Hat Kai Havertz da etwas abbekommen? Der Leverkusener Fußballprofi wurde schon mal Opfer der Glandula Submandibularis von Santiago Ascacibar. 
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BerlinSalomon Kalou und sein Spaßvideo aus der Kabine von Hertha BSC hat die Fußball-Bundesliga geräuschvoll, aber folgenlos überstanden, da droht nun neues Ungemach. Und zwar in Gestalt von Glandula Submandibularis. Klingt nach einem litauischen Stürmertalent, das den freigewordenen Platz im Kader der Berliner übernehmen soll, ist in Wirklichkeit aber ein Körperteil, das bei jedem Fußballprofi sehr aktiv, in Zeiten von Corona allerdings auch sehr gefährlich sein kann: die Unterkieferdrüse. Sie produziert ein Sekret namens Saliva, das in jedem Bundesligaspiel reichlich vorkommt und im Volksmund Rotze heißt.

Kaum eine Großaufnahme in Liveübertragungen, die nicht eine Glandula Submandibularis in Aktion zeigt. Beeindruckende Bilder sind so in der jüngeren Vergangenheit entstanden, wenn auch nicht immer derart spektakulär wie vor gut einem Jahr, als der Neuherthaner und damals noch für den VfB Stuttgart tätige Santiago Ascacibar den Leverkusener Kollegen Kai Havertz mit einer Salve Saliva zu überraschen wusste. Meist tritt das Sekret eher diskret aus und gelangt eher beiläufig aufs Geläuf.

Geht man nun aber davon aus, dass so ein professioneller Fußballplatz 8.250 Quadratmeter umfasst, geht man gleichzeitig davon aus, dass ein professioneller Rotztropfen sechs Quadratzentimeter groß ist, geht man schließlich davon aus, dass sich bei einem voll ausgeschöpften Auswechselkontingent neuerdings 32 professionelle Glandula Submandibularis innerhalb von 90 Minuten versammeln können, sind 47 Salivasalven pro Minute erforderlich, um eine Spielfläche nahezu komplett zu bedecken. Das müsste zu schaffen sein und den Fußballprofis weit weniger Anstrengung abverlangen als Handhygiene oder Distanztorjubel.

Da die obige Kalkulation schon fehleranfällig genug gewesen ist und zahlreiche Zuschriften mathematisch vorgebildeter Leser zu erwarten sind, soll an dieser Stelle eine andere Berechnung unterbleiben: zur Konzentration von Viren in Salivatropfen, die bei gleichmäßiger Aufbringung auf den Spielbelag nötig ist, um einen coronabedingten Abbruch der Saison zu bewirken. Das ist sowieso die reine Theorie und unrealistisch wie ein Fußballprofi, der nicht rotzt. Beides, verhinderter Abbruch und flüchtiger Ausfluss, haben mit Reflexen zu tun.

Doch davon vielleicht ein andermal. Hier nur noch das: Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga, hat der Bildzeitung mitgeteilt: „Ich hoffe, dass die Spieler an alles denken und schon den Corona-Torjubel üben - selbstverständlich mit Abstand, wenn es irgendwie geht, weil auf den Körperkontakt könnte man dann ja tatsächlich verzichten.“ Das war lustig gemeint. Bitte nicht weinen. Denn: Tränenflüssigkeit kann Viren enthalten.