Durchwachsene Leistung: Warum sich Kyle Wilson bei den Eisbären Berlin schwertut

Berlin - Würde Eisbären-Stürmer Kyle Wilson als Aktie gehandelt, hätten sich im vergangenen Sommer nur wenige Investoren gefunden, die ernsthaft an einen Gewinnsprung glaubten. Bis vor zweieinhalb Jahren hatte der Wilson-Kurs eine beachtliche Entwicklung genommen.

Der 32 Jahre alte Kanadier hatte bis dahin zwei Mal den Calder Cup gewonnen, die Trophäe der American Hockey League. Es war die beste Empfehlung für die NHL, in der er 39 Mal auflief. In der Saison 2013/2014 spielte er eine beeindruckende Saison für Dinamo Riga in der transnationalen KHL. Danach kam der Karriereknick mit durchwachsenen Leistungen in Tscheljabinsk, für Modo Hockey in Schweden sowie die SCl Tigers in der Schweiz. Die Berliner Verantwortlichen schreckte das nicht ab, sie bauten auf dieses Risikokapital.

Man muss anpassungsfähig sein

So richtig ausgezahlt hat sich dieses Vertrauen bislang noch nicht. „Ich erwarte mehr von mir“, sagt Wilson, der es bislang auf sechs Vorlagen und sechs Treffer in 28 Spielen gebracht hat. Das Scoring ist nicht das eigentliche Problem. „Wenn er am Ende der Saison mit 12 Toren dasteht, hat Kyle Wilson seinen Job gemacht“, sagt Trainer Uwe Krupp. Vielmehr konnte er das Eisbären-Spiel nicht so prägen, wie man das erwarten durfte. Die nächsten Chancen dazu bestehen heute bei den Iserlohn Roosters (19.30 Uhr) sowie am Sonntag zu Hause gegen die Nürnberg Ice Tigers (19 Uhr).

Warum er ein ganzes Stück von seiner Bestform entfernt ist, glaubt Wilson zu wissen. „In meinem ersten Jahr in der KHL hatte ich eine schwere Rückenverletzung. Dennoch wird dort von dir erwartet, dass du dich nicht schonst, sondern immer spielst.“ Es sei damals nicht die richtige Entscheidung gewesen, das so durchzuziehen. „Ich habe noch immer damit zu kämpfen.“ Zudem hatte er offensichtlich unerwartete Probleme, sich an das Eisbären-System unter Krupp zu gewöhnen, obwohl er kurz nach seinem Wechsel noch gesagt hatte: „Ich habe während meiner Karriere gelernt, dass man anpassungsfähig sein muss.“

Schonzeit gibt’s nicht

Genau daran wird er jetzt von seinem Trainer gemessen. Bei allen diplomatischen Winkelzügen, die Krupp bestens beherrscht, ist die Kritik am vermeintlichen Königstransfer der Eisbären erkennbar: „Eine Schonzeit lasse ich nicht zu. Die Eisfläche ist die gleiche, wie die, auf der er im letzten Jahr gespielt hat. Auch die Tore sind genauso groß.“ Und schließlich gehe es beim Eishockey immer darum, dass man als Spieler Zweikämpfe gewinnt und hin und wieder mal ein Tor schießt.

In den vergangenen Spielen gelang Wilson das besser. Vier Mal traf er in den letzten neun Spielen, zuletzt war er am Sonntag in Düsseldorf erfolgreich. „Unsere Reihe hat immer besser zusammengefunden“, weiß der Linksschütze. Über weite Strecken der Saison sah sehr durcheinander aus, was die Routiniers Wilson, Barry Tallackson und André Rankel fabriziert hatten. Auch seine Nebenleute mussten sich auf neue Partner einstellen.

Um die Playoffplätze noch zu erreichen, sollte sich der zarte Aufwärtstrend noch verstärken. Was auch nötig ist, um den Absturz der Wilson-Aktie ins Bodenlose nach der Talfahrt aufzuhalten.