Alexander Zverev und Novak Djokovic halten nicht viel von Abstandsregeln.
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BerlinAlexander Zverev war in aller Munde. An dem Tag, der ursprünglich das Startdatum für das prestigeträchtige Rasen-Turnier in Wimbledon markieren sollte, diskutierte die Tennisszene aber nicht über Zverevs großes Talent oder seine Aussichten auf einen Grand-Slam-Triumph. Ein Partyvideo, auf dem der 23 Jahre alte Hamburger zu sehen ist, sorgte vielmehr für große Aufregung.

Zverev, weit geöffnetes weißes Hemd, tanzt auf den Bildern in einer gut gefüllten Location nahe des Meeres zu wummernden Bässen. Es erscheint höchst fraglich, ob dabei die gebotenen Maßnahmen angesichts der Corona-Pandemie eingehalten wurden. Die verschiedenen Aufnahmen, die auf mehreren Instagram-Accounts erschienen und teilweise wieder gelöscht wurden, verwundern. Denn Zverev hatte nach dem öffentlichen Debakel der Adria-Tour mit Coronainfektionen unter anderem beim Weltranglistenersten Novak Djokovic angekündigt, sich trotz eines negativen Tests in Selbstisolation begeben zu wollen.

Zverevs Management reagierte am Montag zunächst nicht auf Anfrage unter anderem zum Ort und Zeitpunkt der Videoaufnahmen, die offenbar bei einer Party des Modedesigners Philipp Plein gemacht wurden. Dass der hochveranlagte Profi seine Isolation konsequent durchsetzt, wird nach den Szenen, die sich offenbar im Anjuna Plage Private Club bei Monte Carlo ereignet haben, bezweifelt.

Der Australier Nick Kyrgios warf Zverev in einer ersten Reaktion Egoismus vor. "Ich bin zwar kein Kyrgios-Fan, aber da hat er wohl recht", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner, die zunächst gar nicht glauben wollte, dass es sich um aktuelle Bilder handle.  Die 47-Jährige geht sogar noch weiter. Sollte Zverev trotz Ankündigung der Isolation in seiner Wahlheimat gefeiert haben, fordert Rittner Konsequenzen: "Dann sollte die ATP darüber nachdenken, ihn zu sperren."

Zunächst ist Zverev allerdings für die Einladungsturniere in Berlin, im Steffi-Graf-Stadion (13. bis 15 Juli) und auf dem Flugplatz Tempelhof (17. bis 19. Juli) eingeplant. Dort soll sogar vor Zuschauern gespielt werden. "Wir müssen zeigen, wie es geht, auf uns wird die ganze Tenniswelt schauen", sagte Turnierdirektorin Rittner: "Jeder muss sich seiner Verantwortung und seiner Vorbildfunktion bewusst sein."

Diese spricht zumindest Kyrgios Zverev ab. "Mann, wie egoistisch kannst du sein?", sagte der Australier an den Deutschen gerichtet. Wenn Zverev schon die Dreistigkeit besitze, sein Management eine Botschaft schreiben zu lassen, in der er eine Selbstisolation ankündige und sich entschuldige für sein Verhalten während der Adria-Tour, solle er doch bitte für 14 Tage zu Hause bleiben, fügte Kyrgios an: "Das kotzt mich an." Die Tenniswelt werde immer egoistischer.

Und sie bleibt in Gefahr. Ob die Profitour bei den US Open (ab 31. August) ihr großes Comeback geben wird, glaubt Rittner erst, wenn in New York tatsächlich der erste Aufschlag erfolgt ist.