperre, das Interesse an seinen Diensten entsprechend groß. England oder die Bundesliga locken. „Wir wollen ihn um jeden Preis hierbehalten“, kündigt Keller zwar an. Aber jeden Preis kann sich der Verein  nicht leisten.

Sieben Blumensträuße hat der Klub für Sonntag bestellt. Für Spieler, die um 14.45 Uhr feierlich verabschiedet werden. Voraussichtlich werden in Benjamin Köhler, Benjamin Kessel, Adrian Nikci, Emanuel Pogatetz, Raffael Korte und Maximilian Thiel sechs Fußballer darunter sein, die in dieser Saison keine große Rolle spielten, in Roberto Puncec aber auch eine Stammkraft. Die Verträge laufen allesamt im Sommer aus, eine Ablöse wird Union daher nicht einstreichen.

Leistner immerhin würde die Transferkasse füllen, allerdings auch sportlich eine große Lücke hinterlassen. In dieser Hinsicht könnte Fabian Schönheim am Sonntag an der Seite von Pogatetz unter Beweis stellen, dass er in der kommenden Saison wieder eine Alternative für die Stammelf zu sein vermag. Schließlich war er noch 2014 Unions große Abwehrhoffnung, als der Vertrag um satte fünf Jahre verlängert worden war.