Falsche Antworten verhindert man am besten, indem man keine Fragen zulässt. Tut sich Torwart Daniel Mesenhöler den Job als Nummer eineinhalb weiter an? Was wird aus Dennis Daube? Und verlässt Angreifer Philipp Hosiner den 1. FC Union nach zwei Stillstandsjahren? Die Spieler sollen sich auf ihr letztes Spiel am Sonntag (15.30 Uhr) in Dresden konzentrieren, heißt es, nicht auf Interviews. Ihr letztes? In dieser Saison. Alles Weitere ist Spekulation.

Die Mannschaft steht vor einem Umbruch. Mal wieder. Oder immer noch. Seit der Verabschiedung von Uwe Neuhaus vor vier Jahren, als erstmals die sportliche Entwicklung nicht mit den Vorstellungen der Vereinsführung mithalten konnte, wird umgebaut.

Gute Voraussetzungen und verpasste Chancen

Die Grundlage ist eigentlich gut: Das Stadion füllt sich stets mit enthusiastischen Menschen, die Finanzen stimmen, die Mannschaft ist eine gute in der Zweiten Liga. Doch die Ungeduld in der Führungsriege des Vereins hat sich in dieser Saison als Stolperstein erwiesen. Sie hat Kraft gekostet und Zuversicht. Hinter den eigenen Erwartungen herzuspielen, ermüdet.

„Es war eine lange Saison. Wir haben nicht so gut gespielt, wie wir wollten. Deshalb fühlt es sich länger an als normal“, sagt Simon Hedlund, der öffentlich sprechen darf, weil er nicht Gefahr läuft, falsche Antworten zu geben. Er steht vor der Vertragsverlängerung (bislang bis 2020).

Es tut weh, Chancen zu verpassen. Noch mehr, wenn gar nicht versucht wurde, sie zu ergreifen. So lässt sich das Handeln von Klubboss Dirk Zingler erklären. Zumal der Weg, den er zwischen Wertebewahrung und Erfolgsstreben zu beschreiten versucht, kein ausgetretener ist. Zum anderen spielt die Zeit wirklich gegen Union. Wer nicht mal in der Bundesliga mitwirkt, wird finanziell abgehängt.

Die Wahrscheinlichkeit von Bundesligafußball sinkt

Dafür spricht schon das Fernsehgeld. In der aktuellen Saison machen die Einnahmen aus der TV-Verwertung fast ein Drittel des Union-Etats (42 Millionen Euro) aus. Gleichzeitig tut sich ein Spalt auf zwischen Erster und Zweiter Liga. Zu erkennen ist er erstens an der Geldmenge: In der Saison 2008/09 wurden 409 Millionen Euro verteilt − in beiden Bundesligen zusammen.

In der kommenden Spielzeit, also zehn Jahre später, werden es mehr als 850 Millionen Euro sein. Nur in Liga eins. Für die Zweite Liga bleiben 200 Millionen. Wie sich das auswirkt? Wäre Union aufgestiegen, hätte sich der Verein 29 Millionen Euro gesichert. Nun wird es nur knapp die Hälfte sein.

Zweitens trägt der seit dieser Saison geltende Vier-Säulen-Verteilungsschlüssel zur Spaltung bei. Er hilft Bundesligisten stärker und länger als bisher im Abstiegsfall. So wird Köln kommende Saison aus dem nationalen TV-Vertrag 24 Millionen Euro bekommen und damit zehn Millionen mehr als Union. Zinglers vor Jahren verkündete Ziel, sich unter den besten 20 zu etablieren, ist richtig und ein baldiger Aufstieg nötig, damit die Kluft nicht unüberbrückbar wird. Unmöglich ist im Fußball nichts, aber die Wahrscheinlichkeit von Bundesligafußball in Köpenick wird (ohne Investoren) mit jedem Jahr abnehmen.

Jeder Rang ist wertvoll

Am letzten Spieltag in Dresden geht es daher nicht nur um die Ehre, sondern auch um die Zukunft. Stand jetzt kämen nächste Saison 14 Millionen Euro aufs Konto (dazu Einnahmen aus Pokal und internationaler Vermarktung). Eine halbe Million würde Union noch verlieren, wenn Kiel aufsteigt. Eine weitere Million käme abhanden, wenn Union auf Platz elf abrutscht und Bochum gleichzeitig auf Platz vier klettert. Andersherum würde ein Abstieg von Darmstadt Union ein Plus von 1,2 Millionen Euro bringen. Die Eisernen verdrängen die Hessen im TV-Ranking auch, wenn sie Fünfter werden und Darmstadt bestenfalls 15.

Zudem wirkt die Platzierung auf die Geldverteilung in den nächsten Jahren ein. Dass die Summen, die auf dem Spiel stehen, beständig wachsen, macht jeden Rang so wertvoll.