Leo Pföderl schoss sein sechstes Tor in den letzten fünf Spielen.
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Berlin-FriedrichshainAls die Spieler bei der Partie zwischen den Eisbären und den Iserlohn Roosters während der sogenannten Powerbreak zum ersten Mal innehielten, flimmerten mal wieder emotionale Bilder auf dem Videowürfel. Hauptdarsteller war Jens Baxmann, der nach 18 Jahren in Berlin zum ersten Mal mit einem fremden Trikot bekleidet in der Arena am Ostbahnhof auflief. Noch einmal genoss die Nummer 29 die volle Zuneigung der Fans - nach dem Spiel ging es noch auf die Ehenrunde. Und es war nicht klar zu erkennen, ob er nur mit Schweiß oder auch der einen oder anderen Tränen kämpfte. EHC-Kapitän André Rankel sagte während des Spiels, das die Gastgeber mit 4:0 gewannen: „Es ist schon komisch ohne ihn. Wir waren 15 Jahre Zimmernachbarn und wie ein altes Ehepaar.“

Baxmanns Abschied steht aber zugleich für den Aufbruch in eine andere Phase in der EHC-Geschichte. Der Neu-Sauerländer war der erste des deutschen 85er-Jahrgang-Quartetts, der sich anderswo Beschäftigung suchen musste. Auch die verbliebenen Siebenfach-Meister werden nach dieser Saison zur Frage stehen. Während Rankel und Frank Hördler immerhin regelmäßig im Kader stehen, ist Florian Busch seit Wochen krankgeschrieben.

Pföderls Torserie

Im EHC-Ensemble, das Serge Aubin seit dieser Saison trainiert, sind es aber eher die anderen Spieler, die für Furore sorgen. Leo Pföderl zum Beispiel. Nach einer Phase der Eingewöhnung zeigt sich der Bayer nun genauso torgefährlich wie zuvor in Nürnberg. Gegen Iserlohn erzielte er sein siebtes Saisontor (13.) nach feinem Pass von John Ramage. Somit traf der Nationalspieler nun in fünf Spielen hintereinander.

Ein Plausch unter ehemaligen Kollegen: Jens Baxmann (l.) und Marcel Noebels.
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Ein anderer, der zurzeit von sich reden macht, ist Mark Olver. Der manchmal so unnahbar wirkende Deutsch-Kanadier, den die Eisbären auch als Protagonisten verschiedener PR-Aktionen auserkoren haben, setzt als Center nicht nur seine Nebenleute in Aktion. In der 16. Minute erzielte er seinen fünften Treffer. Im Kuddelmuddel vor dem Iserlohner Tor behielt er den Überblick, schnappte sich die Scheibe und erhöhte auf 2:0. Ein Torschussverhältnis von 22:4 nach dem ersten Drittel offenbarte die Dominanz.

Sechs-Punkte-Wochenende

Und die Eisbären ließen nicht nach. Das Mitteldrittel war gerade mal drei Minuten, als Louis-Marc Aubry die 14 200 Zuschauer (ausverkauft) erneut feiern ließ, indem er einen Abpraller verwandelte. Seitdem sein langjähriger Kumpel Landon Ferraro, der den Schuss zuvor abgefeuert hatte, für den EHC spielt, blüht der Kanadier regelrecht auf. Einziges Manko an diesem Nachmittag war die Verwertung teils bester Möglichkeiten. Zu keinem Zeitpunkt in diesem Spiel hatten die Gäste auch nur den Hauch einer Chance. Den Schlusspunkt setze James Sheppard in Überzahl (58.).

Und so durfte Torwart Sebastian Dahm zur Feier des Tages auch noch sein erstes Pflichtspiel als EHC-Keeper ohne Gegentor feiern und legte als Dank eine kleine Tanzeinlage ein. Es war die Krönung eines Sechs-Punkte-Wochenendes, der perfekte Start in die zweite Saisonphase nach dem Deutschland Cup. Wozu Dahm, der in der vergangenen Saison noch das Iserlohner Tor hütete, kommentierte: "Wir spielen krasses Eishockey."