Eisbären Berlin: Der Japaner Shuhei Kuji ist Pionier auf Probe

Dass Shuhei Kuji ein Kämpfer sein will, offenbarte er bereits kurz nach seiner Ankunft in Berlin. Als die Eisbären in dieser Woche ihre üblichen Krafttests abhielten, zeigte sich der 28-jährige Probespieler aus Japan mit fettem Samurai-Aufdruck auf dem T-Shirt. Heldenhaft schlug er sich an den Geräten im Olympiastützpunkt, konnte die Quälerei − im Gegensatz zu einem echten Samurai − dann aber nicht verbergen. „Mir ist heiß und ich bin verschwitzt“, waren deshalb seine ersten Worte als zumindest vorläufiger Teil der Eisbären-Familie.

Die Eingewöhnung dieses Mitglieds weicht doch deutlich von den üblichen Ritualen ab. Mit Anweisungen in der Eishockey-Sprache Englisch kann Kuji nur bedingt was anfangen. Neben Körpersprache setzen die Eisbären-Verantwortlichen deshalb vor allem auf Übersetzungs-Apps im Handy, um sich zu verständigen.

Der Sportliche Leiter Stefan Ustorf ist dennoch überzeugt, dass sich der Gast auf dem Eis zurechtfinden wird, wenn am kommenden Montag die erste Trainingseinheit ansteht. Er sagt: „So kompliziert ist Eishockey nicht. Bislang hat jeder rausgefunden, was zu machen ist.“ Helfen dürfte zudem, dass Mark Mahon für einige Tage bei den Einheiten hospitieren wird. Der Deutsch-Kanadier coachte Kuji als Trainer der japanischen Nationalmannschaft und empfahl ihn den Berlinern auch.

Hoher Exotik-Faktor

Noch weiß Ustorf nicht genau, was er von dem Stürmer erwarten kann, der bei den Oji Eagles in der transnationalen Asia League in 192 Spielen 136 Mal traf. „Er ist topfit und extrem höflich“, sagt der Sportliche Leiter. Einige Wochen bleiben Kuji nun, um sich für einen Vertrag zu empfehlen. Das wäre nicht nur in Berlin ein Novum. „Vielleicht wäre er sogar der Erste überhaupt in der DEL“, spekuliert Ustorf. Dieser Exotik-Faktor interessiert ihn allerdings wenig. „Uns interessiert nur, ob jemand gut Eishockey spielen kann“, erklärt der 41-Jährige, „wo der am Ende herkommt, ist egal.“

Für Kuji haben mit der Landung am Flughafen Tegel allerdings schon die wohl aufregendsten Tage seiner bisherigen Karriere begonnen. „Ich verstehe mich schon als Pionier“, sagt er und hofft, ein wenig zur Eishockeybegeisterung in seiner Heimat beitragen zu können. „Baseball und Fußball sind groß, dieser Sport interessiert kaum jemanden“, erzählt er. Die Stadien seien entsprechend schlecht besucht.

Hierzulande und gerade in Berlin ist das bekanntlich anders. Das dürfte ein wesentlicher Grund sein, warum er so sehr träumt, für ein deutsches Team aufs Eis zu gehen. Es wirkt fast wie Verblendung, wenn er träumerisch in die Ferne schaut und sagt: „Deutschland ist eine große Nummer.“

Der Name Uwe Krupp ist ihm auch schon bekannt. Mit dem Eisbären-Chefcoach verbindet Kuji eine gemeinsame Nationalmannschafts-Vergangenheit. „Mit Japan habe ich schon mal gegen ihn gespielt“, erinnert er sich. Krupp wiederum hat die Asiaten als sehr zweikampfstark in Erinnerung. Einen Eindruck, den Kuji im Duell mit den Fitnessgeräten im Olympiastützpunkt unbedingt unterstreichen wollte.