Berlin - Den vorläufigen Höhepunkt bei dieser Handball-WM erlebte Gauthier Mvumbi auf Instagram. Er, der selbst ernannte „El Gigante“, der „Koloss“, hatte doch tatsächlich die Aufmerksamkeit von Shaquille O’Neal auf sich gezogen. „Man sagt, dass du der Shaq des Handballs bist. Was geht?“, fragte die Basketball-Legende den „No Name“ in einer Videobotschaft. Mvumbi war baff. „Ein Traum wird wahr, ich glaube es nicht. Mein Idol“, schrieb der unübersehbare und eigentlich vollkommen unbekannte Amateur-Handballer der Demokratischen Republik Kongo. Und: „Ich verstehe noch gar nicht, was eigentlich passiert.“

Aus 1000 werden 9000 Follower

Das war passiert: In nur wenigen Tagen entwickelte sich der bullige Kreisläufer zum heimlichen Star bei der Weltmeisterschaft in Ägypten. Seine wuchtige Erscheinung, gepaart mit seinen durchaus vorhandenen handballerischen Fähigkeiten, beschert ihm minütlich neue Follower in den sozialen Netzwerken und begeistert die Fans an den Fernsehbildschirmen. So wie O’Neal. Auf Instagram hatte er vor dem Turnier 1000 Follower, vor dem entscheidenden Gruppenspiel um den Einzug in die Hauptrunde am frühen Dienstagabend, das allerdings mit 27:34 gegen Bahrain verloren ging und das Aus bedeuete, sind es bereits mehr als 9000. Dabei ist es nicht die Anzahl seiner Beiträge auf seinem Profil – gerade einmal acht Stück sind dort zu finden, allein vier mit Bildern und Videos der WM –, sondern seine bisherigen zwei Auftritte im Laufe des Turniers in Ägypten und sein Erscheinungsbild.

110 Kilo soll der 1,92-Meter-Mann nach offiziellen Angaben auf die Waage bringen. Bei genauerer Betrachtung wird aber klar, dass es wohl doch ein paar Pfunde mehr sein dürften. Zu sehr spannt sein Trikot über dem Bauch, häufig rutscht es hoch, wenn Mvumbi sich hektisch, aber durchaus wendig am gegnerischen Kreis bewegt, mal rutscht auch die Hose nach einem Wurf etwas runter. Mit Blick auf sein Gewicht ist der Vergleich zu O’Neal durchaus angebracht, wog der Basketball-Star zu aktiven Zeiten doch selbst mehr als 150 Kilo.

Im Team der DR Kongo, einem der zahlreichen Außenseiter bei der Mega-WM mit 32 Teams, ist Mvumbi ein echter Leistungsträger. Beim Turnierstart gegen Argentinien (20:34) traf der 26-Jährige bei vier Versuchen viermal ins Tor. Und auch gegen Titelverteidiger Dänemark (19:39) bewies die Nummer 15, vom Boulevard als „Kongo-Koloss“ gefeiert, große Effektivität. Wieder kam er auf vier Treffer, diesmal bei fünf Versuchen.

Für einen Spieler, der ansonsten nicht im Rampenlicht der großen Handball-Ligen steht, sind das herausragende Quoten. Sein Alltag heißt vierte französische Liga beim Dreux AC. Auf der Internetseite des Vereins ist nicht einmal ein aktueller Kader oder gar ein Foto der Mannschaft zu finden. In den bislang absolvierten drei Ligaspielen hat der wuchtige Spieler mit seinem Team sieben Punkte geholt und selber elf Tore erzielt. Weitaus mehr Aufmerksamkeit bekommt er aber selbstredend bei der Weltmeisterschaft in Ägypten.

Wenn er seinen Körper in die Luft schraubt, trifft und im ihm schnellstmöglichen Tempo zur Bank läuft, damit ein Mitspieler in der Abwehr für ihn auf das Feld geht. Sein französischer Verein ist stolz auf seinen bulligen Kreisläufer, teilt über Facebook so ziemlich jeden Text, den es über Mvumbi mittlerweile zu lesen gibt. „Gauthier brummt“, schrieb Dreux AC mit Blick auf die Schlagzeilen, die der mittlerweile prominenteste Spieler des Vereins in diesen Tagen schreibt.

Traum von einem Stirnband bleibt unerfüllt

Ein großer Traum, das verriet Mvumbi vor der WM, sei es, das Stirnband von Dänemarks Superstar Mikkel Hansen zu stehlen. Ausgerechnet im direkten Duell wurde dem früheren Welthandballer am Sonntag aber eine Pause verordnet. Mvumbi dürfte es verkraftet haben. Der Blick des Viertliga-Spielers aus Frankreich richtet sich längst auf Dienstag.

Im Vorrundenfinale gegen Bahrain kann sich die DR Kongo tatsächlich noch für die Hauptrunde qualifizieren. Jeder Sieg würde dazu reichen – und Mvumbis außergewöhnliche Geschichte bei dieser WM somit fortschreiben. Shaquille O’Neal hätte sicher nichts dagegen.