BerlinJonas Müller saß in den vergangenen Tagen zusammen mit den Eisbären-Kollegen viele Stunden vor dem Fernseher. Intensive Videoschulungen sind mittlerweile ohnehin Standard, um vergangene Spiele zu sezieren und das Team auf den nächsten Auftritt vorzubereiten. Nach dem Auftakt in den MagentaSport Cup am vergangenen Freitag, den die Eisbären gegen die Schwenninger Wild Wings im Wellblechpalast mit 1:5 mal so richtig verpatzten, offenbarten sich aber doch teils noch erhebliche Mängel im System der Berliner. Speziell in der Verteidigung passte die Abstimmung oft nicht. Abwehrmann Jonas Müller sagt: „Die Unterstützung war noch nicht so da, wie es nötig ist. Wir waren zu weit verstreut.“

Auch wenn dies vehement von allen Beteiligten bestritten wird, könnte bei den Fehlern auch eine Rolle gespielt haben, dass dem Schwarzwälder Gegner nicht ganz die nötige Seriosität entgegengebracht wurde, die es gebraucht hätte. An den Spieltagen zwei und drei sollte das anders sein. Mit den Adlern aus Mannheim (Donnerstag, 19.30 Uhr) und dem EHC Red Bull München (Sonnabend, 14 Uhr) warten auswärts nicht nur die Meister der DEL-Spielzeiten 2015 bis 2019.

Erschwerte Anreise in Corona-Zeiten

Diese Partien gehören zu den emotional besonders aufgeladenen Duellen einer jeden Saison. Auch wenn die Emotionen von den Rängen fehlen, die insbesondere in Mannheim stets durch eine besondere Antipathie gegenüber den Eisbären geprägt sind, fiebern die Profis diesen Duellen beim aktuellen Saisonvorbereitungsturnier entgegen. „Körperlich wird das richtig hart“, prophezeit Müller, „es macht immer Spaß, gegen diese Mannschaften zu spielen.“

Anders als bei einem sonstigen Spitzenspiel in der Hauptrunde einer Saison oder in den Playoffs ist die Anreise zu Corona-Zeiten erschwert. Insofern die Schnelltests vor der Abreise in die Kurpfalz alle negativ sind, geht es am Mittwoch mit dem eigens dafür gemieteten Doppeldecker auf Tour durch Deutschland. Um die Covid-19-freie Blase aufrechtzuerhalten, sind Reisen mit Zug oder Bahn tabu. Denn jede Infektion könnte das bisher so gut funktionierende Hygienekonzept infrage stellen. Was zwei Tage vor der Entscheidung, ob die neue Saison kurz vor Weihnachten starten kann, unbedingt verhindert werden soll.

Vielleicht können die gut 600 Kilometer Fahrt zwischen Berlin und Mannheim ja auch dazu dienen, das Teambuilding voranzutreiben. Die aktuellen Leihgaben vom NHL-Partner Los Angeles Kings mitgezählt, stehen aktuell 13 Spieler im Kader, die vergangene Saison noch nicht das EHC-Trikot getragen haben. Dass hier und da die Räume zu groß waren, Nebenleute auf dem Eis noch nicht so harmonierten, wie es gewünscht ist, liegt zu einem gewissen Anteil bestimmt auch daran, dass die Mannschaft eben noch richtig zusammenwachsen muss. Maxim Lapierre hatte das nach seiner Rückkehr aus Kanada genau so prophezeit. Bereits im August hatte der ehemalige NHL-Profi gesagt: „Wir müssen einfach geduldig sein und die Situation verstehen, dass alle so lange nicht gespielt haben und die Routine nicht die gleiche ist.“

Die Eisbären haben die besonderen Umstände dieses Jahres dazu genutzt, um das Team zu verjüngen und Talenten die Chance zu bieten, sich zu empfehlen. Gleichzeitig erfordert ein solcher Weg auch mehr Zeit, um herauszufinden, wie die entsprechenden Jungprofis das Team auch schon in jungen Jahren verstärken können. Jonas Müller weiß das noch zu gut aus eigener Erfahrung. „Nach einer so langen Zeit ohne Spielpraxis ist es nicht so einfach, da hereinzufinden“, sagt er.

Die Mannschaft wird sich noch verändern müssen

Es ist auch davon auszugehen, dass sich die Mannschaft in den kommenden Wochen oder Monaten noch ein wenig verändern wird. Wenn endlich Planungssicherheit herrscht, dass die neue Saison startet, dürften sich die Eisbären nach Routine auf der Mittelstürmerposition umsehen bei allen Schwierigkeiten auf dem Transfermarkt in diesem Jahr. Auf der Centerposition herrscht nach den Abgängen von James Sheppard (Köln) und Louis-Marc Aubry (Ingolstadt) noch ein gewisses Vakuum. Auch das dürfte bei den gemeinsamen Videosessions offensichtlich geworden sein.