Jonas Müller genoss den Montag. „Ein bisschen ausruhen, die Sonne genießen, noch was Gutes essen“, waren die wesentlichen Inhalte des Tages für den 23 Jahre alten Verteidiger der Eisbären Berlin. Nach einer Woche auf Reisen, in denen er und seine Kollegen sechs Punkte sammelten, dabei einen ansteigende Form erkennen ließen und sich vor allem für die Pre-Play-offs qualifizierten, genoss Müller die Vorzüge des Alltags in Berlin.

Zudem begleiteten ein paar schöne Erinnerungen diesen Tag. Denn genau vor einem Jahr gewann die deutsche Eishockeynationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Südkorea die Silbermedaille. Müller hatte in einem dramatischen Finale gegen Russland, das unter neutraler Flagge spielte, das 3:2 in der 57. Minute erzielt. Sein erstes Nationalmannschaftstor seiner Karriere sollte bekanntlich trotzdem nicht reichen für Gold. In der letzten Minuten fing das DEB-Team in eigener Überzahl den Ausgleich und verlor dann in der Verlängerung.

Das Größte im Eishockeyleben

„Man denkt natürlich noch ab und zu darüber nach“, sagt Müller, „vor allem, wenn man auf Facebook oder Instagram auf Videos stößt.“ In diesen Tagen sind die sozialen Netzwerke voll mit Erinnerungen an das deutsche Eishockeywunder. Die Eisbären starteten eine Serie, die sich um die Frage dreht: „Wo warst du, als Jonas Müller im Finale traf?“

Marcel Noebels, 26, war wie EHC-Teamkollege Frank Hördler direkt dabei. Der Stürmer ist noch spürbar erfasst von den Tagen in Gangneung. „Dieser Moment ist wahrscheinlich das Größte, was passieren konnte“, sagt er, „ich bin immer noch überglücklich und stolz.“ Die Whats-App-Gruppe, die vor Olympia erstellt wurde, hat in den letzten Tagen reichlich neue Inhalte bekommen. „Wir haben als Erinnerung noch mal ein paar Bilder reingestellt“, sagt Noebels.

Neben dem Gefühl, „dass man als deutscher Eishockeyspieler jetzt mehr respektiert wird“, wie Noebels empfindet, wirkten sich die Tage von Gangneung deshalb positiv auf die Sportart aus, weil die Dienste deutscher Profis in Übersee gefragter waren denn je. Dominik Kahun ist inzwischen gesetzt im Kader des NHL-Klubs Chicago Blackhawks, Marco Sturm hat als Assistenztrainer bei den Los Angeles Kings angeheuert. Brooks Macek ist viertbester Scorer in der AHL und hofft noch immer, dass ihm der Aufstieg vom Farmteam zu den Vegas Golden Knights gelingt. Yasin Ehliz und Noebels sind nach NHL-Stippvisiten in die DEL zurückgekehrt.

Mehr Kinder, weniger Platz

Ein Boom, von dem ja sportartübergreifend die Rede ist, kann jedoch nicht ausgemacht werden. Die Bezahlplattform Magentasport überträgt jedes DEL-Spiel, Sport 1 sendet auch fleißig am Sonntag die Liga und die Spiele des Nationalteams. Ins Programm der Öffentlich-Rechtlichen schafft es das Eishockey aber nicht mal beim Wintergame, das als Freiluftveranstaltung ja gerade so konzipiert ist, die Aufmerksamkeit zu erhöhen. „Die ersten sieben Programme im Fernsehen reichen von ARD bis Pro Sieben und RTL zwei. Es wäre schön, wenn ein Abenteuer wie das Winter Game irgendwo dazwischen laufen würde.“ Zumal die Nachfrage an den DEL-Standorten da ist. „Selbst dienstags oder mittwochs kommen viele Leute in die Halle“, weiß Noebels.

An der Basis ist der Olympia-Coup spürbar. Bei den unter zehnjährigen Kindern stieg in den Vereinen der Zuwachs 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 14,3 Prozent. Marc Dannbeck, der zusammen mit Sven Felski die Geschäfte bei den Eisbären Juniors führt, sagt: „Man hat schon gemerkt, dass die Aufmerksamkeit gewachsen ist.“

Fünf Hallen zu wenig

Doch dem Wachstum sind Grenzen gesetzt. „Die Kapazitäten waren immer schon knapp“, sagt Dannbeck. Bereits vor zwanzig Jahren ergab eine Erhebung, dass Berlin fünf Eisflächen fehlen, um die Sportart entscheidend weiterzuentwickeln. „Seitdem ist aber trotz gestiegener Nachfrage keine Halle dazugekommen.“ Eine weitere Halle in Lichtenberg oder Hohenschönhausen würde er sich wünschen. Doch trotz der schönen Erinnerungen an die Heldentaten von Müller, Noebels & Co. muss sich die Branche weiter gedulden.