Zuletzt spielte der 1. FC Union beim Geisterderby am 22. Mai im Olympiastadion und verlor 0:4 gegen Hertha BSC.
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BerlinDas eigenwillige Hygiene-Konzept des 1. FC Union ist gescheitert. Präsident Dirk Zingler wollte ein volles Haus mit mehr als 22.000 Fans. Möglich machen sollte es ein Corona-Massentest 24 Stunden vor Anpfiff. So ließ er es öffentlichkeitswirksam verkünden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat bei diesem Anliegen einen Riegel vorgeschoben. Das Ministerium besteht auf die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern. In wochenlanger Beratung mit dem Gesundheitsministerium hat die DFL ein Konzeptpapier erarbeitet, über das die Klubs bei einer Mitgliederversammlung abstimmen sollen. Was nun, Union? Um doch mehr Zuschauer bei Heimspielen zu bekommen, muss die eiserne Gemeinde über ein Tabu nachdenken – den Umzug ins Olympiastadion.

Das Papier ist 41 Seiten lang, es hat den Bandwurm-Titel „Grundlagen und Leitfaden für die Konzepterstellung zwecks Wiederzulassung von Stadionbesuchern“. Jedem Verein der Bundesliga, Zweiten Liga, Dritten Liga und Frauen-Bundesliga wurde es gestern geschickt. Es geht darum, dass jetzt die Klubs in Absprache mit den örtlichen Gesundheitsämtern ein Hygienekonzept für Zuschauer erstellen. Darin wird betont, dass es wegen der Einhaltung des 1,5-Meter-Abstands zunächst nur um eine reduzierte Zahl an Fans gehen kann. Also genau das, was sich Zingler ganz anders gewünscht hatte.

Es kommt aber noch viel dicker. Es geht nicht nur um die Platzkapazität der Arenen, in denen man einen prozentualen Anteil belegen darf. Der Teufel steckt im Detail. Plätze an Zugängen zum Block dürfen gar nicht besetzt sein. Mindestabstand muss auch bei den Toiletten, den Getränke- und Lebensmittelständen gewährleistet sein. Selbstverständlich muss auch bei den Einlasskontrollen Abstand bewahrt werden. Ist das bei dem schmucken, aber sehr engen Stadion an der Alten Försterei problemlos durchsetzbar? Und wenn ja, wie viele Fans dürfen dann am Ende rein?

Diese Empfehlungen, die man eigentlich schon jetzt als Vorschriften deuten kann, betreffen erst mal nur die Arena. Die DFL unterstreicht mit einem Extra-Kapitel in dem Leitfaden, dass die Klubs auch die An- und Abreise der Anhänger beachten müssen. Wegen des Infektionsschutzes wird es eine Empfehlung für Fahrräder und Pkw gegeben. Parkplätze an der Försterei? Das ist seit Jahren ein Problem in dem Areal. Der öffentliche Nahverkehr sollte am besten eine perfekte Taktung für den Zuschauerzustrom erhalten, damit es keine Massenansammlungen gibt. Auch das ist in Köpenick nur bedingt möglich. Außerdem ist der Weg vom S-Bahnhof zum Stadion rund 800 Meter lang.

Stadtrivale Hertha BSC wird weniger Probleme haben. Das Olympiastadion fast 74.475 Zuschauer, die Betonschüssel ist weitläufig, das Areal drum herum auch. Dazu gibt es genügend und in der Breite üppige Einlässe an Ost- und Südtor, um einen geordneten, abstandstreuen Zugang mit Sicherheitskontrollen zu gewährleisten. Es gibt ausreichend Parkplätze und dazu nicht nur einen U-Bahnhof, sondern auch eine S-Bahnstation mit zehn Gleisen.

Um wirklich viele Fans zu den Heimspielen zu bekommen, wäre das eine vernünftige Alternative in schwierigen Corona-Zeiten. Und gleichzeitig ein Tabu für viele Unioner. Doch die Eisernen haben schon mal eine Kröte geschluckt und sind beim Stadion-Umbau in den ungeliebten Jahn-Sportpark gezogen.