Das Berliner Olympiastadion ist ein faszinierendes Bauwerk, aber eben auch ein unwirtlicher Ort. Im Besonderen, wenn bei neun Grad Celsius auch noch ein dementsprechend kalter Regen ohne Unterlass in das weite Oval fällt.

Schmuddelwetter bringt aber, das war das Glück für die Menschen, die sich am Freitagabend in der Arena eingefunden hatten, nicht zwangsläufig Schmuddelfußball mit sich. Nein, was die beiden Teams gestern Abend unter Flutlicht darboten, war doch allemal sehenswert, wobei der Gastgeber, die Mannschaft von Hertha BSC in der Auseinandersetzung mit Fortuna Düsseldorf nicht nur spielerisch überzeugen konnte. Nein, die Elf von Ante Covic stellte dieses Mal auch ihre Nehmerqualitäten unter Beweis,

drehte das Spiel vor 37 128 Zuschauern nach einem 0:1-Rückstand durch Treffer von Vedad Ibisevic (37. Spielminute), Javairo Dilrosun (44.) und dem überragenden Vladimir Darida (62.) noch souverän zu ihren Gunsten. „Ich habe dem Vladi gesagt, er soll seinen Namen heute auf die Anzeigetafel bringen. Was er dann auch gemacht hat. Er hat sich das wirklich verdient, weil er so viel für die Mannschaft macht“, sagte Hertha-Coach Ante Covic.

Blau-Weiße mit viel Selbstvertrauen

Mit dem Selbstvertrauen und damit auch der Selbstverständlichkeit, die das Team beim beeindruckenden 4:0 in Köln gewonnen hatte, gingen die Blau-Weißen vom Anpfiff weg zu Werke. In einem 4-4-1-1-System, das im Angriff durch die offensiven Außenverteidiger Lukas Klünter (rechts) und Maximilian Mittelstädt (links) aber gern mal zum 2-4-3-1 mutierte. Zwischen den Reihen trieb sich wieder mal Darida herum, als Unruhestifter einerseits, als Verbinder andererseits. Vor allem beim Pressing ging er mit Ibisevic, der nach seinen beiden Toren am vergangenen Wochenende den Vorzug vor Davie Selke erhalten hatte, immer wieder im Vollspurt den im Ballbesitz befindlichen Düsseldorfer an, und sammelte dabei allerlei Fleißpunkte.

Aus dem dominanten Spiel ergaben sich Möglichkeiten. Für Marius Wolf, der nach einer Flanke von Darida den Eindruck erweckte, dass er beim Kopfballspiel noch etwas Nachhilfeunterricht gebrauchen könnte (6.). Auch für Dilrosun, der beim Abschluss zunächst viel zu aufgeregt oder eben etwas zu verspielt war, um sein Team in Führung zu bringen.

Hier also gab es für Covic Anhaltspunkte zur Kritik, genauso wie am ungeschickten Zweikampfverhalten von Mittelstädt und Dedryck Boyata. Erstgenannter konnte von Glück sprechen, dass Schiedsrichter Martin Petersen nach seinem Einsatz gegen Lewis Baker auch nach Kontaktaufnahme mit dem Videoschiedsrichter nicht auf Straf-, sondern auf Abstoß entschied (25.). Bei Boyata wiederum konnte Petersen gar nicht anders, als den unwirschen Tritt gegen Oliver Funk mit einem Elfmeter zu ahnden. Auch hier kam der VAR zum Einsatz. Rouwen Hennings traf vom Punkt zum 0:1 (32.).

Lukebakios Solo-Lauf

Die Hertha-Profis wirkten aber nur kurz etwas verstört, verfolgten wenig später wieder mit großem Engagement den Matchplan und gaben bis zur Pause eindrucksvoll Antwort. Ibisevic traf nach einer Flanke von Wolf per Direktabnahme zum Ausgleich (37.), Dilrosun nach einem feinen Dribbling und einem Doppelpass mit Ibisevic nur einen Balljungen vor dem Marathontor (41.). Doch der Niederländer ließ sich davon nicht beirren, kreuzte wenig später nach einer Flanke von Darida rechtzeitig vor das Düsseldorfer Tor auf, um mit einem Kunstschuss aus 14 Metern zu vollenden.

Es war schon augenfällig, wie gut die Hertha-Profis an diesem Abend im Raum und im Miteinander agierten. Ja, die Darbietung in der zweiten Hälfte dürfte bei den Fans die Hoffnung auf eine sehr erfolgreiche Saison noch weiter gesteigert haben. Das ist in jedem Fall jede Menge Potenzial, auch auf der Bank, von der nach einer Stunde der 20-Millionen-Euro-Mann Dodi Lukebakio als Ersatz für Dilrosun ins Spiel kam. Der Belgier, der nur zwei Minuten später seine ehemaligen Teamkollegen der Reihe nach düpierte und auf Darida durchsteckte. Der nimmermüde Tscheche markierte das vorentscheidende 3:1.