Berlin - Da sage noch mal einer, der Berliner Fußballfunktionär Andreas Kupper von Blau-Weiß 1890 hätte, wie es einst Nationalspieler Andi Brehme formulierte, mit der Verwertung von Verwertetem „die Chancenverwertung nicht verwertet“. Offenbar wollte er dieser Tage weder den Herren Koch, Curtius oder Keller die Exklusivchance auf Schlammschlachten um Macht, Ämter und Posten überlassen. Ebenso wenig schien er zu wollen, dass der ehemalige Nationaltorwart Jens Lehmann als einziger ausgesprochen dämliche Nachrichten über die sozialen Medien schickt.

Fußball-Hermeneutiker Brehme fasste einst zusammen: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.“ Wobei sich besagter Kackhaufen, der seit Donnerstag etliche Gemüter im Berliner Fußball bewegt, weiter oben befand: auf dem Hals von Mirko Schubert.

Der Post macht die Runde

Der stellvertretende Jugendleiter des SV Blau-Gelb Berlin hatte zwei Tage vor dem Jugend-Verbandstag seine Kandidatur um den Vorsitz des Jugendausschusses im Berliner Fußball-Verband (BFV) bekannt gegeben. Woraufhin Kupper in einer WhatsApp-Gruppe an Mitglieder des Jugendausschusses eine Fotomontage verschickte.

Darauf zu sehen: links Kupper mit Hemd, Krawatte, Sakko, Ball. Rechts Schubert im blauen Blau-Gelb-Trikot mit Ball, statt des Kopfes allerdings besagter Kackhaufen, ein Emoji aus der gängigen Social-Media-Palette. Kurz darauf machte der Post die Runde vom Adlershof BC bis zur Zehlendorfer Hertha  – er wurde an alle Berliner Fußballvereine mit Jugendabteilung geschickt.

Kupper entschuldigt sich

Beim Anblick der ungleichen Bilder hätte Andi Brehme sicher angemerkt: „Von der Einstellung her stimmt die Einstellung – überhaupt nicht.“ Schließlich ist Kupper auch Mitglied des DFB-Jugendbeirats sowie Vorsitzender des NOFV-Jugendausschusses und als Vertreter der Jugendbelange im BFV in der Verantwortung, andere respektvoll und fair zu behandeln. Vorbildlich für die Jugend? Ist so eine Wahl-Posse sicher nicht. 

Nun entschuldigte Kupper sich beim digitalen Verbandstag zwar für die Bildmontage, die offenbar sein Sohn angefertigt hatte. Nach viereinhalb Stunden, in denen nur ein Viertel der Anträge besprochen war, verlor er die vorgezogene Vorstandswahl dann aber knapp (Schubert: 49 Stimmen, Kupper: 45 Stimmen, 3 Enthaltungen). Das wiederum brachte Kandidaten für andere Posten auf und durcheinander.

Fortsetzung folgt

Gegen Mitternacht fand schließlich der Antrag auf Unterbrechung der Sitzung eine Mehrheit. Immerhin. Wann die Fortsetzung folgt, ist offen. Und manch einer hofft, dass die Pause hilft, die Vertreter gegensätzlicher Positionen und Fraktionen in der Sache näher zusammenzubringen.

Mirko Schubert sagte, er werde „als erstes alles daran setzen, ein Team aufzustellen, das Erfahrung, Leidenschaft und Interesse für Gestaltung zeigt. Der Berliner Fußball hat gute und einvernehmliche Lösungen verdient, und genau diese werden jetzt von mir erarbeitet.“ Andi Brehme fasste sich einst kürzer, als er den schönen Satz prägte: „Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank!“