Ein Titelsammler als Hoffnungsträger bei den Handballerinnen

Bundestrainer Markus Gaugisch hat große Ziele mit den DHB-Frauen. Vor den Härtetests in Frankreich gab es aber Redebedarf.

Handball-Bundestrainer Markus Gaugisch spricht zu seinem Team.
Handball-Bundestrainer Markus Gaugisch spricht zu seinem Team.dpa

Markus Gaugisch will gar nicht erst ablenken. Dieses Thema, sagt der Bundestrainer angesichts des Wirbels bei Borussia Dortmund, „betrifft den gesamten Frauenhandball“. Die Kündigungen seiner Nationalspielerinnen Amelie Berger und Mia Zschocke beim BVB beschäftigen den Bietigheimer Titelsammler in der EM-Vorbereitung mehr, als ihm lieb ist.

Dabei hat der deutsche Hoffnungsträger keine Zeit zu verlieren. Fünfeinhalb Wochen bleiben noch bis zum Start der Europameisterschaft in Slowenien, Nordmazedonien und Montenegro. Die Länderspiele bei Olympiasieger Frankreich am Freitag (21.10 Uhr) und Sonntag (17.15 Uhr) dienen als erste Härtetests in Gaugischs Amtszeit.

Gaugisch hakt Thema Fuhr vorerst ab

Doch bevor es in der Sportschule Hennef zu Wochenbeginn mit der Arbeit losging, waren die BVB-Turbulenzen omnipräsent. Der Verein hatte Trainer André Fuhr nach scharfer Kritik von Berger und Zschocke freigestellt. In der Aufarbeitung der Vorfälle stehe der Verein „im Dialog mit der Anlaufstelle gegen Gewalt im Sport, die von mehreren Spielerinnen kontaktiert worden war“.

Gaugisch gab dem Thema kurz Raum, dann forderte er höchste Konzentration auf die Nationalmannschaft. „Wir können es uns nicht leisten, auch nur ein Prozent unserer gemeinsamen Zeit zu verschwenden“, sagte der Bietigheimer Erfolgscoach. Das Thema sei vorerst „abgehakt“.

Viel lieber würde der 48-Jährige über Handball sprechen, über seine Ideen und seine Visionen. 58 Pflichtspielsiege feierte Gaugisch zuletzt mit Bietigheim, erst in der Champions League beim rumänischen Meisterschaftszweiten CSM Bukarest (28:28) riss diese Serie – was der Euphorie an der Enz keinen Abbruch tat.

Den Schwung des deutschen Meisters will Gaugisch nun mit „schnörkellosem und gradlinigem Handball“ in die Nationalmannschaft tragen. Die Hoffnungen ruhen mit Blick auf Olympia 2024 und eine Medaille bei der Heim-WM 2025 auf ihm.

Gaugisch will mit dem Team zurück an die Weltspitze

Der zweimalige Familienvater trat im April die Nachfolge von Henk Groener an. Das Ziel? Zurück an die Weltspitze. „Ja, klar. Sonst bräuchte ich die Arbeit nicht zu machen“, sagt Gaugisch. Er weiß: Die DHB-Frauen lechzen nach Erfolgen. Und Gaugisch weiß auch, wie’s geht. Der DHB-Coach strahlt Lockerheit, aber auch Selbstbewusstsein aus.

Der Höhenflug mit dem deutschen Triplesieger habe ihn cooler gemacht. „Ich habe gelernt, in brenzligen Situationen Ruhe zu behalten“, schildert Gaugisch, der in dieser Saison eine Doppelrolle ausübt. Als Übergangsjahr will er die Zeit aber nicht verstanden wissen.

So sei bei einer EM wie im November eine Medaille „immer im Bereich des Möglichen“. Gaugisch will Schritt für Schritt gehen, das vorrangige Ziel sei es, „möglichst viele Spiele zu erreichen, in denen es um etwas geht“. Um mittelfristig oben anzugreifen.