Die Enttäuschung ist groß: Volleyball-Bundestrainer Andrea Giani (3. v. l.) und sein Team.
DPA/Andreas Gora

BerlinNach dem verlorenen Finale, nach diesem bitteren 0:3 der deutschen Volleyballer gegen Frankreich, hatte sich René Hecht, der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes in der Kabine der Berliner Max-Schmeling-Halle bei den Spielern bedankt. „Sie haben großartigen Volleyball gespielt. Sie haben sich reingekniet“, fand Hecht. Bei den Olympischen Spielen in Tokio wird die deutsche Männermannschaft trotzdem fehlen.  Zum zweiten Mal hintereinander, auch nach Rio schafften es die Männer 2016 nicht. 

Mittelblocker Tobias Krick stellte am nächsten Tag ein Foto ins soziale Netzwerk. Er weint auf diesem Bild. „Es war mir eine Ehre! In 4 Jahren lasen wir den Traum wahr werden“, antwortete Teamkollege Jan Zimmermann darauf. Das ist leichter gesagt als getan. Denn klar ist, dass nun ein großer Umbruch nötig werden wird in der Nationalmannschaft. Sie hat in Georg Grozer, 35, den Mann verloren, der alle mitreißen konnte, der voranging, oft den Unterschied ausmachte, der Spiele drehen konnte, der Energie und Wucht aufs Feld brachte.  Er hatte großen Anteil daran, dass die Volleyballer 2012 bei den Sommerspielen in London Fünter wurden, 2014 WM-Dritter oder 2017 EM-Zweiter.

Generation nach Grozer

„Es ist hart, dass so eine Persönlichkeit geht“, meint Außenangreifer Christian Fromm. „Er ist ein echter Baustein gewesen“, sagte Mittelblocker Marcus Böhme. Böhme ist 34, er hat die Nations League diesen Sommer noch als Nationalspieler eingeplant. Einen ganzen Olympiazyklus scheint der Berliner aber nicht mehr angehen zu wollen. Libero Markus Steuerwald, 30, hatte sich eigentlich schon aus dem Nationalteam verabschiedet, ehe ihn Deutschlands italienischer Bundestrainer Andrea Giani reaktivierte. Zuspieler Lukas Kampa, 33,  glaubt,  dass er  sein Engagement im Nationaltrikot nicht sofort beenden wird, aber so ein Pensum, wie er es seit 2008 in den Sommermonaten hingelegt hat, werde er als Vater zweier Kinder „so nicht mehr schaffen“.

Wobei Kampa die Zukunft der Generation nach Grozer nicht düster sieht. „Man hat gesehen, dass immer wieder Leute kommen, die einen Schub machen, die man nicht auf der Liste hat.“ Voriges Jahr etwa wurde der Nachwuchs-Jahrgang 2001/2002 Europameister.

Welche der international erfahrenen Spieler in welchem Umfang  künftig  bereitstehen werden, den Umbruch mitzugestalten, hängt sicher auch vom künftigen Bundestrainer ab. Der Vertrag von Andrea Giani, 49, läuft nach dem Sommer aus. „Er wird respektiert von der Mannschaft. Er hat ein gutes Händchen gehabt, junge Spieler zu entwickeln“, urteilte der Berliner DVV-Präsident René Hecht über Gianis Arbeit seit 2012. Soll er also  weitermachen? „Wenn Sie mich persönlich fragen: ja“, meint Hecht, „aber das ist nicht meine alleinige Entscheidung.“

Gespräche in dieser Woche

Ab der kommenden Woche werde sich Sportdirektor Christian Dünnes mit Giani, der bei Modena Volley als Vereinstrainer arbeitet, über die Zukunft unterhalten. Zuletzt hatte Giani Spieler wie Ruben Schott, Moritz Reichert, Julian Zenger, Moritz Karlitzek oder auch Egor Bogachev und Linus Weber ins Nationalteam eingebaut. Er  vertritt die Ansicht, dass sich das Nationalteam nur dann erfolgreich entwickeln kann, wenn ihre Stützen bei europäischen Topklubs in Europas Topligen Italien, Polen oder Russland spielen.  So lotste er   nicht nur Schott und Weber in die italienische Liga, sondern unterstützte auch die Wechsel von Karlitzek und anderen Talenten ins Ausland.

Diese Philosophie steht dem Ziel von BR Volleys-Manager Kaweh Niroomand entgegen, der  seit Jahren viel Energie und finanziellen Aufwand  in die Entwicklung der deutschen Liga steckt,   hier Gesichter zu etablieren, Helden, Nationalspieler mit Wiedererkennungswert.  Daher präferiert er einen Bundestrainer, der in der Liga präsent ist, sich das ganze Jahr über ums Nationalteam kümmert.

Giani wollte sich am Abend, an dem sein Team Olympia verpasst hatte, nicht zu seiner Zukunft äußern. Ende dieser Woche, so Hecht, ließe sich wohl mehr darüber sagen.