Berlin - Tom Tykwer war chancenlos. Eine läppische Kamera nur richtete sich auf den international bekannten Regisseur, als er am gestrigen Morgen gegen 7.30 Uhr auf dem Flughafen Tegel landete. Die restlichen drei Fernsehteams und ein Fotograf schenkten Tykwer keinerlei Interesse, sie richteten ihre Objektive auf zwei andere Herren, die gerade mit derselben Maschine aus Newark gelandet waren. Es waren Claude Giroux und Daniel Brière, zwei Eishockey-Ausnahmekönner aus der nordamerikanischen Profiliga NHL, die ab sofort für die Eisbären Berlin auflaufen werden. Sekunden später hieß es dann auch schon auf dem Twitter-Account des Klubs: Eisbären vs. Hollywood – 4:1.

Die Euphorie rund um den EHC ist in diesen Tagen sehr groß. Giroux, 24, war mit 93 Punkten in der vergangenen Saison drittbester Scorer in der NHL und gilt als Spieler, der den Sport in den nächsten Jahren prägen wird. Brière, 35, hat dies bereits in den zurückliegenden Jahren getan. Ihre Verpflichtung ist der wohl größte Deal, den Eisbären-Manager Peter John Lee je eingefädelt hat. So einige lange Nächte habe er hinter sich, sagte Lee gestern, „aber das war es wert“.

Als die beiden Kanadier gegen 10.30 Uhr das erste Mal Berliner Eis betraten, war das Interesse entsprechend groß. 200 Zuschauer füllten die Haupttribüne im Wellblechpalast, der US-amerikanische Nachrichtensender CNN war ebenso anwesend wie ein Personenschutz, der Giroux und Brière von der Kabine zur Eisfläche geleitete (und glücklicherweise nicht eingreifen musste).

Als es in Eins-gegen-Eins-Situationen auf technisches Geschick ankam, ließen sich die Zugänge dann auch nicht lange bitten. Hier eine Finte, da ein Richtungswechsel; der bemitleidenswerte Giroux-Gegner Julian Talbot sieht wohl jetzt noch Sterne. „Da war ein anderer Zug im Training, jeder wollte einen Extra-Schritt machen“, beobachtete Kapitän André Rankel. Auch Torwart Rob Zepp fand, „dass bei den Jungs vieles schneller geht. Hoffentlich bleiben sie uns noch lange erhalten.“

Vertrag bis Weihnachten – vorerst

Auf jeden Fall werden Giroux und Brière am Freitag in der Arena am Ostbahnhof gegen die Kölner Haie spielen. Was danach passiert, ist ungewiss. Manager Lee hat mit beiden Profis einen Vertrag bis Weihnachten ausgehandelt, mit einer Option auf eine Verlängerung. Alles hängt davon ab, wie schnell sich die Spielergewerkschaft in den USA mit den NHL-Vereinen einigt. Im Moment haben die Klubeigner ihre Akteure ausgesperrt, weil die ihrer Ansicht nach zu viel Geld verdienen und nicht weniger akzeptieren wollen. Sobald der Arbeitskampf beendet ist, müssen die Spieler zu ihrem Klub Philadelphia Flyers zurückkehren. Das kann schon in einem Monat soweit sein, aber auch erst nach Saisonende.

Für Giroux und Brière geht es jetzt erst einmal darum, sich fit zu halten für eine mögliche Rückkehr in die NHL. „Das Geld“, sagte Brière am Nachmittag bei einer Pressekonferenz, „spielt im Moment keine große Rolle.“ Er verdient bei den Flyers rund 5,5 Millionen Euro pro Saison, Giroux drei.

Bei den Eisbären müssen sie Abstriche machen, mit kolportierten 20.000 Euro monatlich zählen sie dennoch zu den Topverdienern. Auf jeden Fall passen sie ins Budget, versicherte Lee. Und: „Sie haben in den USA eine Europa-Versicherung abgeschlossen.“ Das heißt: Den Berlinern bleiben Kosten in Höhe von etwa 30.000 Euro pro Spieler erspart.

Es war ein Angebot, das Lee nicht ausschlagen konnte. Gerade, weil er nicht nur einen, sondern zwei Ausnahmekönner bekommt. Dass es Giroux und Brière im Doppelpack gibt, ist noch nicht mal Zufall. Als sich Brière 2009 von seiner Frau trennte, zog Giroux zu ihm und seinen drei Kindern. „Zu Hause war es langweilig, bei Danny war immer Action“, erzählte Giroux. Es ging sogar soweit, dass sich die Kumpels zu Weihnachten einen Spaß machten und unter ihre Karten schrieben: Mit Grüßen von der Familie Brioux.

Mittlerweile lebt Giroux wieder allein in Philadelphia, auch in Berlin suchen sie getrennte Wohnungen. Auf dem Eis hingegen sollen sie zusammenspielen, komplettiert wird die Reihe von André Rankel. „Eine große Ehre“, sagte er. „Ich werde mir Mühe geben, sie nicht zu bremsen.“