Eisbären Berlin gegen Kölner Haie: Rückkehr der Dampfwalze

Berlin - Das erste Bully ist immer etwas Besonderes. Im eigentlichen Sinne symbolisiert es den Auftakt eines Spiels, manchmal auch einer Serie, so wie am Dienstag in der Arena am Ostbahnhof, als der Berliner Julian Talbot und der Kölner Felix Schütz zum Premieren-Bully des Playoff-Viertelfinals zwischen dem EHC Eisbären und den Haien aufeinander zufuhren. Doch als die beiden Stürmer ihre Kellen kreuzten, um das erste kleine Duell dieser Serie zu gewinnen, provozierte dieser Moment sogar noch etwas mehr, eine spannende Grundsatzfrage nämlich: Stimmt die gängige Meinung wirklich, dass Rhythmus für ein Eishockey-Team wichtiger ist als Erholung?

Die Eisbären hatten sich direkt für die K.-o.-Runde qualifiziert und quasi als Belohnung neun Tage frei gehabt. Die Haie hingegen, nach 52 Spieltagen nur Zehnter der Hauptrunde, mussten in die Pre-Playoffs und setzten dadurch nur vier Tage aus. Was ihnen aber ganz recht war, hatten sie doch jüngst eine beeindruckende Sieges-Serie hingelegt. Waren die Eisbären also trotz des mühsam erkämpften ersten Platzes plötzlich im Nachteil?

Es macht Klick

Ganz im Gegenteil. Die Berliner siegten vor 13.900 Zuschauern verdient 5:1 (1:0, 2:1, 2:0) und gingen in der best-of-seven-Serie 1:0 in Führung. Primär deshalb, weil sie den überforderten Kölnern über weite Strecken in so ziemlich allen Belangen überlegen waren. Der Eindruck, als hätte es in den vergangenen Tagen Klick gemacht – Playoff-Modus an und Flucht nach vorn – war nicht von der Hand zu weisen.

Die Partie bot dabei eine erstaunliche Parallele zur vergangenen Saison, als die Eisbären ebenfalls zum Schluss der Hauptrunde geschwächelt hatten, um dann umso furioser in die Playoffs zu starten. Ob dieser Eindruck einen Trend oder doch nur eine Momentaufnahme darstellt, wird sich am Donnerstag zeigen, dann erfährt die Viertelfinalserie ihre Fortsetzung in Köln (19.30 Uhr).

Am Dienstag zumindest brachten die Berliner vor allem im ersten Drittel sehr gutes Eishockey auf die Spielfäche. Es waren die besten 20 Minuten, die es seit langem zu sehen gab. Ungeklärt blieb in diesem Zusammenhang, ob Eisbären-Trainer Don Jackson vielleicht eine Strafe für das Verlassen der eigenen Angriffszone ausgerufen hatte, so sehr belagerten die Berliner nämlich in den ersten 20 Minuten das gegnerische Tor. Die Dominanz fand in Zahlen ihren Niederschlag: Köln gab zum ersten Mal nach 18 Minuten, sprich einer halben Eishockey-Ewigkeit, ein Schüsschen auf den Kasten von EHC-Keeper Rob Zepp ab, insgesamt führten die Eisbären in der Torschussstatistik nach dem Auftaktdrittel 29:2.

Irgendwie einseitig, fand das auch André Rankel: „Wir haben genauso gespielt, wie wir uns vorgenommen hatten“, sagte der Stürmer, „druckvoll, aggressiv, hinten sicher.“ Dass dabei nur ein Treffer durch Barry Tallackson (17.) in Überzahl heraussprang, war das einzige Manko.

Nach der ersten Pause verflachte die Begegnung dann etwas, gleichwohl man jederzeit das Gefühl hatte, dass die Berliner das Tempo wieder anziehen könnten – wenn sie denn wollten. So, wie in der 32. Minute, als André Rankel kurz vor Blauen Linie einfach mal ausholte und den Puck wie selbstverständlich ins gegnerische Gehäuse katapultierte. Es war wieder so ein Moment, der an die vergangenen, erfolgreichen Playoffs erinnerte, als Rankel den wohl gefährlichsten Stürmer der Liga gab.

Die Fans singen

„André Rankel, du bist der beste Mann“, schallte es durch die Arena. Auch das überraschenden Anschlusstor durch den ehemaligen Berliner Alexander Weiß (33.) brachte die Berliner nicht aus der Fassung: Jimmy Sharrow traf sechs Minuten später nach schöner Vorlage von T. J. Mulock.

Im dritten Spielabschnitt brauchte der EHC seinen souveränen Erfolg dann nur noch durch die Tore von Richie Regehr (48.) und wiederum André Rankel (50.) zu sichern. Der Hauptstadtklub demontierte die Kölner gar, psychologisch nicht ganz unwichtig könnte das sein in dieser langen Viertelfinalserie. Die Aussage der Eisbären war unmissverständlich: Die Playoff-Dampfwalze ist zurück.