So war Stefan Kretzschmar in den bisherigen Saisonspielen häufig zu sehen: gestikulierend am Spielfeldrand.
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BerlinEr sei eher der emotionale Typ hatte Stefan Kretzschmar in den vergangenen Wochen wiederholt betont. Genauso wie den Fakt, dass der Sportvorstand der Füchse seine Gefühlswelten aktuell lieber in den Hintergrund stelle, wenn es darum ginge, sein Handballteam zu betreuen. Im Derby gegen den SC Magdeburg (22:32), dem Verein, bei dem der ehemalige Linksaußen seinem Namen ultimativ einen Legendenstatus verlieh, und anschließend gegen den SC DHfK Leipzig (24:24), den der gebürtige Berliner in den vergangenen Jahren entscheidend prägte, wurden die Vorsätze  auf eine harte Probe gestellt. Selten sah man den 47-jährigen ruhig am Seitenrand, oft waren die Hände in die Höhe gestreckt. Manchmal klatschend zur Anfeuerung, häufiger aber als Ausdruck der Verzweiflung.

Kretzschmar musste leiden, weil sich das Team um Kapitän Paul Drux eine Vielzahl von technischen Fehlern leistete. Doppelt so viele wie im gewohnten Durchschnitt waren es in beiden Spielen. „Da werfen wir die Bälle reihenweise weg und agieren teilweise ängstlich“, sagt der 218-fache Nationalspieler. Nach dem Saisonstart muss er sich eingestehen, dass die Füchse trotz langer Vorbereitungszeit nicht auf dem erwarteten Leistungsstand sind. Mit drei Punkten aus drei Spielen befindet sich der Verein im unteren Mittelfeld, auch der bisher einzige Sieg, das 25:20 in Nordhorn, war nicht überzeugend.

„Natürlich wünscht man sich mehr Sicherheit und Eingespieltheit. Aber offensichtlich braucht dieses Konstrukt, das auf entscheidenden Positionen neu besetzt wurde, Zeit“, sagt der Sportvorstand. Ein Grund für den teilweise konfusen Auftritt der Berliner liegt sicherlich an der Umstrukturierung des Kaders. Mit Marian Michalczik, Lasse Andersson, Milos Vujovic, Fredrik Genz und Valter Chrintz sind fünf neue Spieler zum Team gestoßen, Michalczik und Andersson spielen auf zwei Schlüsselpositionen. Dem gegenüber stehen neun Abgänge und die langen verletzungsbedingten Ausfälle von Jacob Holm, Fabian Wiede und Simon Ernst sowie die Neubesetzung des Traineramtes durch den erst 26-jährigen Jaron Siewert.

Dadurch erklärt sich die fehlende Abstimmung im Zusammenspiel und darüber hinaus eine eventuelle Unsicherheit im Habitus, die dazu führen. Das Spiel der Füchse definiert sich im Moment hauptsächlich über Einzelaktionen, wie zum Beispiel durch jene des Dänen Andersson, der bisher mit 22 Treffern und einer beeindruckenden Dynamik glänzte. Deshalb „müssen wir den Druck besser auf mehrere Schultern verteilen und uns auf allen Positionen steigern“, fordert Kretzschmar, „wenn jeder seine individuellen Stärken optimal einbringt, kann es nach oben gehen.“

Bei allen Problemen ist er optimistisch und scheint weiter auf seinen Trainer sowie das Team zu vertrauen. Und obwohl sich Kretzschmar diese Tugend selbst nicht unbedingt zuschreibt, versucht er sich in Geduld. Die Emotionen kommen dann wieder von ganz allein.