Berlin-HohenschönhausenWer die Eishockey-Atmosphäre im Wellblechpalast gewohnt ist, wäre sich am Freitagabend vorgekommen wie einem falschen Film. Wo sonst die Trommeln dröhnen und sich die Fans der Eisbären heißer singen, waren im Spiel der Berliner gegen die Schwenninger Wild Wings beim MagentaSport Cup vor allem Einschläge der Pucks und das unter den Schlittschuhen ächzende Eis zu vernehmen. Und, was sonst völlig unvorstellbar ist, war ziemlich viel von dem hören, was von der Bande in Richtung Eis gerufen wurde. Und nicht zuletzt wirkten auch die Puhdys auf dem Tonband fast beleidigt, dass niemand die Eisbärenhymne mit ihnen schmetterte.

Obwohl die EHC-Profis ja bereits vor verwaisten Rängen in der Vorbereitung gespielt hatten, wirkte es so, als würden sie mit dieser Atmosphäre noch fremdeln. In einer Gruppe mit dem EHC Red Bull München und den Adlern aus Mannheim galten die Schwarzwälder als dankbarer Auftaktgegner, um knapp zwei Wochen nach dem letzten Testspiel den Formanstieg zu überprüfen. Zumal Schwenningen erst vor wenigen Tagen das gemeinsame Training begonnen hatte. Bei diesem 1:5 lief dann aber doch alles anders, als es sich die Berliner zur gefühlten Rückkehr in den Alltag vorgestellt hatten. Parker Tuomie hatte ja am Donnerstag passend gesagt: „Am Freitag beginnt die Saison für uns!“

Nach 28 Sekunden zappelte der Puck erstmals im EHC-Tor

Bereits nach 28 Sekunden zappelte der Puck zum ersten Mal im Eisbärentor. Und, als Nebenwirkung dieser Geisteratmosphäre, die Schwenninger Bank machte sich lautstark bemerkbar. Darin Olver, der einst hier mit den Eisbären trainierte, hatte EHC-Keeper Mathias Niederberger und seine alten Kollegen zum ersten Mal kalt erwischt. Später erzielte er auch das 3:1 für die Gäste.

Immer mal wieder ließ das Team durchblicken, wie das Eishockey aussehen soll, dass sie dann hoffentlich bald in einer neuen regulären Saison präsentieren wollen. Bis auf das zwischenzeitliche 1:1 durch Parker Tuomie (8.) wirkte vieles noch zu umständlich, zu verkopft. Selbstverständlichkeiten müssen eben erst noch greifen, was angesichts der Umstände auch nicht verwundert. Allerdings kamen die Schwenninger dann doch zu einfach zum Torerfolg. So wie beim 1:2 aus Berliner Sicht, als Andreas Thuresson in Überzahl ziemlich leichtes Spiel hatte (24.).

Auch wenn die Berliner letztlich sogar noch das 1:4 und das 1:5 kurz vor der Schlusssirene hinnehmen musste, sollte die positive Nachricht diese Abends nicht untergehen: Es bewegt sich wieder was in Eishockey-Deutschland. In den kommenden Spielen liegt es an den Eisbären, die Geisterstimmung zu vertreiben. Anders als den Spielstand können sie das nicht beeinflussen.