Berlin - Das Wetter hätte etwas besser sein können. Maximal 21 Grad und dazu leichter Regen waren vermutlich nicht unbedingt das, was sich die Spieler des FC Bayern von ihrem Kurztrip nach Ibiza erwartet hatten. Und dann erst der Stress: Am Sonnabend gleich nach der Blamage beim FSV Mainz 05 (1:3) hin, Montag schon wieder zurück, Dienstag um 14 Uhr öffentliches Training. Sportvorstand Hasan Salihamidzic spielte es herunter als „teambildende Maßnahme“.

Lothar Matthäus hat kein Verständnis für Bayern-Urlaub

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus konnte ob dieser „Ibiza-Affäre“ nur den Kopf schütteln. „Nach diesem Spiel geht das schon mal gar nicht“, sagte er bei Sky90, „nicht nur wegen den Spielern, auch wegen der Außendarstellung“. Die Anhänger der Münchner ärgerten sich über die Leistung der Mannschaft, „und dann fahren die Spieler in den Urlaub“. An Trainer Julian Nagelsmanns Stelle hätte er „härter“ durchgegriffen und die beiden freien Tage gestrichen.

Der Kurztrip war angeblich angekündigt, wie Salihamidzic angesichts der aufkommenden Aufregung am Sonntag eiligst betonte. „Vergangene Woche haben uns die Spieler darüber informiert, dass sie die beiden trainingsfreien Tage in der Gruppe auf Ibiza verbringen möchten“, sagte er auf Anfrage von Münchner Medien und fügte hinzu: „Wir haben das als teambildende Maßnahme akzeptiert.“ Akzeptieren klingt nicht nach Begeisterung.

Salihamidzic sah offenkundig einen erheblichen Bedarf an Rechtfertigung für den Ausflug. Die Mannschaft habe sich „noch höhere Ziele in dieser Saison gesetzt und ist seit dem Ausscheiden in der Champions League sehr mit sich und ihrem künftigen Weg beschäftigt“, sagte er und ergänzte: Aus Niederlagen könne Stärke erwachsen, das wisse er aus seiner Spielerzeit, „so eine gemeinschaftliche Aktion der Mannschaft kann hier eine wichtige Grundlage sein“.

Wobei gemeinschaftlich doch eher übertrieben ist. Nach Recherchen der Bild-Zeitung fehlten gleich acht Spieler auf dem Kurztrip: allen voran Manuel Neuer, immerhin der Kapitän, und Thomas Müller. Nicht auf der Balearen-Insel dabei waren angeblich auch Dayot Upamecano, Kingsley Coman, Niklas Süle, Bouna Sarr, Marcel Sabitzer und Sven Ulreich.

Felix Magath schüttelt den Kopf, Arne Maier hofft auf Bayern-Hilfe

Es ist vor allem das Timing, das nach der gewonnenen Meisterschaft und der peinlichen Abreibung in Mainz für Kopfschütteln sorgte. „Ich würde so etwas auf jeden Fall nicht erlauben“, sagte Hertha-Trainer Felix Magath, der sich angeblich um die Ernsthaftigkeit der Münchner an den verbleibenden zwei Spieltagen sorgt: Am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) spielt der FC Bayern gegen den VfB Stuttgart, Hertha-Konkurrent im Abstiegskampf. Auch der von Hertha BSC an den FC Augsburg ausgeliehene Mittelfeldspieler Arne Maier setzt im Abstiegskampf auf die Schützenhilfe von Bayern München. „Wenn du 1:3 gegen Mainz verlierst, wollen sie gegen Stuttgart allen zeigen, dass sie es noch können“, sagte der 23-Jährige in der BR-Sendung „Blickpunkt Sport“.

Der FCA hat als Tabellen-14. zwei Spieltage vor Saisonende sechs Punkte Vorsprung auf den VfB, der Relegationsplatz 16 belegt. Sollte Stuttgart am Sonntag nicht gewinnen, wäre Augsburg unabhängig vom Ergebnis im Auswärtsspiel bei RB Leipzig gerettet.

Salihamidzic beeilte sich, dem gezielt stichelnden Magath und Arne Maier die Sorgen zu nehmen. „Es ist völlig klar“, teilte er mit, dass sich „unsere Spieler“ gegen den VfB „mit der sie auszeichnenden Professionalität und fußballerischen Stärke voll einsetzen werden, um unseren Fans mit einem Sieg einen schönen Saisonabschluss als deutscher Meister im eigenen Stadion zu schenken“. Klar.