Dass Duelle zwischen Berlin und Mannheim keine ganz gewöhnlichen Eishockey-Spiele sind − zumindest aus Sicht der Betroffenen −, zeigt sich schon am letzten Satz, den Adler-Manager Teal Fowler zum Ende des Telefongesprächs am Mittwoch sagt: „Das wird ein echter Schwergewichtskampf am Freitag.“ 13 von insgesamt 21 DEL-Titeln gingen schließlich an die beiden Mannschaften, sieben Mal holten die Eisbären die Trophäe, sechs Mal die Adler.

Derzeit bringen die Nordbadener allerdings etwas mehr Gewicht ein. Nicht nur, weil sie am Freitag als amtierender Champion in die Arena am Ostbahnhof kommen (19.30 Uhr). Auch aktuell sind sie der absolute Liga-Dominator. Acht Punkte trennen sie bereits vom Rest der Liga, den Iserlohn anführt − am Sonntag Gegner der Eisbären (14.30 Uhr).

Karriereende in der Kurpfalz

„Wir haben das Selbstvertrauen aus der letzten Saison mitgenommen und haben eine gute Mannschaft“, sagt Abwehrgarant Sinan Akdag. Eine ganze Riege Nationalspieler gehört dazu, genauso wie Nordamerikaner − die meisten mit NHL-Erfahrung. Mit Jochen Hecht und Marcel Goc, der zurzeit verletzt ausfällt, lassen zudem zwei der besten deutschen Nordamerika-Exporte ihre Karrieren hier ausklingen. „Wir verlieren die Jungs nie aus den Augen“, sagt Manager Fowler, „und bieten immer eine Rückkehrperspektive.“ Das gilt zum Beispiel auch für Nationalstürmer Matthias Plachta, der noch auf seinen Durchbruch in Arizona hofft. Gelingt das nicht, kehrt er früher oder später zurück nach Mannheim.

Und das gilt in erster Linie für den Nachwuchs, der das teuerste und wohl beste Ausbildungsprogramm in Deutschland durchläuft. Anders als die Eisbären etwa, die versuchen ihre größten Talente früh in die DEL-Mannschaft einzubauen, sollen die aufstrebenden Mannheimer woanders nötige Spielerfahrung sammeln, am liebsten in den nordamerikanischen Nachwuchsligen. Mancher sieht diese Praxis kritisch. Stefan Ustorf, Sportlicher Leiter der Eisbären, sagt aber: „Der Erfolg gibt ihnen recht. Bei Bayern kommen die Spieler meistens auch erst dann zum Zug, wenn sie entsprechend ausgebildet sind.“

Ähnlich wie Bayern schmerzt es die Mannheimer nicht besonders, wenn der eine oder andere Spieler ausfällt. Die Mannschaft ist auch dann absolut konkurrenzfähig, wenn fünf oder sechs fehlen. „Wir wollen immer Druck auf der Mannschaft haben“, sagt Fowler, „so dass jeder alles geben muss, um dann beim Spiel auch im Kader zu stehen.“ Die vier Angriffsreihen sind praktisch immer voll besetzt.

Zudem scheinen die Mannheimer nun wieder ein gutes Gespür für den passenden Trainer zu haben. Mit Geoff Ward verpflichtete man im letzten Jahr genau den richtigen Mann, um „die Leistungen explodieren zu lassen“ (Fowler). Kein Wunder, dass die New Jersey Devils ihn als Assistenzcoach zurück in die NHL holten. Mit dem Gespann Greg Ireland, Craig Woodcroft und Steve Walker, der an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt, gingen die Adler ein Risiko ein. Nach eine kurzen Phase der Eingewöhnung, die vor allem auch mit einer gewissen Meisterschafts-Überheblichkeit zu tun hatte, scheinen die beiden die richtigen Ansätze gefunden zu haben, um Wards Erbe fortzuführen. Akdag sagt: „Sie haben kaum Freizeit, sondern arbeiten immer daran, uns noch besser zu machen.“