Einladung in die USA: Wie Eisbären-Spieler Marcel Noebels das Interesse der Boston Bruins geweckt hat

Normalerweise ist das erste gemeinsame Mannschaftstraining der Zeitpunkt, an dem die neue Saison so richtig beginnt. Der Moment, ab dem Fans und Medien intensiv über Personal und Taktik diskutieren. In diesem Jahr ist es allerdings ein bisschen anders. Vor der ersten Eiszeit mit dem neuen Cheftrainer Clément Jodoin an diesem Donnerstag (ab 10 Uhr) stehen allerhand Umbauarbeiten im Kader an. Was zum einen an Marcel Noebels liegt, der zwar noch die Saisonvorbereitung mit dem Team bestreitet, ab September aber dann in Boston weilt. Wo er die Chance erhält, für einen Vertrag beim NHL-Klub vorzuspielen.

In der Abwehr haben sich die Berliner mit Verteidiger Florian Kettemer, 32, verstärkt − zunächst für vier Monate. Weil sich Constantin Braun wegen seiner Alkoholabhängigkeit in medizinische Behandlung begab sowie Frank Hördler und Jens Baxmann zum Trainingsauftakt fehlen, soll der Meisterspieler die Not lindern und eventuell längerfristig zum Team gehören.

Für Noebels ist kein Ersatz geplant. Was zum einen auch nicht wirklich realisierbar ist. Denn einen deutschen Stürmer, noch dazu mit der Qualität, findet man zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht mehr. Zum anderen bleibt Noebels der Eisbären-Organisation erhalten. Er sagt: „Der Vertrag in Berlin wird stillgelegt. Wenn ich drei Jahre drüben spiele, hätte ich hier immer noch vier Jahre Vertrag hier.“ Das dürfte manchen aufgeschreckten Fan beruhigen, denn „wenn ich zurückkomme, werde ich nicht nach München gehen.“

Neustart bei Null

Zunächst mal ist aber noch gar nicht klar, wie lange Noebels’ zweites Nordamerika-Abenteuer überhaupt dauert. 2011 hatte er einen Dreijahresvertrag bei den Philadelphia Flyers unterschrieben. In der NHL kam er allerdings nie zum Einsatz, sondern er spielte in verschiedenen Nachwuchsligen sowie beim AHL-Farmteam Adirondack Phantoms. Obwohl er hofft, dass es diesmal besser läuft, ist er sich der Herausforderung bewusst: „Es sei mal dahingestellt, ob wirklich die Chance besteht, direkt in der NHL zu spielen. Ich bin jetzt vier Jahre in Deutschland und fange wieder bei Null an.“

Den kommenden Monat will er also dazu nutzen, um in bester Verfassung nach Nordamerika zu fliegen. „Ich mache die Vorbereitung komplett mit und will auch in der Champions Hockey League spielen. Und dann muss ich einfach sehen, wie es im Camp läuft.“

Zunächst mal ist die Einladung nach Boston schon ein Coup. „Als ich hier angefangen habe, habe ich ja gesagt, dass ich noch mal nach Amerika möchte. Ich habe den Traum nie aufgegeben. Mit 26 Jahren hätte ich so viele Chancen auch nicht mehr gehabt.“ Mit seiner Spielweise und seiner Art, sich für die Mannschaft aufzuopfern, ist er positiv aufgefallen. „Sie haben mich die ganze Saison über beobachtet“, sagt er. Dabei wusste er nicht nur im Eisbären-Trikot zu überzeugen. Wie für einige andere Nationalspieler auch, hat die Silbersensation bei Olympia völlig neue Perspektiven eröffnet. „Olympia und auch die WM waren sehr positiv.“ Nach der Weltmeisterschaft in Dänemark sind die Bruins dann an Noebels mit ihrem Angebot herangetreten.

Eine Portion Ungewissheit

Wenn er sich dann einige Tage vor dem Start des Camps in den Flieger setzt, wird auch eine gewisse Portion Ungewissheit im Handgepäck dabei sein. Aus Marketinggründen trainieren einige Spieler in China, einige bleiben aber auch in Nordamerika. Zu welchem Pool er gehört, weiß Noebels derzeit noch nicht.

Und dann wird eben die Frage, wie genau ein möglicher Vertrag aussehen kann, falls Noebels überzeugt. Wahrscheinlich wäre ein Zwei-Wege-Vertrag, so dass er auch in der AHL eingesetzt werden kann. Ein Vertragskonstrukt, das er von früher noch kennt. Er sagt deshalb: „Wenn ich AHL spiele, müssen noch ein paar Gehaltsfragen geklärt werden. Aber ich hatte gute Gespräche mit den Managern. Ich versuche einfach, meine Chance zu nutzen.“

Und wenn es doch nicht klappt, dürfen sich zumindest die Eisbären freuen, dass sie einen ihrer Führungsspieler zurück haben. Und die Aussicht für Noebels, vielleicht in dieser Saison zum ersten Mal den Titel mit Berlin zu holen, ist die schlechteste ja auch nicht.