Eisbär Austin Ortega weist eine erstaunliche Offensivbilanz auf

Seit gut einem Jahr spielt der US-Amerikaner in Berlin. Durchschnittlich hat er in fast jedem Spiel gepunktet. Dennoch fällt seine Zwischenbilanz zwiespältig aus.

Berlin-Als Austin Ortega eine gute halbe Stunde nach dem 4:3-Heimsieg   der Eisbären gegen Mannheim am Sonntagnachmittag von der Spielerkabine in Richtung Ausgang schlappte, die graue Mütze bis knapp über die Augen gezogen, war ihm die Freude über den erneuten Coup gegen den Meister nicht unmittelbar anzumerken.   Und das, obwohl der US-Stürmer nicht nur den Siegtreffer in der Verlängerung erzielt, sondern im zweiten Drittel dem Spiel mit dem Tor zum 3:2 schon mal die richtige Vorgeschichte gegeben hatte. Offensichtlich beschäftigte ihn immer noch, dass er sein Team zunächst in die Bredouille gebracht hatte. Wegen eines hohen Stocks mit Verletzungsfolge saß Ortega vier Minuten auf der Strafbank, woraus zunächst der 0:1-Rückstand resultierte.

Austin Ortega genießt die Zuneigung nach seinem Siegtreffer gegen die Adler Mannheim.
Austin Ortega genießt die Zuneigung nach seinem Siegtreffer gegen die Adler Mannheim.Foto: O. Behrendt/Imago Images

„Das war nicht mein bestes Spiel, Eishockey ist so viel mehr als nur zwei Tore. Du willst nie derjenige sein, der vier Minuten in der Kühlbox sitzt“, erklärte er seine Zurückhaltung, „zum Glück haben wir zurückgeschlagen. Das Spiel hätte in beide Richtungen gehen können, aber diesmal haben wir die Oberhand behalten.“

Ortega liegt auf Platz zwei der EHC-Scorerwertung

Diese Play-off-Generalprobe, die für ihn persönlich und seine Reihe mit Landon Ferraro und Louis-Marc Aubry eher durchwachsen begonnen hatte, „der Trainer hat während des Spiels gesagt, dass wir uns verbessern müssen“, dann aber erfreulich endete, passt zur bisherigen Saison Ortegas. Headcoach Serge Aubin findet: „Er hatte einen eher schleppenden Start, aber er hat sich immer mehr gesteigert.“   Dank 15 Toren und 19 Vorlagen rangiert er mittlerweile auf Platz zwei der teaminternen Scorerwertung hinter Marcel Noebels (43). Noch eindrucksvoller liest sich die gesamte EHC-Statistik seit seinem Wechsel nach Berlin vor gut einem Jahr.   52 Punkte sammelte er in 57 Partien. Kein Wunder also, dass Aubin auch über ihn sagt: „Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, den wir brauchen, um Tore zu produzieren.“

So ziemlich jeder Eishockeyprofi durchläuft während einer Saison Phasen, in denen Aufwand und Ertrag nicht zusammenpassen. Und gerade ein Spieler wie Ortega, dessen Beurteilung sehr eng mit dem Scoringertrag verbunden ist, gerät schneller unter Handlungsdruck als ein Kollege aus der vierten Reihe, der   im Unterzahlspiel gebraucht wird oder die Zeit von der Uhr nehmen soll. „Ich habe auch schon zu Beginn der Saison einiges richtig gemacht, aber die Ausbeute war nicht so ergiebig“, sagt Ortega, „zum Glück hat es sich gelohnt, dass ich weiter hart an mir gearbeitet habe. In der zweiten Hälfte habe ich dann viel mehr Tore geschossen.“

Sportdirektor Stéphane Richer hatte Ortega kurz vor den Play-offs der Vorsaison ja genau deshalb verpflichtet, weil das Offensivspiel neue Impulse benötigte. Vor zwölf Monaten gaben die Berliner ein ganz anderes Bild ab. Sowohl im Binnenklima als auch sportlich passte vieles nicht zusammen, das Team schleppte sich in die Play-offs und schied dann im Viertelfinale gegen München aus. Ortega aber belebte das Eisbärenspiel erkennbar. Sein Offensivgeist, der zuvor bei den Växjö Lakers in der schwedischen Liga nicht zum Tragen kam, kann er im Trikot der Eisbären seitdem ausleben. Die Neu-Ausrichtung des EHC-Spiels hin zu mehr Angriffslust und Spektakel liegt ihm.

Am Dienstag geht es zu Hause gegen Iserlohn

Mit 1,73 Meter Körpergröße ist Ortega   kein Profi für das ruppige Segment im Eishockeysport. Hierfür sind PC Labrie, James Sheppard oder Maxim Lapierre vorgesehen. Kollegen mit entsprechender Statur eben. Vielmehr kann er sich mit seiner Geschwindigkeit und dem Auge für die Lücke im Tor auszeichnen. Aubin sagt: „Er hat Talent, aber er     muss auch die richtigen Entscheidungen abseits des Pucks treffen.“

Er hat Talent, aber er muss auch die richtigen Entscheidungen abseits des Pucks treffen.“

Serge Aubin

Das gilt bereits für den Dienstag und das nächste Heimspiel gegen die Iserlohn Roosters (19.30 Uhr). Eine Partie, die nach dem umjubelten Triumph über Mannheim Gefahren birgt. „Manchmal sind diese Spiele schwieriger, weil wir vielleicht nicht ganz mit dem Gefühl reingehen, dass es sich um eine Art Play-off-Spiel handelt“, weiß Ortega, „wir müssen aber mit dem gleichen Matchplan auftreten.“ Und der ist auf viel Offensivdruck ausgelegt. Daraus Profit zu schlagen, ist Ortegas Kernaufgabe.