Alexander Zverev hat dem Regen in Paris getrotzt und die zweite Runde der Frensh Open erreicht.
Foto: AFP

BerlinIm Regen von Paris hat Alexander Zverev mühelos die zweite Runde der French Open erreicht. Zwei Wochen nach seiner bitteren Final-Niederlage bei den US Open gegen Dominic Thiem aus Österreich setzte sich Zverev am Sonntag gegen dessen Landsmann Dennis Novak mit 7:5, 6:2, 6:4 durch. Der 23-Jährige benötigte bei nasskaltem Wetter nur 2:05 Stunden für seinen Erfolg und überstand als zweiter deutscher Tennisprofi die erste Runde. Zuvor hatte Dominik Koepfer den Franzosen Antoine Hoang 6:2, 3:6, 6:1, 6:1 besiegt. Anna-Lena Friedsam schied gegen Alexandra Sasnowitsch aus Belarus dagegen mit 2:6, 6:2, 3:6 aus.

Und wieder beginnt ein Turnier voller Zweifel, Ungewissheiten und reichlich Zoff schon vor dem ersten Aufschlag. Nur zwei Wochen nach dem Ende der Geister-US-Open ohne Zuschauer und der aufwühlenden Fünf-Satz-Final-Niederlage von Alexander Zverev trifft sich die internationale Tennis-Elite zu den French Open. New York, Rom, Paris – trotz der weiter angespannten Lage wegen der Coronavirus-Pandemie werden von Sonntag an zwei Wochen lang die nächsten und für dieses Jahr letzten Grand-Slam-Champions gesucht.

„Es ist eine große Herausforderung für die Veranstalter, eine sichere Durchführung der French Open zu gewährleisten, aber ich bin zuversichtlich, dass es – wie zuletzt in New York – unter strikten Hygienevorschriften auch in Paris gelingen wird“, sagte Angelique Kerber kurz vor dem Turnierstart.

Wie schon in New York leben die Profis in der französischen Hauptstadt in einer sogenannten Blase. Anders als in New York sind keine Extravaganzen wie etwa private Häuser erlaubt. Den Spielerinnen und Spielern stehen zwei Hotels zur Verfügung. In einem wohnen die Profis auf den Ranglisten-Plätzen 1-60, im anderen der Rest des Teilnehmerfeldes. Hotel – Anlage – Hotel: So wird der Alltag aussehen. „Mehr als den Eiffelturm, den ich von meinem Hotelzimmer aus sehen kann, werde ich wohl dieses Jahr von Paris nicht mitbekommen“, sagte Kerber und betonte: „Mittlerweile habe ich mich darauf eingestellt und versuche, das Beste draus zu machen.“

Mit dieser Einstellung gehen auch die Top-Favoriten Rafael Nadal (Spanien), Dominic Thiem (Österreich), Novak Djokovic (Serbien) oder die deutsche Delegation um Kerber (Kiel), Julia Görges (Bad Oldesloe), Andrea Petkovic (Darmstadt) oder Alexander Zverev (Hamburg) und Jan-Lennard Struff (Warstein) in das Sandplatz-Turnier.

Spaß macht das Leben in der Blase, ohne Kontakte und ohne Möglichkeiten für einen Ausflug in die Stadt nicht wirklich. Es ist derzeit allerdings die einzige Chance, dass die Stars ebenso wie die Nicht-ganz-so-üppig-Verdiener der Branche ihren Job ausüben können. „Ich freue mich, dass die French Open überhaupt stattfinden“, sagte Kerber, die nach ihrem frühen Aus zuletzt beim Vorbereitungsturnier in Rom in der ersten Runde auf die Slowenin Kaja Juvan trifft.

Einigen Profis wurde die Teilnahme jedoch verwehrt – was den Organisatoren um Turnierchef Guy Forget schon harsche Kritik eingebracht hat. Zuletzt machte der spanische Routinier Fernando Verdasco seinen Frust öffentlich, nachdem er positiv auf Covid-19 getestet und vom Turnier ausgeschlossen worden war.

Spätere Tests seien negativ gewesen, aber die Veranstalter hätten ihm einen weiteren Test verweigert, schrieb der 36-Jährige bei Twitter und äußerte seine „völlige Frustration und Empörung“. Ihm sei „das Recht genommen worden, an diesem wichtigen Event teilzunehmen“.

Dies gilt auch für den Bosnier Damir Dzumhur, dessen Trainer positiv getestet wurde. Er sei von einem falschen Ergebnis überzeugt, sagte Dzumhur und drohte sogar eine Klage gegen die French-Open-Macher an.

Und doch wurden allen Widrigkeiten zum Trotz am Sonntag die ersten Hauptrunden-Matches gespielt – jedoch nicht vor 20.000 Zuschauern, wie sie es in Paris vor einiger Zeit noch gehofft hatten. In regelmäßigen Schritten mussten die Veranstalter die Zahl der Fans auf der engen Anlage am Bois de Boulogne reduzieren. Nach aktuellem Stand dürfen 1000 Menschen pro Tag zuschauen – keine Geister-Atmosphäre wie zuletzt in New York, von der Normalität aber noch weit entfernt.

Als wären das nicht schon genug Schwierigkeiten für die Organisatoren und alle Beteiligten, so mussten die Tennisprofis am Sonntag unter erschwerten Bedingungen auf den Platz. Bei nasskaltem Wetter mit Temperaturen knapp über zehn Grad Celsius und Nieselregen waren vor allem auf den Außenplätze die Herausforderungen groß. Auf dem Court Suzanne Lenglen wurde die Partie zwischen Victoria Asarenka aus Belarus und Danka Kovinic aus Montenegro nach wenigen Minuten beim Stand von 2:1 für Asarenka unterbrochen.

Vor allem Asarenka beschwerte sich über die Bedingungen. Nach einer halbstündigen Pause kam die frühere Nummer eins der Welt in langer Hose und mit Jacke aber besser mit den Umständen zurecht und erreichte die nächste Runde. „Ich bin froh, dass ich durch bin. Jetzt kann ich mir anschauen, wie die anderen mit diesen harten Bedingungen klar kommen“, sagte Asarenka.

Topfavorit Raphael Nadal bibberte nicht nur ob der kalten Temperaturen, sondern sprach davon, dass es aus vielen Gründen für ihn in Roland Garros nicht einfach sein wird. „Die Bedingungen für ein Turnier im Freien sind schon extrem“, sagte der 34-Jährige und sprach von einem Spiel mit „sehr langsamen Bälle“ und einem „sehr schweren, sehr kalten Boden“. Die French Open wurden wegen der Corona-Krise vom Mai in den Herbst verlegt. Die Temperaturen sind dadurch deutlich geringer als sonst. Nur über dem Court Philippe Chatrier gibt es ein Dach, so dass im größten Stadion in Roland Garros unabhängig vom Wetter gespielt werden kann.