Der offizielle Abschied von Hartmut Nickel in den Ruhestand im September 2016 war ergreifend, das Licht in der Arena am Ostbahnhof gedimmt. Die Spieler der Eisbären Berlin standen aufgereiht an der Blauen Linie. Die Fans hatten eine Choreografie mit roten und weißen Pappen vorbereitet, in der Mitte der Kurve rollten sie die Fahne des SC Dynamo aus. Als die Eisbären-Legende von Maskottchen Bully im Scheinwerferlicht übers Eis begleitet wurde, schallte es: „Dynamo, Dynamo.“ Ehre, wem Ehre gebührt.

Nickel war 1963 als Spieler zum SC Dynamo gekommen, zuletzt ist er Assistenztrainer gewesen. „Haartmut Nickel“, sangen die Fans, „Du bist der beste Mann.“ Dann ergriff sogar einer das Mikrofon, der große Auftritte sonst lieber meidet, Münchens Trainer Don Jackson, der in seiner Berliner Zeit als Cheftrainer mit Nickel als Assistent fünf Meistertitel nach Berlin geholt hatte. „Es war mir eine große Ehre, mit dir arbeiten zu dürfen“, sagte Jackson. „Menschen wie dich gibt es heute nicht mehr viele im Profisport.“

Gute Seele und Papa Eisbär

Hartmut Nickel war alles beim Berliner Eishockeyclub: Spieler, Co-Trainer, Trainer, Mahner, die gute Seele, Papa Eisbär, Vergangenheit, Gegenwart. Er feierte mit dem SC Dynamo 1966 den ersten Meistertitel, wurde später Co-Trainer im Club. In gleicher Funktion war er bis 1988 auch in der DDR-Nationalmannschaft tätig, ehe er zum Cheftrainer in Berlin aufstieg. Er war der erste Cheftrainer des EHC Dynamo nach der Aufnahme in die Bundesliga, führte den Club nach dem Abstieg 1992 direkt wieder in die erste Bundesliga.

Nickel war immer da: loyal, kompetent, zuverlässig. Aus Talenten wie Sven Felski formte er andere Clublegenden. Er erlebte den Fast-Bankrott mit, den Umzug vom Wellblechpalast in die Multifunktionsarena, die Wandlung vom Ostclub zu Gesamtberliner Eisbärenprofis, deren Inhaber nun die amerikanische Anschutz Entertainment Group ist.

"Sein Wirken wird immer Teil unserer DNA sein"

Ein Innehalten gab es für ihn in all den Jahren kaum. 2009 etwa, als die Mannschaft im Düsseldorfer Eishockey-Dome den vierten Titel in fünf Jahren gewonnen hatte, sich alle umarmten, Siegerbier tranken, galoppierten seine Gedanken schon Richtung neue Saison. Noch in der Kabine verpackte Nickel die Kampfansage fürs kommende Jahr in einen netten Fernsehgruß an seine Frau. „Mutti“, sagte er, „ich hoffe, es hat dir gefallen. Wir haben jetzt vier Titel. Wenn ich nach Hause komme, reden wir über den fünften.“

Eine neue Saison wird Hartmut Nickel bei den Eisbären nicht mehr erleben. Am Donnerstag verstarb er nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 74 Jahren. „Er hat die Eisbären Berlin geprägt, wie kein anderer Spieler oder Trainer in der Clubgeschichte“, sagt Geschäftsführer Peter John Lee. „Sein Wirken wird immer ein Teil unserer DNA sein. Hartmut war Papa Eisbär und wird es für uns immer bleiben.“