Das Vereinswechsel-Spielchen in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL ging aus deutscher Sicht in diesem Jahr ungewohnt turbulent zu. Acht Minuten nach der Öffnung des Marktes für vertragslose Spieler kam Top-Verteidiger Christian Ehrhoff bei den Pittsburgh Penguins unter. Aus Berliner Sicht wurde es dann kurz darauf spannend und zukunftsweisend zugleich. Schrittweise formte sich das anfängliche Gerücht zur Tatsache um, dass Eisbären-Tormann Rob Zepp zukünftig ebenfalls in der NHL spielen wird. Nicht für Pittsburgh, wie anfangs kolportiert wurde. Sondern für die Philadelphia Flyers.

Eisbären-Manager Peter John Lee sagt: „Es hat in den letzten Jahren immer wieder Angebote für Rob gegeben und er hat sich für uns entschieden. Es war klar, dass dieser Schritt irgendwann kommen wird.“ Mit 32 Jahren hat sich jetzt wohl zum letzten Mal die Gelegenheit aufgetan, noch mal NHL-Luft schnuppern zu können. Wenngleich nicht ganz klar ist, ob Zepp wirklich das Tor in der besten Liga der Welt hüten wird. Mit Stammkeeper Steve Mason und Ersatzmann Ray Emery hat er es − anders als in Berlin − mit starker Konkurrenz zu tun. So ist es nicht ausgeschlossen, dass er im Farmteam Lehigh Valley Phantoms landet.

Gefährliche Zurückhaltung

Die Eisbären haben auf jeden Fall ein Problem: Neuling Mathias Niederberger wurde als Nummer zwei verpflichtet, jetzt ist er dazu berufen, „eine große Rolle zu spielen“ (Lee). Ein Herausforderer wird noch gesucht. Eigengewächs Ilya Sharipov hat sich gegen die Eisbären entschieden und spielt künftig in der Nachwuchsorganisation von RB Salzburg. Schnell braucht man Nachschub vom Transfermarkt. Lee würde sich eine Wiederholung des Zepp-Effekts wünschen. „Er kam als unbekannter Spieler und wurde hier zum NHL-Spieler geformt. Diese Aussicht ist für viele Spieler interessant.“

Während dieser Transformation hatte sich Zepp, der fünf Meistertitel mit den Eisbären gewann, zunehmend als Leithammel hervorgetan. In schwierigen Zeiten war er eine von wenigen Konstanten. Cheftrainer Jeff Tomlinson hatte seinen Stammtorwart in der verkorksten vergangenen Saison deshalb zum wichtigsten Spieler auserkoren. Er hätte auch einer der Anführer der anstehenden Wiedergutmachungs-Tour werden sollen.

Drei Wochen vor dem Trainingsauftakt sind mehr denn je Zweifel angebracht, ob die Mannschaft in ihrer Zusammenstellung konkurrenzfähig ist. Während sich vor allem die Rivalen aus München und Mannheim umfassend verstärken, zeigt sich Berlin weiterhin erstaunlich zurückhaltend. „Wir setzen auf unsere eigenen Leute“, heißt Lees Dauer-Dogma. Verbunden mit der Hoffnung, dass sich auch hier wieder mal ein Unbekannter einen großen Namen macht.