Berlin - In den Play-offs sind größere emotionale Ausbrüche außerhalb des Eises für gewöhnlich rar. Nach dem 6:0 in Iserlohn aber versprühten die Eisbären regelrecht Euphorie. „Wir können stolz aufeinander sein, wir haben gezeigt, was in uns steckt“, sagte Marcel Noebels, der mit vier Torvorlagen ganz entscheidenden Anteil an diesem Sieg hatte. „Wir haben füreinander gekämpft und füreinander gespielt.“

Die Reihenumstellung hat gefruchtet

Zunächst mal hatten die EHC-Profis mit diesem durchweg überzeugenden Auftritt nur das frühe Aus in dieser Saison abgewendet, am Sonnabend steht in heimischer Halle das entscheidende Spiel um den Einzug ins Halbfinale (17.30 Uhr, Magentasport) an. Aber sie haben eben auch gezeigt, dass sie mit Druck umgehen können. Und klarer Favorit sind, wenn sie die Tugenden, die sie in dieser Saison häufig gezeigt haben, aufs Eis bringen. „Wir sind viel gelaufen und haben die Zweikämpfe angenommen. Jedes Mal, wenn wir nah am Mann sind, fällt es Iserlohn schwer, was zu kreieren“, analysierte Noebels weiter.

Insbesondere für ihn selbst wirkte dieser Auftritt befreiend. Der Nationalstürmer, der an sich selbst höchste Ansprüche stellt, hatte sich am Dienstag dazu verleiten lassen, den Puck in die Bande zu dreschen und dafür eine Zehn-Minuten-Strafe kassiert. Man konnte diesen für ihn so ungewöhnlichen Kontrollverlust als Reaktion auf eine gewisse Unzufriedenheit deuten. In Iserlohn schlüpfte er nun aber wieder in die Führungsrolle, die er für sich in Anspruch nimmt. „Es ist wichtig, dass wir gezeigt haben, dass wir ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft sind“, sagt er.

Zach Boychuk lobt Marcel Noebels und Lukas Reichel

Offensichtlich haben die Eisbären frischen Wind gebraucht, für den Trainer Serge Aubin in Form der Reihenumstellung gesorgt hat. „Manchmal muss man Kleinigkeiten ändern“, sagte der Kanadier anschließend. „Wir hatten das Gefühl, dass uns das einen Impuls geben könnte.“ Dieser Impuls, nämlich Zach Boychuk zu Noebels und Lukas Reichel in die Reihe zu ziehen, hatte einen gewaltigen Einfluss auf die Offensivkraft der Mannschaft. „Alle haben einen guten Job gemacht, aber die drei sind vorangegangen“, lobte Aubin.

Während Noebels und Reichel fast die ganze Saison über zusammenspielten, offenbarte Boychuk keinerlei Anpassungsprobleme. Der ehemalige NHL-Profi aus Kanada sammelte wie Noebels vier Scorerpunkte, durfte sich zweimal sogar als Torschütze feiern lassen. In seiner Analyse ließ er aber vor allem die Kollegen hochleben. „Noebels und Reichel sind stark am Puck und können kombinieren, Ich versuche einfach nur, in der Reihe hart zu arbeiten und vor das Tor zu gehen.“

Ähnlich soll es am Sonnabend wieder laufen. Auch wenn Noebels bei aller Euphorie entsprechend warnte: „Wir können viel Positives mitnehmen, aber wir dürfen nicht vergessen, dass es nur ein Spiel war. Am Samstag geht es wieder von null los.“