Das wäre fast der Ausgleich gewesen! Aber Cedric Teuchert  kommt an Ron-Robert Zieler nicht vorbei. 
Foto: Matthias Koch

FriedrichshafenAuch Niederlagen können fortschrittlich sein. Findet zumindest Trainer Urs Fischer. Die zweite Pleite im Rahmen des Trainingslagers in Bad Wörishofen - nach dem 0:3 (0:2) am Vortag in Feldkirch gab es diesmal in Friedrichshafen am Bodensee ein 1:2 (0:2) gegen den 1.FC Köln - verdross Trainer Urs Fischer nicht. „Wir haben eine tolle erste Hälfte gespielt und aus dem Nichts liegen wir 0:2 zurück. Aus meiner Sicht war es ein sehr guter Auftritt. Dieses 0:2 zur Pause entsprach überhaupt nicht dem Spielverlauf", urteilte der Schweizer Fußballlehrer.

Es war eine Partie unter ganz anderen Vorzeichen als noch am Vortag. Fing schon mit der Anfahrt an. Die Klimaanlage des Busses funktionierte nicht und quälte die Eisernen Profis auf der mehrstündigen Anreise zusätzlich. Das Wetter war mit Temperaturen um die 23 Grand auch deutlich angenehmer. Zudem, das machte Fischer deutlich, hatten seine Worte am Vormittag die Truppe mental wachgerüttelt. 

Heraus kam auch ohne den angeschlagenen Robert Andrich ein verheißungsvoller Beginn, als Grischa Prömel eine Flanke von Sheraldo Becker an die Latte köpfte.  Union versuchte es weiter, geriet dann aber unvermittelt in Rückstand. "Das waren ja fast Eigentore", wollte Christopher Trimmel diese Fehler nicht überbewerten. 

Beim 1:0 wurde Noah Katterbach vor dem Sechzehner nicht richtig attackiert und die Kugel landete im Eck. An guten Tagen hätte Andreas Luthe vielleicht sogar seine Finger im Spiel gehabt. Es war aber einer seiner schlechteren Tage, was er Sekunden danach untermauerte, als er unbedrängt im Sechzehner die Kugel dem lauernden Jonas Hector in den Lauf spielte und dessen Hereingabe von Jhon Cordoba nur noch eingeschoben werden musste (12.).

Teuchert verkürzt vom Punkt

„Es ist ja gut, dass so etwas geschieht. Wir sind immer noch im Test. Er wird sich überlegen, ob er beim nächsten Mal eher den langen Ball sucht. Von daher sehe ich auch immer in so einem Fehler etwas Positives. Wichtig ist, dass du daraus lernst“, wollte Fischer den Stab nicht über seine derzeitige Nummer eins brechen.

Überbewerten muss man das in dieser Phase der Vorbereitung bestimmt nicht. Und Angst haben, so meinte zumindest Trimmel „auch überhaupt nicht“. Denn die Eisernen, die diesmal auch versuchten mehr mit spielerischen Mitteln und Flachpässen nach vorne zu kommen, anstatt stereoptyp auf den langen Ball zu setzen, ließen sich durch den Rückstand nicht schocken. Schon vor der Pause waren sie durch Keita Endo beinahe am Anschlusstreffer dran, als der Japaner eine zu kurz abgewehrte Ecke im Nachschuss knapp neben den Pfosten setzte (18.). Auch danach setzte er sich noch ein paar Mal gut in Szene und hätte ihn Czichos kurz vor dem Strafraum nicht unsanft von den Beinen geholt, wer weiß was dann  passierte wäre (21.).

So aber mussten die rund drei Dutzend Unionfans unter den  rund 250 Besuchern im Zeppelinstadion bis nach der Pause warten, ehe der Torjubel erscholl. Czichos hatte am Strafraumeck Grischa Prömel unnötig zu Fall gebracht, Cedric Teuchert ließ sich die Chance vom Punkt nicht entgehen und verkürzte auf 1:2 (50.). Er hätte noch weiter glänzen können in der Folge, doch mal fehlte ein bisschen das Glück, mal war er eine Spur zu unkonzentriert, sodass es am Ende beim 1:2 blieb. 

„Ich bin zufrieden heute mit dem Spiel auf einem Feld, das nicht einfach zu bespielen war“, so Fischers Gesamtfazit. Es ist ein Kreuz der Köpenicker im Trainingslager. Der Platz in Bad Wörishofen ist zu tief und zu weich und könnte den einen oder anderen Rasenmähereinsatz mehr vertragen. Nicht umsonst wird am Montag ins benachbarte Mindelheim ausgewichen. Und der Rasen des Zeppelinstadions war Stunden vor dem Spiel noch vom heimatlichen VfB Friedrichshafen beim Ligastart in der Verbandsliga gegen den VfL Sindelfingen beansprucht worden. „Damit müssen wir leben. Es sind nicht alle Plätze so gut wie in München, Dortmund oder Berlin“, meinte Torschütze Teuchert. 

Union: Luthe – Dietz (70. Friedrich), Knoche, Schlotterbeck – Trimmel, Gentner, Prömel, Gießelmann - Becker (82. Mees), Teuchert (70. Andersson), Endo (70. Ingvartsen)