Ein Zuspätkommer und ein Unruhestifter: Die deutsche Elf in der Einzelkritik

Wie sich die Spieler der deutschen Nationalmannschaft beim 1:1 gegen Spanien geschlagen haben. Eine Einzelkritik.

Spätes Glück: Die deutschen Nationalspieler feiern das 1:1 durch Niclas Füllkrug.
Spätes Glück: Die deutschen Nationalspieler feiern das 1:1 durch Niclas Füllkrug.dpa/Michael

Manuel Neuer: Mit einer Großtat, als er einen Kracher von Olmo noch irgendwie an die Latte wischte (7.). Zur Wahrheit gehört auch: Hatte da Glück, dass er sich den nicht selbst ins eigene Netz patschte. Dennoch: gut reagiert. Seine Abspiele kamen nicht immer an.

Thilo Kehrer: Neu im Team, hinten rechts, der Problem-Zone. Konnte diese Position nicht mit Leben füllen, Schwierigkeiten im Timing, schwerer Stand gegen Olmo. Patzte dann auch vor dem 0:1, viel zu weit weg von Alba.

Niklas Süle: Stand unter Druck, nach dem Japan-Spiel schwer gescholten. Ging damit professionell um, lange solide in der Innenverteidigung. Doch auf diesem Niveau reicht solide eben nicht. Kam beim 0:1 durch Morata einen Schritt zu spät. Gar nicht gut verteidigt.

Süle kann in dieser Szene Spaniens Olmo vom Ball trennen.
Süle kann in dieser Szene Spaniens Olmo vom Ball trennen.AFP/Vatsyayana

Antonio Rüdiger: Erneut mit einer amtlichen Vorstellung, fegte hinten furchtlos dazwischen, dafür ist er ja da. Doch im ersten Abschnitt auch der gefährlichste Deutsche in der Offensive. Machte per Kopf ein schönes Tor, stand blöderweise ein paar Zentimeter im Abseits (40.). Auch danach noch mal gefährlich nach einem Freistoß. Nicht schlecht.

David Raum: Sehr couragiert auf links, marschierte immer wieder nach vorne, mit so manch guter Balleroberung. Hinten aber mit einigen Problemen gegen Torres, gleich zu Beginn mit einem leichtfertigen Ballverlust.

Joshua Kimmich: Nicht oft zu sehen, prägend sieht anders aus. Eigentlich nur bei Freistößen zu sehen – und bei einem Schuss, den Simon entschärfte.

Leon Goretzka: Brachte eine andere Körperlichkeit ins Spiel, räumte in der Zentrale auf. Mit Wut im Bauch. Wollte unbedingt zeigen, dass er ins Team gehört. Mit drei Fouls in den ersten 15 Minuten. Das sagt vieles.

Ilkay Gündogan: Mit einigen feinen Kleinigkeiten, etwa seiner klugen und technisch hochwertige Weiterleitung auf Goretzka in der Anfangsphase. Kümmerte sich leidenschaftlich um Busquets, nervte ihn und gewann viele Zweikämpfe. Aber das entscheidende Duell vor dem 0:1 verlor er. Erneut ausgewechselt. Das hat ihn nicht gefreut, sah man ihm an.

Serge Gnabry: Hatte die erste Chance, sein Schlenzer ging knapp vorbei. Wirkte trotzdem wie ein Fremdkörper, gar nicht drin im Spiel, strukturlos, ohne Power und Punch.

Serge Gnabry (r.) im Zweikampf gegen Jordi Alba
Serge Gnabry (r.) im Zweikampf gegen Jordi AlbaAFP/Kirk

Thomas Müller: Lief ohne Ende, darum bemüht, die Spanier zu stören und die Kollegen mitzureißen. Viel mehr ging aber nicht bei ihm. Bisschen wenig.

Jamal Musiala: Hart attackiert von den Spaniern, oft gefoult, fand das gar nicht so lustig. Beschwerte sich häufiger mal beim Schiri. Vergab die beste Chance, schoss da Spaniens Keeper Simon an, übersah den freistehenden Füllkrug (73.). Machte den Fauxpas gut, bereitete den Ausgleich vor. Unterschiedsspieler.

Niclas Füllkrug: Kann man mal so machen: Kommt rein, sorgt für Unruhe, ist präsent ohne Ende – und zimmert die Kugel dann mit Vollspann und gefühlten 360 Stundenkilometer in den Winkel (83.). 1:1. Wow. Viel mehr geht nicht.

Bundestrainer Hansi Flick bedankt sich bei Niclas Füllkrug. 
Bundestrainer Hansi Flick bedankt sich bei Niclas Füllkrug. dpa/Michael

Leroy Sané: Sorgte für mächtig Belebung, gute Pässe, gleich drin im Spiel. Auch am Ausgleich beteiligt. In dieser Verfassung eine klare Bereicherung.

Lukas Klostermann: Löste Kehrer rechts ab (70.), ohne besonders auffällig zu werden, mit einer Ausnahme: Der Leipziger leitete den Ausgleichstreffer mit ein.

Nicht bewertet: Jonas Hofmann, Nico Schlotterbeck.