36 Tage ist Louis-Marc Aubry jetzt Berliner, und die Akklimatisierung verläuft vielversprechend. Anfangs fiel der 25-jährige Kanadier vor allem dadurch auf, dass er auf der Strafbank saß und den gegnerischen Teams Überzahlsituationen ermöglichte. „Bei den Zweikämpfen musste ich mich schon sehr umstellen“, sagt er. „Manche Schiedsrichter tendieren dazu, gleich zwei Minuten zu geben, sobald einer fällt.“

Inzwischen hat er das richtige Maß gefunden. Ohne Strafen wird er diese Viertelfinal-Serie gegen Mannheim, die am Freitagabend zu Hause in die zweite Runde geht (19.30 Uhr), kaum überstehen. Das ist auch nicht erwünscht. Denn die Eisbären brauchen Leute wie Aubry, die keinen Zweikampf scheuen. Es geht eben darum, das richtige Maß zu finden und die deutsche Strafauslegung zu berücksichtigen.

Ein ruppiger Gegner

Wobei es in diesen Tagen schwieriger denn je ist, „die Ruhe zu bewahren“, wie er es sich persönlich verordnet hat. „Die Playoffs werden nicht leichter“, sagt Trainer Uwe Krupp. Nach dem frustrierenden 3:4 nach Verlängerung im ersten Spiel „wollen wir unbedingt zurückschlagen und zu Hause die Serie ausgleichen“, sagt Aubry. Schon in diesem zweiten Spiel birgt die Konstellation also allerhand Konfliktpotenzial.

Hinzu kommt, dass Aubry wie schon im ersten Spiel „ständig mit Wolf konfrontiert ist“. Der Adler-Stürmer gilt als ausgesprochen ruppiger Charakter, der seine Gegenspieler maximal piesackt und die Grenzen des Erlaubten schon mal überschreitet. In den Playoffs gilt es mehr denn je, keinen Zentimeter zurückzuweichen. Aubry jedenfalls ist bereit. „Das Physische ist ein sehr wichtiger Teil meines Spiels. In den Playoffs ist es wichtig, dass du jeden Check zu Ende fährst.“

Daniel Fischbuch ist wieder zurück

Aber nicht nur deshalb dürfte er in diesen Playoffs noch eine wichtige Rolle einnehmen. „Wir haben mit ihm mehr Optionen im Powerplay“, weiß Krupp. Auch wenn gegen Mannheim nur ein Überzahl-Tor fiel, als die Eisbären sogar mit zwei Mann mehr auf dem Eis standen, verweisen die Berliner auf die verbesserte Quote seit Beginn der Pre-Playoffs. „Wir stehen bei 23 Prozent, das ist gut“, sagt Krupp. Wenngleich alle wissen, dass es fahrlässig ist, wie zuletzt aus 18 Mannheimer Strafminuten eben nur einen Treffer zu kreieren. Aubry sagt: „In einer sehr engen Serie, ist es wichtig, dass die Special Teams zuschlagen.“ In Unterzahl läuft es ordentlich. Gegen das beste Powerplay-Team der Hauptrunde ließen sie hier nur einen Gegentreffer zu. Auch da ist Aubrys Wirken erkennbar.

Als Center wird er nicht zuletzt daran gemessen, wie durchsetzungsfähig er am Bullypunkt ist. Denn das entscheidet darüber, in welche Richtung das Spiel läuft. 61,73 Prozent seiner Anspiele hat Aubry in den drei Playoff-Spielen gewonnen, das ist nicht nur absoluter Bestwert innerhalb der Mannschaft. Auch die Mannheimer Anspieler können hier keineswegs mithalten. Als bester Adler am Bullypunkt bringt es Garrett Festerling auf eine Quote von 50 Prozent.

Dass Daniel Fischbuch wieder zurück ist, der in Mannheim noch verletzt vom Eis musste, ist zudem wichtig für Aubrys Einfluss. „Wir ergänzen uns sehr gut in der Reihe“, sagt er. Für die Akklimatisierung in Berlin ist das ganz entscheidend.