BerlinElf Spieltage trotzte die Mannschaft von Viktoria 89 aus Lichterfelde der gesamten, sehr starken Konkurrenz in der Regionalliga Nordost. Elf Spiele brachten elf Siege und die Rolle als großer Favorit für den direkten Aufstieg in die Dritte Liga – ins offizielle Profitum. Nun aber stoppte in dieser Woche ausgerechnet das Corona-Virus die beinahe unheimliche Erfolgsserie.  Zuerst musste das Duell bei Union Fürstenwalde abgesagt werden, weil in Stürmer Enes Küc ein Spieler positiv getestet worden war. Nun hatte es wenig später zwei weitere Viktoria-Kicker mit dem Virus erwischt, und auch das Heimspiel an diesem Sonnabend gegen den 1. FC Lok Leipzig muss ausfallen.

Der härteste Konkurrent, die VSG Altglienicke, erwartet am Sonntag den Drittliga-Absteiger FC Carl Zeiss Jena im Jahnsportpark und könnte den Abstand zu Viktoria bei einem Sieg auf acht Punkte reduzieren. Danach ist für vier Wochen Schluss mit dem Spielbetrieb in der Liga. Wegen der Pandemie-Bestimmungen wird es laut NOFV im November keine Spiele geben. Viktorias Sportdirektor Rocco Teichmann sagte: „Ich kann die harte Maßnahme nachvollziehen. Wir wussten, wie schwer die Saison wird, müssen mit den Auf und Abs leben.“

Hoch hinaus wollte Viktoria schon immer

Viktoria 89 befindet sich wie alle Klubs bald im Wartestand und muss den großartigen Lauf zwangsweise unterbrechen. Aber man thront weiter an der Spitze. Das gefällt auch Tomislav Karajica, 43, Hauptinvestor beim Traditionsverein. Der kann seinen Plan, Viktoria zur dritten Kraft im Berliner Fußball zu machen, vielleicht schon früher verwirklichen, als erwartet. Der Hamburger Unternehmer, in vielen Sparten tätig, trat in einer existenziellen Krise des Vereins auf den Plan, die andere Investoren zuvor verschuldet hatten.

Hoch hinaus wollten sie schon immer bei Viktoria, dem Deutschen Meister der Jahre 1908 und 1911. Doch meist passten die Träume nicht zur Realität. Als etwa im Frühsommer 2018 plötzlich mit dem bekannten Unternehmer Alex Zheng, einem milliardenschweren Hotelmogul, ein chinesischer Investor Millionen versprach, sollte es blitzschnell nach oben gehen. Doch die Chinesen zogen sich nach kurzer Liaison ohne Nennung triftiger Gründe zurück, stellten ihre Zahlungen ein und trieben so Viktoria in die Insolvenz.

Dann kam im Frühjahr 2019 der Immobilien-Unternehmer Karajica, stieg zuerst als Privatperson bei Viktoria ein – noch während das Insolvenzverfahren lief, verhinderte den Exodus, wie Vertraute von Karajica heute sagen. Der ehemalige deutsche Karate-Meister, sportaffin, gründete mit seinem Bruder Zeljko, einem erfahrenen Medienmanager, die SEH Sports & Entertainment Holding, wo nun die verschiedenen Engagements der Brüder im Sportbereich gebündelt sind. Inzwischen ist Tomislav Karajica der Hauptgesellschafter der FC Viktoria 1889 Berlin Fußball GmbH. Und schaffte mit seinem Investment profihafte Bedingungen für die Mannschaft des erfolgreichen Trainers Benedetto Muzzicato.

Im Mai 2020 verkündete Viktoria auf der Vereins-Homepage einen „weiteren Meilenstein“. Zeljko Karajica, 49, stieg als geschäftsführender Gesellschafter bei der SEH ein, um alle Engagements zu professionalisieren. Er schrieb zu den Zielen auf der Homepage: „Der FC Viktoria 1889 ist nicht nur ein Verein mit beeindruckender Historie, wir sehen auch riesiges Potenzial für eine erfolgreiche Zukunft. Es ist unser Anspruch, den Klub als dritte Fußball-Kraft der Hauptstadt zu etablieren.“

Schon einige Wochen vor dem Einstieg bei Viktoria war Tomislav Karajica im Februar 2019 beim österreichischen Zweitligisten FK Austria Klagenfurt eingestiegen und hatte den Traditionsklub entschuldet. Für die Austria und für Viktoria gilt es, vor allem Strukturen aufzubauen in den Bereichen Vermarktung, Marketing und Event. „Fußball muss ein Erlebnis sein“, ist ein Credo der Karajica-Brüder, die beide in Hamburg geboren wurden. Die Unternehmer hatten, so war zu erfahren, auch andere Optionen, um ins Fußballgeschäft einzusteigen und wirtschaftlich schwächelnden Vereinen zu helfen. Bei Viktoria spielte sicherlich der Hauptstadtfaktor eine Rolle, eine siebenstellige Summe soll investiert worden sein.

Als Vorbild dient allerdings eine Mannschaft aus dem Basketball. Tomislav Karajica baute den heutigen Bundesligisten Hamburg Towers sechs Jahre lang auf, ist noch der Hauptgesellschafter, aber die Towers stehen inzwischen auf eigenen wirtschaftlichen Füßen. Fernziel soll sein, dass sich irgendwann die Fußballvereine im Portfolio der Karajica-Brüder selbst tragen. Doch bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg.