Eisbären-Mittelstürmer James Sheppard hat noch keinen Vertrag für die kommende Saison.
Foto: Mathias Renner/City-Press

BerlinDie Tore waren aufgestellt, das Eis glänzte im Licht der Scheinwerfer. Eigentlich sah am Mittwochvormittag im Wellblechpalast alles aus wie immer, kurz bevor die Eisbären mit dem Training beginnen. Allerdings traten die Spieler diesmal nicht in ihrer schweren Kluft aus der Kabine, sondern mit Hose, Pullover und T-Shirt.   Seitdem Klarheit herrscht, dass die Play-offs nicht stattfinden und die Saison beendet ist, weil Großveranstaltungen mit mehr als 1 000 Zuschauern wegen des Coronavirus nicht mehr erlaubt sind, haben die Profis in dieser Saison hier nichts mehr zu tun. Verteidiger Ryan McKiernan sagte über die Perspektive für die kommenden Wochen und Monate: „Das ist eine Situation, die mir bislang noch unbekannt ist. Seitdem ich in Europa bin, habe ich glücklicherweise immer in Teams gespielt, die in den Play-offs eine gute Rolle gespielt haben. Noch ist mir nicht klar, was ich mit der vielen Zeit anstelle.“

Ganz anders sieht es bei Sportdirektor Stéphane Richer aus. Viel schneller als gedacht muss er zusammen mit Geschäftsführer Peter John Lee die Kaderplanung für die kommende Saison konkretisieren. „Wir hatten schon eine Idee, in welche Richtung wir gehen wollen“, sagt er, „aber wir waren sicher, dass wir lange in den Play-offs spielen und mehr Zeit haben, um die finale Entscheidung zu treffen. Jetzt müssen wir uns hinsetzen, analysieren und mit den Spielern reden.“

Eisbären planen keinen großen Umbruch

Ein massiver Umbruch im Team ist nicht zu erwarten. Zum einen laufen viele Verträge über die Saison hinaus. Zudem wussten die Eisbären in den 52 Spielen der Hauptrunde zu überzeugen. McKiernan sagt entsprechend: „Wenn ich irgendwann auf die Saison zurückschaue, dann habe ich ein gutes Gefühl dabei. Wir sind zusammengewachsen und haben etwas Gutes geschaffen. Es hat Spaß gemacht.“

Bei einigen Spielern  hätten die Auftritte in den Play-offs aber den Ausschlag geben sollen, ob sie das Team  verstärken können, wenn es ernst wird. „Du kannst eine durchschnittliche Hauptrunde, aber dann super Play-offs spielen und bekommst einen neuen Vertrag“, erklärt Richer.

Bei Landon Ferraro zum Beispiel stellt sich die Frage, ob er in einer kommenden Saison, die dann hoffentlich normal über die Bühne gehen kann, noch mal zulegen kann. Louis-Marc Aubry tat sich schwer im neuen System von Trainer Serge Aubin, war in den vergangenen Jahren aber stets ein Vorkämpfer in der K.-o.-Phase. Beide müssen nach dem Stand von 52 Hauptrundenspielen bewertet werden. Auch Center James Sheppard hat nach dem Saisonende keinen laufenden Vertrag mehr.   Es gibt keinen Zweifel, dass die Mannschaft ihn braucht. Allerdings ließ er wissen, dass man sich noch nicht auf die weitere Zusammenarbeit einigen konnte.

Keine Abschiedsparty mit den Fans

Aufgrund der aktuellen Lage wird es in dieser Saison auch keine offizielle Abschiedsveranstaltung mit den Fans geben. Somit wird es zumindest in der ganz nahen Zukunft auch keinen würdigen Rahmen geben, um Spieler, die den Verein verlassen, gebührend zu feiern. Und dazu wird mit großer Sicherheit auch Florian Busch gehören, der fast die gesamte Saison krankgeschrieben war. Kollege McKiernan sagt deshalb: „Jetzt wollen wir die Zeit zusammen noch genießen, denn es ist ja nicht klar, wer nächste Saison noch alles da ist.“

Bei aller Wehmut und Enttäuschung, dass diese Saison so unwürdig zu Ende gegangen ist, herrscht Verständnis für die Entscheidung der Deutschen Eishockey Liga (DEL). „Man weiß nicht, was noch auf uns zukommt bei diesem Virus“, sagt   Marcel Noebels, der die beste EHC-Saison seiner Karriere spielte. „Was wäre, wenn wir weiter gespielt hätten ohne Zuschauer und plötzlich wird einer krank?“ Im Gegensatz zu Handball oder Basketball ist ein Cut zu diesem Zeitpunkt möglich. In den anderen Ligen geht es um Abstiege und Tabellenstände, die nur schwer zu bewerten sind, wenn es zu Spielabsagen kommt.

Der wirtschaftliche Schaden ist aber enorm. Den Eisbären sollen pro Heimspiel Bruttoeinnahmen in der Höhe von etwa 200 000 Euro entgehen. „Wir wissen im Moment nicht, was auf uns zukommt“, sagte Geschäftsführer Lee. Boni wären allerdings erst bei Erfolgen in den Play-offs fällig geworden. Es braucht eine Weile, bis das ganze Ausmaß sichtbar wird. Die sportliche Enttäuschung ist bis dahin vielleicht schon etwas verdaut.