Wolfsburg - Nachdem die Schlusssirene ertönt war, hatte Eisbären-Torwart Mathias Niederberger nur kurz Gelegenheit, seine Arme zum Feiern auszubreiten. Denn sofort kreisten die Kollegen ihn ein, um das 4:1  (1:0, 2:1, 1:0) bei den Grizzlys Wolfsburg und die Tatsache zu feiern, dass sie am Freitagabend (19.30 Uhr) nun in eigener Halle um den achten Titel spielen dürfen.

Wie schon in den beiden Runden zuvor gegen die Iserlohn Roosters und den ERC Ingolstadt glichen die Berliner am Mittwochabend auch die Best-of-Three-Serie gegen die Niedersachsen nach einer Auftaktniederlage aus. „Wir haben uns auf Video angeschaut, wie wir es da gemacht hatten“, sagte Torschütze Sebastian Streu über den Matchplan.

Zach Boychuk fehlte verletzt

Einen Dämpfer hatten die Eisbären nur vor dem Spiel wegzustecken. Ausgerechnet Zach Boychuk, der beim 2:3 nach Verlängerung am Sonntag den Ausgleich kurz vor dem Ende der offiziellen Spielzeit erzielte und zu den wichtigen Stützen in der Mannschaft von Serge Aubin zählt, konnte nicht mitspielen. Für ihn rückte Fabian Dietz in den Kader.

Doch die Kollegen ließen sich davon kein Stück beeindrucken. In einem taktisch nahezu perfekten ersten Drittel setzten sie die Gastgeber bis auf eine Unterzahl mit ihrem Fore-check nahezu pausenlos unter Druck. Weil die Berliner Abwehrspieler in der neutralen Zone höchst aggressiv ackerten, kamen beide Mannschaften kaum zum Verschnaufen. Und nach zahlreichen guten Gelegenheiten erzielte Kapitän Frank Hördler das 1:0 (17.), indem er den Puck über die Schulter des Wolfsburger Schlussmanns Dustin Strahlmeier lupfte. Dieses Tor war aus EHC-Sicht eminent wichtig, weil es dafür sorgte, dass der gewaltige Druck etwas nachließ. „Wir hatten einen wirklich guten Start, man hat gesehen, wie hungrig die Jungs waren“, sagte Trainer Serge Aubin.

Nach diesen fulminanten ersten 20 Minuten war zu erwarten, dass die Gastgeber in der Pause einige Gedanken daran verschwendeten, wie sie diesem gehörigen Berliner Druck entgegenwirken können. Und in der Tat hatte die Mannschaft des ehemaligen Bundestrainers Pat Cortina einige gefällige Szenen, ohne jedoch Eisbären-Torwart Niederberger dabei allzu gefährlich zu werden.

Eisbären behalten die Kontrolle bis zum Schluss

Aber die Berliner Machtdemonstration nahm im Mitteldrittel ihren Lauf. Und das 2:0 offenbarte all jene Stärken, die die Berliner in dieser Saison auszeichnen. Leo Pföderl setzte sich hinter dem Grizzyls-Tor druckvoll durch und legte für Marcel Noebels auf, der mit seinem brillanten Pass auf Ryan McKiernan erneut unter Beweis stellte, warum er zum zweiten Mal hintereinander zum besten DEL-Spieler gewählt wurde. Und der Torschütze sammelte weiter Argumente, als wertvollster Spieler der Playoffs ausgezeichnet zu werden, insofern die Eisbären das entscheidende Spiel am Freitag gewinnen. Der US-Amerikaner mit irischem Pass erzielte als Verteidiger seinen siebten Treffer in dieser K.-o.-Runde. Er prägt das Spiel seiner Mannschaft offensiv wie defensiv.

Und nach einer halben Stunde sah die Sache aus EHC-Sicht ziemlich erfreulich aus, als Streu sogar das 3:0 für die Hauptstädter erzielt hatte. Dennoch zeigte sich, wie wichtig es gegen diesen Gegner ist, diszipliniert zu spielen. Die zweite Überzahl dieser Partie nutzte Gerrit Fauser zum 1:3-Anschlusstreffer für die Niedersachsen und belohnte ihren Mut der Verzweiflung. Dennoch zeigte sich Torschütze McKiernan sehr zufrieden mit diesem Auftritt. „Ich bin sehr stolz auf uns, wir haben uns vorgenommen, ein paar Sachen zu verändern.“

Auch nach 60 Minuten hatte McKiernan allen Grund, stolz zu sein. Obwohl die Eisbären Wolfsburg nicht mehr ganz so einschnürten wie in der Phase zuvor, behielten sie die Kontrolle über dieses Spiel und ließen dank einer konsequenten Abwehr keine ernsthafte Gefahr aufkommen, dass die Gastgeber am Ende dieses Abends womöglich doch noch die Meistertrophäe in ihrer eigenen Halle in die Höhe recken dürfen. Zumal Lukas Reichel den Puck zwei Minuten vor dem Ende ins leere Tor schoss.