Berlin - Megan Rapinoe als Mitspielerin – der Traum vieler Fußballerinnen ist für Dzsenifer Marozsan Realität. Bei ihrem US-Klub OL Reign spielt die Regisseurin der DFB-Auswahl seit dem Sommer Seite an Seite mit dem schillernden Superstar. Zurück beim Nationalteam schwärmt sie ausgiebig von ihren Abenteuern in der Heimat der Weltmeisterinnen, der National Women’s Soccer League (NWSL). „Athletisch ist es wirklich ein anderes Niveau“, berichtete Marozsan in einer Presserunde am Mittwoch. „Nach jedem Spiel bist du total am Limit. Die Liga ist total ausgeglichen, es ist einfach nur geil, jeden Spieltag diese Spannung zu haben.“ All das habe ihr „in Europa vielleicht gefehlt“.

Seit Juni und bis zum Jahresende ist die 29-Jährige vom Champions-League-Rekordsieger Olympique Lyon an den Partnerklub in Tacoma im Bundesstaat Washington ausgeliehen. Die Qualität des neuen Teams gerade im Mittelfeld sei „ein Geschenk“ – doch dank Rapinoe komme auch der Spaß nie zu kurz. „Sie hat einen Riesencharakter, ist aber auch ein bisschen der Clown der Mannschaft“, sagte Marozsan lächelnd über ihre prominente Teamkollegin, die als Athletin und Aktivistin zugleich wie keine andere Fußballerin auf dem Planeten im Rampenlicht steht.

Zu den besten Fußballerinnen der Welt gehört die oft als „Zauberfuß“ gerühmte Marozsan ohne Frage selbst. Doch der Schritt heraus aus der Komfortzone nach fünf Jahren bei den Titelsammlerinnen aus Lyon war ihr wichtig, sie habe sich „nach einer neuen Herausforderung gesehnt“. Und die bekam sie. Angekommen an der US-Westküste flogen die Bälle nur so an der gelernten Ballverteilerin vorbei. „Eine extreme Umstellung“ sei der auf Athletik ausgelegte amerikanische Spielstil gewesen, die ersten Spiele „sehr schwer“. Die Künstlerin muss mehr malochen: „Jetzt ist mehr Fight und defensiv arbeiten angesagt, das tut mir ganz gut.“

Der Trainerstab des Nationalteams, das sich seit Montag in Dresden auf den Start in die WM-Qualifikation vorbereitet, lobt Marozsans mutigen Schritt explizit. „Wir denken, das tut ihr richtig gut“, sagte Co-Trainerin Britta Carlson, „und das wird auch uns gut tun.“ Am Sonnabend (16.05 Uhr, ARD) in Cottbus gegen Bulgarien und am Dienstag (16 Uhr, ZDF) in Chemnitz gegen Serbien wird die Europameisterin von 2013 und Olympiasiegerin von Rio aber mehr in der alten Rolle gefordert sein. Mit dem DFB-Team ist trotz Pflichtübungen alles auf die EM im kommenden Sommer in England (6. bis 31. Juli 2022) ausgerichtet.

Es ist ein Spagat zwischen Ergebnisdruck gegen eher destruktive Gegner und Vorbereitung auf die nächste große Titeljagd. Mit ihrer relaxten Art nimmt Marozsan auch diese Herausforderung locker an: „Es geht um was, das finde ich super. Das gibt uns die Chance, als Gruppe zusammenzuwachsen, während wir ein Ziel vor Augen haben.“