Nürnberg - Dass Uwe Krupp in Berlin nicht nur die Gegenwart, sondern vor allen Dingen die Zukunft der Eisbären gestalten will, ließ er am Sonntagabend schon unmittelbar nach dem Spiel in Nürnberg erkennen. Nach diesem 2:3 in der Verlängerung gegen die Ice Tigers, welches das zweite Pre-Playoff-Aus der Eisbären hintereinander nach sich gezogen hatte.

Gleich neben dem Presseraum, unmittelbar vor der Hallenkantine hatte sich der Eishockeycoach zum Gespräch mit den Reportern eingefunden und legte los: „Es müssen sich einige Dinge ändern. Um das zu besprechen, gibt es in den nächsten Tagen einige Meetings.“ Welche Forderungen er in den Gespräch mit Manager Peter John Lee und dem Sportlichen Leiter Stefan Ustorf stellen wird, sagte er allerdings nicht.

Entscheidend wird natürlich sein, dass der Kader ein neues Erscheinungsbild gewinnt. Krupp hat ganz richtig erkannt, „dass man mit dieser Mischung im Kader nicht ganz oben mitspielen konnte.“ Besonders dramatisch war die Zusammenstellung in der Abwehr. Mangels Alternativen mussten Verteidiger-Azubis wie Alex Trivellato oder Kai Wissmann Verantwortung übernehmen, obwohl sie aufgrund ihrer Entwicklung so weit noch nicht sind. In der Mannschaft gebe es Spieler „in Rollen, die sehr groß für sie sind“, sagte Krupp. Im Sturm hatte man den Eindruck, dass das Sättigungsgefühl nach den vielen Meistertiteln nach wie vor anhält. Darin Olver oder Barry Tallackson sind die besten Beispiele hierfür.

Auf den ganz großen Kehrbesen, der bei manch anderem Klub zum Einsatz kommt, werden die Eisbären wohl dennoch verzichten. „Wenn du acht bis neun Leute holst, ist das noch keine Garantie für Erfolg“, sagt Krupp. Für ihn ist es gerade auch ein Alleinstellungsmerkmal der Eisbären, dass man Spieler langfristig in die Organisation integriert. Die deutschen Spieler stehen deshalb auch noch unter Vertrag.

Veränderungen in der Mannschaft

Veränderungen wird es daher vor allem bei den sogenannten Importspielern geben. Leute wie Jimmy Sharrow, Mark Bell oder auch Matt Foy werden den Verein wahrscheinlich verlassen müssen. Krupp hat bereits angekündigt, dass er sich bei der Suche nach Ersatz intensiv einbringen will. Seine Vorgänger hielten sich auf diesem Betätigungsfeld vornehm zurück. Zuletzt waren die Transfers deshalb ausschließlich die Sache des Managers − mit den zu sehenden Folgen.

Wenn sich Krupp in das Team-Management einbringt, kann das nur guttun. Zu einem Titel hatte es mit seinem vorherigen Klub Kölner Haie zwar nicht gereicht. Dennoch hatte er in seiner Schaffenszeit das richtige Händchen für Spieler, die den Verein wirklich nach vorne brachten. Es gab klare Hierarchien in der Mannschaft. Auch bei den Eisbären wird es diese wieder mehr brauchen.

Zudem ist zu erwarten, dass sich die Person Krupp beim Gerangel um gefragte Spieler als Wettbewerbs-Vorteil herausstellt. Noch immer hat er gute Kontakte in die nordamerikanische Eishockey-Profiliga (NHL), in der er 810 Mal zum Einsatz kam. „King Kong“, wie er wegen seiner Größe einst genannt wurde, genießt nach wie vor höchstes Ansehen. Krupp hat aber auch bewiesen, dass er sich auf dem europäischen Markt bestens auskennt. Mit seiner Schweden-Offensive zu Kölner Zeiten überraschte er so manchen Eishockey-Experten.

Nicht zuletzt ist Uwe Krupp aber auch gefragt, die eingefahrenen Strukturen bei den Eisbären aufzubrechen. Dass die Eisbären auf ihr Familienleben Wert legen, ist ihr gutes Recht. In einer solchen Wohlfühl-Atmosphäre unbequeme Entscheidungen zu treffen, ist aber besonders schwer. Ohne Eisbären-Vergangenheit fällt Krupp das vielleicht leichter.

Überhaupt gilt es, die Verantwortungsbereiche zu klären. Wenn sich Ustorf als echter Sportlicher Leiter profilieren möchte, darf er nicht mehr als Assistenztrainer arbeiten. Wegen dieser Ämterteilung war er zuletzt gleichzeitig Krupps Zuarbeiter und Vorgesetzter. Neben neuen Spielern sollten sich die Eisbären deshalb vor allem um einen echten Assistenztrainer kümmern. Um einen, der Krupp beim Aufbau einer neuen Epoche helfen kann.