Neu in Berlin: Robin Baghdady spielte zuletzt in der kanadischen College-Liga für die Brandon University. 
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BerlinWenn die Mutter deutsche Volleyball-Nationalspielerin, ja sogar WM-Teilnehmerin war, und wenn der Vater iranischer Volleyball-Nationalspieler, ja sogar Irans Sportler des Jahres war – was ist dann der Sohn? Groß auf jeden Fall: 2,05 Meter. Ja, und Robin Baghdady ist natürlich Volleyballer. Ab der kommenden Saison gehört der Außenangreifer zum Bundesliga-Kader der BR Volleys. Der 21-Jährige, der mit den besten Empfehlungen von Trainerlegende Stelian Moculescu nach Berlin wechselt, erhielt einen Zweijahresvertrag beim deutschen Pokalsieger und zehnmaligen Meister.

„Der Sport wurde mir schon sehr in die Wiege gelegt“, sagt Baghdady. Seine Mutter, Juliane Schlipf, belegte 1986 bei der WM in der Tschechoslowakei mit der BRD Platz 13, sein Vater Jalal war beim TSV 1860 München und beim VfB Friedrichshafen Bundesliga-Profi. Noch bevor Robin geboren wurde, zog das Volleyball-Paar in die Schweiz. Sein Vater wurde Trainer bei Volleys Amriswil im Kanton Thurgau. Er nahm den Sohn schon als Kleinkind mit in die Halle, war sein Trainer, förderte ihn, sodass Robin schon mit 17, 18 Jahren zur ersten Mannschaft gehört und mit Amriswil in der Schweiz zweimal Pokalsieger und einmal Meister wurde. Auch im europäischen CEV-Cup wurde Baghdady eingesetzt.

Voriges Jahr nahm er in Friedrichshafen an einem Lehrgang der deutschen B-Nationalmannschaft teil. Einer der Trainer war Meistercoach Moculescu. Der sagt: „Robin ist ein Junge, der großes Potenzial hat. Er ist technisch schon sehr gut, hat eine sehr gute Spielübersicht sehr gute Lösungsansätze und ist ein sehr intelligenter Spieler.“ Athletisch müsse er noch zulegen. Aber alles in allem sei Robin Baghdady „das vielleicht größte Talent im deutschen Außenangriff seit Björn Andrae“.

Wow, das ist ein Kompliment. Andrae war jahrelang Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, zweimal bei Olympia, spielte in Europas besten Ligen und gehört mit 39 Jahren bei den Powervolleys Düren noch immer zu den Leistungsträgern in der Bundesliga. „Das ist natürlich eine Ehre für mich, von so einem erfolgreichen Trainer so etwas zu hören“, sagt Baghdady.

In Berlin hat er in den beiden Franzosen Samuel Tuia und Timothée Carle sowie Cody Kessel aus den USA auf der Außenposition Kollegen, die „alle schon große Namen in Europa haben“, weiß Baghdady. „Im Vergleich bin ich eher unbekannt, aber ich freue mich darauf, mich mit ihnen zu messen.“

Baghdady hat in den vergangenen beiden Jahren an der Brandon University in Kanada studiert und dort im Uni-Team der Bobcats gespielt, mit dem er einmal das Meisterschaftsfinale erreichte. Die dortige College-Liga „wird oft unterschätzt, weil sie nicht so viel Medienrelevanz hat wie die amerikanische Liga“, sagt Baghdady. Jetzt will er in Berlin den nächsten Schritt gehen.

Hier kommt er in eine Mannschaft, die um Titel spielt und sich in der Champions League unter Europas Besten etablieren will. „Mit unserem Trainer ist abgesprochen, dass er viel Spielzeit bekommen soll“, sagt Berlins Manager Kaweh Niroomand. „Je schneller er den Anschluss findet, desto besser.“ Er habe mit der Verpflichtung von Baghdady und dem 20 Jahre alten Anton Brehme im Mittelblock „zwei sehr gute junge deutsche Spieler“ nach Berlin geholt, meint Niroomand. „Damit zeigen wir, dass wir auf deutsche Talente setzen.“

Trainingsstart am 10. August

Robin Baghdady freut sich auf den Umzug nach Charlottenburg. An der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport will er sein Studium der Sport- und angewandten Trainingswissenschaften fortsetzen. Er hatte auch andere Angebote für die neue Saison. Aber als Berlins Manager bei seinen Eltern anrief, sei die Freude groß gewesen, die Entscheidung nicht schwergefallen.

„Meine Eltern wissen, wie gut und angesehen die BR Volleys in Deutschland und Europa sind. Und sie wissen, dass die Berliner gute Arbeit mit jungen Spielern geleistet haben. Ich denke, dass sie sehr zufrieden sind mit der Entscheidung, die ich getroffen habe“, sagt Robin Baghdady. Der 10. August wird sein erster Trainingstag mit der Mannschaft sein, bevor am 17. Oktober die neue Spielzeit startet.

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