Berlin - Wie es wohl sein wird? Der erste Auftritt auf dem noch unbekannten Eis, vor knapp 10.000 Zuschauern, im Zusammenspiel mit den neuen Mitspielern? Matt Foy ist so entspannt, wie er am Donnerstagmorgen vor dem Training der Eisbären Berlin gekleidet ist. „Das wird schon cool werden“, sagt der neue Stürmer, der in T-Shirt, kurzer Hose und Badelatschen in der Arena am Ostbahnhof am Rand des Eises sitzt.

Sein Blick schweift oft durch die Halle. „Ich habe viel gehört von den verrückten Fans, von den Erfolgen, die hier gefeiert wurden“, sagt er. Gehört habe er auch von der European Trophy, diesem europäischen Vorbereitungsturnier. Das beginnt für die Eisbären an diesem Freitagabend (19.30 Uhr) gegen HC Pilsen, schon am Sonntag folgt das zweite Match gegen Komet Brünn (16.30 Uhr). Teams, die bei Matt Foy folgende, spontane Reaktion hervorrufen: „Who?“ – wer?

Nein, erzählt der Kanadier, diese Mannschaften sagen ihm nicht wirklich etwas. Bislang spielte er ja auch ausschließlich in Nordamerika, das europäische Eishockey bedeutet für ihn völliges Neuland. Foy traute sich einen Schritt zu, den viele Nordamerikaner scheuen, weil sie ihn als Abstieg empfinden und er ihnen bei ihrem Streben in die Profiliga NHL als wenig dienlich erscheint.

Für Foy, 29, der von 2006 bis 2008 insgesamt 56 Spiele für Minnesota Wild in der NHL machte, ist die Rückkehr in die beste Liga der Welt aber sowieso nur noch ein „weit, weit entfernter Traum“. Er sieht Berlin vielmehr als Chance, es sich selbst und seinen Kritikern noch einmal zu beweisen.

Falscher Ehrgeiz

Foy hat eine Zeit hinter sich, die er selbst als „die schwierigste Phase meines Sportlerlebens“ beschreibt. Ungern erinnert er sich zurück an das Trainingscamp der Peoria Rivermen vor der Saison 2008/2009, als er in einem Vorbereitungsspiel einen harten Check einstecken musste und dieser seine rechte Schussschulter arg lädierte.

Schnell wollte Foy wieder aufs Eis, zu schnell, wie sich zeigte, denn seinen Ehrgeiz musste er mit wiederkehrenden Schmerzen bezahlen. Als die Schulter einige Monate später einigermaßen geheilt war, warf ihn ein Leistenbruch zurück. Zwischen 2008 und 2011 absolvierte er gerade mal elf Partien, in der Saison 2010/11 keine einzige.

Einen Profisportler zerfrisst eine solche Situation innerlich. Wenn der Körper nicht mehr die tägliche Verausgabung erfährt, die jahrelang Usus gewesen war, wird auch die Psyche beeinflusst. „Das kann dich krank machen“, sagt Eisbären-Manager Peter John Lee. Bei Foy wurden die mentalen Probleme irgendwann sogar größer als die physischen. Als sein Körper immer wieder den Dienst verweigerte, sei ihm oft durch den Kopf geschossen, „ob ich es überhaupt noch draufhabe“, sagt Foy. Trotz aller Probleme kam er nie zu einem negativen Schluss.

Es waren aber auch andere Fragen, die ihm halfen, seine schwere Zeit zu überstehen. Fragen von Kindern, die wissen wollten, wie man es bis in die NHL schafft. Als Foy eine Saison lang gar nicht spielen konnte, ging er in seine Heimatstadt Mississauga, wo er eine Jugendmannschaft trainierte. „Matt ist sehr reif, er denkt analytisch. Er hat das Zeug dazu, als Trainer zu arbeiten“, sagt Vince Malette, der Assistenztrainer der Eisbären.

Malette kennt Foy wie kein anderer bei den Eisbären. Er trainierte den knapp 20-jährigen rechten Flügelstürmer in der Saison 2002/2003 bei den Ottawa 67’s. Noch heute erzählt Malette, dass Foy sein Lieblingsspieler gewesen sei. „Er ist groß und trotzdem schnell“, sagt der Coach. „Außerdem kann er den entscheidenden Pass spielen und er weiß, wo das Tor steht.“

Malette verweist auf die vergangene Saison, als Foy in der East Coast Hockey League (ECHL) für Stockton Thunder in 67 Spielen 16 Tore und 36 Vorlagen gelangen. Wobei die Aussagekraft gering ist, da es sich bei der ECHL um eine drittklassige Liga handelt. Malette betont allerdings: „Matt hat das gemacht, um wieder in Form zu kommen. Das hat er geschafft und er kann noch immer noch auf NHL-Niveau spielen.“

Pederson beendet seine Karriere

Bei den Eisbären wird Foy genug Möglichkeiten bekommen, das unter Beweis zu stellen. Denn nun steht er auf der anderen Seite, ist er es, der einem ausgedünnten Offensivkader Stabilität verleihen soll. Da wäre zum einen Sven Felski, der momentan mit hartnäckigen Knieproblemen und um die Fortsetzung seiner Karriere bangt. Da ist aber auch Stefan Ustorf, bei dem nach seinem Schädel-Hirn-Trauma noch immer nicht an Sport zu denken ist.

Während bei Ustorf eine Resthoffnung auf ein Comeback besteht, ist diese bei Denis Pederson wohl endgültig erloschen. Der Center habe sich zwar noch nicht offiziell abgemeldet, sagt Manager Lee, aber das Karriereende ist dem Vernehmen nach fix. Wie es heißt, bringt es Pederson, seit dem Frühjahr 2011 mit Knieproblemen außer Gefecht, jetzt nur noch nicht übers Herz, den Rücktritt zu verkünden.

Deshalb könnte es sein, dass Foy auch als Center aushelfen muss. Etwas, das er könne, wie Lee sagt. „Wir haben vollstes Vertrauen in seinen Körper und seine Leistungsfähigkeit.“ Lee gefällt die Arbeitermentalität Foys, vor allem, weil er früher selbst so war. „Matt“, sagt der Manager, „hat sich aus seinem Loch eindrucksvoll herausgearbeitet.“