Dynamo-Coach Markus Kauczinski kommt in Anbetracht der Fan-Versammlung zu einem fragwürdigen Schluss.
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DresdenDem Abstieg aus der Zweiten Bundesliga folgte der Bruch der Fans mit dem wochenlang gepredigten Corona-Verhaltenskodex. Ungeachtet des sportlichen Absturzes und allen gängigen Abstandsregeln zum Trotz versammelten sich am Sonntag Hunderte Anhänger von Dynamo Dresden vor dem Stadion und bejubelten ihre Mannschaft.

Dicht an dicht gedrängt stimmten sie Sprechchöre an, schwarz-gelber Rauch zog über ihre Köpfe hinweg - und der Klub kostete die in dieser Form unerwartete, aber auch zweifelhafte Zuneigung voll aus. In Sozialen Medien verbreitete Dynamo ein Video der Aktion, „Dresden ist eben anders“, hieß es stolz dazu. Die gesellschaftlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie? Die vom deutschen Profi-Fußball seit dem Restart getätigten „Stay-at-Home“-Appelle an die Fans? Bei vielen waren sie schon kurz nach dem Ende der Spielzeit offenbar nicht mehr relevant.

Auf bis zu 2000 Personen schätzte die Dresdner Polizei die Teilnehmerzahl. Die Beamten fertigten Videoaufnahmen an, identifizierte Personen müssen mit Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten rechnen. Eine Schuld beim Verein sah die Polizei aber nicht.

Die Verantwortlichen des Klubs fanden Gefallen an der Aktion. Als „geil“ und „bezeichnend für die Region“ umschrieb Dynamo-Trainer Markus Kauczinski das Fanfest. Er wolle nicht wissen, „was hier abgeht“, wenn man aufsteige: „Man sieht, wie wir hier zusammenstehen und mit welchem Herz die Leute dabei sind.“

Kritische Worte wählte Kauczinski nicht. Vielmehr empfand der 50-Jährige Stolz über das Auftreten seiner Mannschaft in den vergangenen Wochen. „Wir haben uns gestellt“, sagte er: „Wir sind gekommen, um den deutschen Fußball zu retten als Solidargemeinschaft. Das haben wir gemacht, wir haben unseren Preis bezahlt.“

Im Falle von Dynamo, das aufgrund einer Mannschafts-Quarantäne nach dem Re-Start ein Mammutprogramm absolvieren musste und gegen den VfL Osnabrück (2:2) das neunte Spiel in 29 Tagen bestritt, lautet dieser Preis: Abstieg in die Dritte Liga. Dort will Kauczinski mit dem Rückhalt und „dieser Verrücktheit“ in Dresden einen neuen Anlauf starten.

Mit dieser Verrücktheit standen die Fans von Dynamo am Wochenende aber keineswegs allein da. Trainer Uwe Neuhaus von Meister Arminia Bielefeld präsentierte Hunderten jubelnder Fans stolz die Zweitliga-Schale, auch in Stuttgart hielten sich Fans beim Feiern über den Aufstieg des VfB nicht an die Corona-Regeln. Der Fanjubel über den Klassenerhalt des Karlsruher SC uferte ebenfalls aus.

Mit Blick auf die bevorstehenden Entscheidungen in den Relegationsspielen geben die Vorkommnisse zu denken. Denn auch in Bremen war es am Wochenende zu Fan-Ansammlungen rund um das Weserstadion gekommen. Das Relegations-Hinspiel am Donnerstag gegen den 1. FC Heidenheim (20.30 Uhr/DAZN und Amazon Prime) soll dennoch wie geplant stattfinden.