Über 30 000 Menschen in blaugelber Ekstase vor dem Braunschweiger Schloss, ein Oberbürgermeister (Gert Hoffmann), der ungeniert vom Balkon herab von einem fußballhistorischen Ereignis und von neuen Fußballgöttern spricht, und ein Trainer (Torsten Lieberknecht), der von der Wucht der Zuneigung zu Tränen gerührt ist − nur etwas mehr als vier Monate sind sie alt, die Bilder von der Aufstiegsfeier der Löwen, Bilder des Glücks, die nun allerdings von Bildern des Unglücks überlagert werden.

Da Torsten Lieberknecht, der nach dem 0:4 im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart so angeschlagen ist, dass er in aller Öffentlichkeit quasi um seine Entlassung bettelt. Die Niederlage sei schwer zu ertragen, sagte er auf der Pressekonferenz, so schwer, dass er keinen Optimismus mehr versprühen könne und richtig ins Grübeln gekommen sei. Und hier die Kurve, in der es vor zehn Tagen beim Spiel in Mönchengladbach offensichtlich zum gewalttätigen Übergriff der rechtsgerichteten Hooligan-Gruppen auf die linksgerichteten „Braunschweig Ultras“ gekommen ist.

Während die Reaktion des Vereins im Fall Lieberknecht noch einigermaßen nachvollziehbar ist, nämlich das Festhalten an ihm, ist sie im Fall der Kurve doch mehr als fragwürdig. Eine sogenannte Gruppen-Verbotsverfügung wurde nämlich gegen die Ultras erteilt, mit den Hinweisen, dass man grundsätzlich „eine gesunde Fankultur ohne Gewalt, ohne Rechtsextremismus und ohne Rassismus“ wolle, aber der Beginn der Auseinandersetzung keiner bestimmten Gruppe zuzuordnen sei. Um juristisch gegen die Rechten vorgehen zu können, bräuchte man, so ist aus Vereinskreisen zu hören, eindeutige Indizien.

So ist die Eintracht tatsächlich, wie Manager Marc Arnold am Wochenende im Zusammenhang mit dem Schicksal von Torsten Lieberknecht erklärte, der etwas andere Verein, allerdings im denkbar negativsten Sinne.