Berlin„Happy Biden day“, sagt Benjamin Patch fröhlich am Telefon. Zuvor hat der Angreifer der BR Volleys aus seiner Kreuzberger Wohnung im sozialen Netzwerk eine Bilderfolge gepostet: „We won“, steht unter dem Foto von Joe Biden und Kamala Harris. „Wir haben gewonnen.“ Patch, 26, hört sich euphorisch an. Der US-Nationalspieler, der gerade seine dritte Saison beim deutschen Meister und Pokalsieger in Berlin begonnen hat, sagt, die Nacht von Sonnabend auf Sonntag sei für ihn „super, super emotional“ gewesen. 

Der Volleyballer mit dem Faible für Mode und Kunst hatte in seinem Berliner Töpferstudio an der Drehscheibe gesessen, als er hinter sich eine Freundin schreien hörte: „Er hat gewonnen! Da wusste ich, sie redet von Joe Biden“, erzählt Patch. „Sie kam rüber zu mir und fing an zu weinen. Diese fürchterliche Person ist weg. Ich habe ein paar Minuten gebraucht, um das zu realisieren. Dann habe ich mich auf eine Bank gesetzt und auch geweint.“

LeBron James postet Fotomontage

Patch ist politisch aktiv, ein Kämpfer für Gleichberechtigung, gegen Rassismus. Als er im Sommer in Utah war, nahm er an den Protestmärschen der Black-Lives-Matter-Bewegung in Salt Lake City teil. Er schrieb Mails an Gouverneure und Abgeordnete, versuchte, mit Leuten zu diskutieren, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was Ungleichheit bedeutet. Bidens Wahlsieg nach der Auszählung der Stimmen in Pennsylvania habe bei ihm, bei seinen Freuden eine riesengroße Energie freigesetzt, sagt Patch. „Es war ein wahnsinniges Aufatmen, dass diese böse Person weg ist.“ Patch spricht den Namen Trump nicht aus. Er vermeidet ihn in jedem Satz. Er sagt, er sei es so müde, diesen Namen zu sagen. 

Diese Präsidentschaftswahl hatte in den USA den Sport und seine Athleten zunehmend politisiert. Basketballer LeBron James von den LA Lakers postete nach Bidens Wahlsieg eine Fotomontage, auf der er im Trikot der Cleveland Cavaliers zu sehen ist: hoch oben am Korb beim berühmten Block gegen Andre Iguodala im entscheidenden Finalspiel 2016 gegen die Golden State Warriors. Anstelle seines Kopfes ist der von Biden zu sehen, unter dem Korb ist Trumps Tolle auf den Körper von Iguodala montiert. Viele US-Athleten teilten dieses Foto.

„Bidens Wahlsieg fühlt sich besser an als der Gewinn der Champions League und der Olympischen Spiele zusammen“, sagt Patch. „Jetzt haben die Menschen jeder Herkunft, jedes Geschlechts, jeder sexuellen Orientierung das Gefühl, eine Chance zu haben, eine Stimme zu haben“, fährt der Volleyballer fort.

James, 35, hatte mit seiner Initiative „More than a vote “ vor allem Afroamerikaner aufgefordert, wählen zu gehen. In der NBA, WNBA oder der Football-Liga NFL hatten Spieler oder ganze Teams zuletzt gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit protestiert. Im August lösten die Basketballer der Milwaukee Bucks einen kurzzeitigen Boykott in den großen Sportligen aus, nachdem der Afroamerikaner Jacob Blake von Polizisten erschossen worden war.

Megan Rapinoe will nun doch ins Weiße Haus

Weltfußballerin Megan Rapinoe, die nach dem WM-Gewinn mit ihrem Ausspruch: „Ich werde nicht ins f**king White House gehen“, um vom Präsidenten geehrt zu werden, ihre Opposition gegen Trump kundtat, twitterte besagtes Video noch mal und schrieb dazu: „Jetzt kann es nicht schnell genug ins f**king White House gehen.“ Auch, weil dort nun Kamala Harris als designierte Vizepräsidentin angekommen ist. „Harris ist eine Göttin“, findet Volleyballer Patch. Er hatte sich in Berlin registrieren lassen, um per Briefwahl seine Stimme für Bidens Demokraten abzugeben. 

„Dass JB mit den Trump-Anhängern Frieden schließen will, ist groß“, twitterte Footballer Dez Bryant von den Baltimore Ravens nach Bidens Siegerrede. Die hatte sich Patch am Sonntag angesehen. Bidens Satz, er sei für das amerikanische Volk im Amt, berührte Patch am meisten. „In dieser Wahl ging es nicht um Biden, sondern um Empathie, Liebe, Fürsorge. Wir brauchen nicht mehr Geld oder mehr Politiker. Wir brauchen Heilung“, sagt Patch. „Es war ein großer Sieg nicht nur für die USA. Er hat gezeigt, dass Menschen die Macht haben, einen Wandel herbeizuführen. Ich hoffe, dass ein großer Teil der Anhänger, die für die Republikaner gestimmt haben, Biden eine Chance geben.“