Sebastian Polter kam im Winter zum 1. FC Union und mit ihm die Hoffnung, tatsächlich aufsteigen zu können. Der Ausgang ist bekannt. Doch Polters Arbeit ist trotzdem noch nicht erledigt, zwei Aufgaben liegen noch vor ihm. Die erste ist klar: Am Sonntag, wenn die Eisernen in Fürth gastieren (15.30 Uhr), soll der Stürmer nach abgesessener Rotsperre das Team zu einem versöhnlichen Saisonende führen. Ein Sieg wäre dabei hilfreich, allein schon aus psychologischen Gründen. „Mit drei Niederlagen in Folge will ich mich nicht in die Sommerpause verabschieden“, sagt Polter und verspricht: „Die neue Saison beginnt schon jetzt.“ Also am letzten und nicht wie üblich von der DFL terminiert am ersten Spieltag?

So müssen sie wahrscheinlich denken in Köpenick. Für Union gilt es nach der Enttäuschung vom Wochenende, schon jetzt eine gute Stimmung zu machen für die Zeit nach der Sommerpause. Es ist den Spielern wichtig, den Rekordrang vier mit einem positiven Abschluss betrachten zu können. Sie wollen sich nicht immer nur an die verpasste Aufstiegschance erinnern.

Das enttäuschende 0:1 gegen Heidenheim war erst die dritte Niederlage an der Alten Försterei. Das ist immer noch eine sehr gute Heimbilanz. Und der Ausgang des Spiels wäre auch keinem so wuchtig vorgekommen, wenn nicht gleichzeitig Abstiegskandidat Arminia Bielefeld die Braunschweiger Eintracht mit 6:0 besiegt hätte. In Polters Augen sah man nach dem Abpfiff einen verdächtigen Glanz. „Kann gut sein, dass ich da auch geweint habe“, sagt er. „Ich gucke mir ja selber nicht in die Augen. Aber wenn man die Bilder sieht, alle zwei Sekunden klingelte mein Handy und man kriegt eine Nachricht, dass drüben ein Tor fällt. Da wächst dann die Hoffnung, dass es doch noch kommen kann.“ Es kam nicht. Erst fiel kein Tor. Dann fiel es auf der falschen Seite. „Ich hätte am liebsten mich selbst eingewechselt und wäre auf den Platz gegangen.“

Erstklassige Träume

Die erste Aufgabe, den irgendwie doch noch positiven Ausgang dieser Saison, kann Sebastian Polter jetzt wieder selbst maßgeblich beeinflussen. Die zweite wird da schon diffiziler, sie ist nicht mit den Füßen zu lösen. Und sie dürfte etwas länger in Anspruch nehmen als 90 Fußballminuten. Polter muss nämlich seinen besten Kumpel Toni Leistner bearbeiten, damit der nicht in der Sommerpause auf die Idee kommt, den Verein zu verlassen.

Unions nur bis 2018 gebundener Abwehrboss träumt ja von England und der Bundesliga. Er gibt das auch offen zu. Und er hat nach den in dieser Saison gezeigten Leistungen auch alle Berechtigung dazu. „Vielleicht versuche ich einfach, ihn festzuketten“, sagt Polter. „Ich bin ja auf seiner Hochzeit im Sommer und versuche, ihn dazuhalten.“ Als Leistners standesamtlicher Trauzeuge hat Polter vielleicht mehr Einfluss auf die Entscheidungsfindung als andere. Er will den Kampf um seinen Kumpel nicht aufgeben.

Eine vorzeitige Vertragsverlängerung mit Leistner wäre ein wichtiges Zeichen und würde Union sehr dabei helfen, einen erneuten Anlauf Richtung Bundesliga zu starten. Außerdem würde das gefühlte Scheitern noch ein Stückchen weiter in den Hintergrund rücken.