Der Berliner Eishockeysommer war bislang vor allem eine Zeit der Trennung. Nachdem die vergangene Saison mit dem Aus im Play-off-Viertelfinale gegen München beendet war, verabschiedeten die Eisbären insgesamt 14 Spieler. Vor zwei Wochen erst verwunderte die Nachricht, dass Martin Buchwieser ausbezahlt wird, er also trotz eines laufenden Vertrags nicht mehr gebraucht wird.

Bevor in gut zweieinhalb Wochen das erste Training unter dem neuen Coach Serge Aubin ansteht, konnten die Eisbären gestern aber auch mal wieder einen Zugang verkünden. Aus der Schweizer Nationalliga A wurde der kanadische Mittelstürmer Maxim Lapierre, 34, für mindestens zwei Jahre nach Berlin gelotst. „Er bringt sehr viel Erfahrung mit, spielt defensiv verantwortlich und wird mit seiner Einstellung einer der Führungsspieler für unsere Mannschaft in der kommenden Saison sein“, frohlockt Sportdirektor Stéphane Richer. Nach Torwart Sebastian Dahm (Iserlohn), den Verteidigern Ryan McKiernan (Düsseldorf) und John Ramage (Binghampton/AHL) sowie den Stürmern Leo Pföderl (Nürnberg) und Fabian Dietz (Weißwasser/DEL 2) ist er der sechste Zugang zur neuen Saison.

Lapierre im Stanley-Cup-Finale

Lapierre wurde 2003 von den Montréal Canadiens in der zweiten Runde des NHL-Drafts ausgewählt. Nach seinem Debüt für den Verein verbrachte er fünf Jahre in der Organisation der Canadiens, ehe er nach Anaheim und dann weiter nach Vancouver getradet wurde. Zusammen mit Christian Ehrhoff stand er im Finale um den Stanley Cup gegen die Boston Bruins. 2013 wechselte er von den Canucks nach St. Louis und 2015 von dort zu den Pittsburgh Penguins. Insgesamt absolvierte er in seiner Karriere 694 Spiele in der NHL, er erzielte 72 Tore und bereitete 82 Treffer vor.

Nach seiner letzten NHL-Station kam er im September 2015 zu Modo Hockey nach Schweden, seit Januar 2016 stürmte er für Lugano. Auch hier verpasste er im vergangenen nur knapp den Titel, als sein Team im Finale scheiterte. Im Dezember 2018 wurde sein Vertrag sogar bis 2021 verlängert. Weil in der Schweiz aber nur vier ausländische Spieler pro Team zugelassen sind und er befürchtete, keine führende Rolle mehr spielen zu können, einigte man sich auf die Vertragsauflösung.

The Shining lässt grüßen

Dass Lapierre in der vergangenen Saison in 49 Spielen 31 Scorerpunkte sammeln konnte, spricht dafür, dass die Eisbären einen Leistungsträger verpflichten konnten. Allerdings saß er auch 112 Minuten auf der Strafbank und ist bekannt als Provokateur. Die Zürcher Neuesten Nachrichten verglichen ihn mit Jack Nicholson Rolle im Film The Shining: „der Blick ist vergleichbar irr, die Handlungen manchmal unkontrolliert.“ Das verspricht viel Spannung.