Eisbären-Sportchef Stéphane Richer wünscht sich noch „ein bis zwei“ hochkarätige Neuzugänge.
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BerlinEigentlich möchte man die Eisbären um Sportchef Stéphane Richer am liebsten beglückwünschen. Denn die Tatsache, dass das Team, sei es aus Weitsicht oder aus Fleiß, bereits kurz nach dem erzwungenen Saisonende im Frühjahr auf dem Transfermarkt tätig wurde, sorgt nun dafür, dass die jüngste Verordnung der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) keinen Nachteil für die Bären birgt. So dürfen bis zum 15. Juli keine Verträge mit ausländischen Spielern für die kommende Spielzeit geschlossen werden. Mit Spielern aus der heimischen Liga darf nicht einmal verhandelt werden, es sei denn, der abgebende Verein stimmt dem ausdrücklich zu.

Sei’s drum. Mit Mathias Niederberger, Tobias Ancicka, Stefan Espeland, Haakon Hänelt, Nino Kinder, Parker Tuomie und Mark Zengerle stehen bereits sieben Zugänge beziehungsweise Rückkehrer bei den Eisbären fest. Für Richer ist die Kaderplanung damit nahezu beendet. „Ich bin schon sehr happy mit der Mannschaft, die wir haben“, erklärte der 54-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung und zeigte sich besonders erfreut über die Verjüngungskur im Kader: „Unser 85er-Jahrgang neigt sich dem Karriereende zu, es ist unser Plan, nun etwas Neues zu entwickeln.“

Ein Puzzleteil fehlt den Eisbären allerdings noch und das soll im Idealfall ein ganz besonderes werden. „Wir wollen schauen, was in der NHL passiert“, verriet Richer. „Viele Spieler könnten, je nachdem, wie die Liga die kommende Saison plant, nach Europa kommen. Und ein paar Lizenzen haben wir noch frei.“ Konkret geht es um „ein bis zwei“ Spieler, die die Hohenschönhauser noch verstärken sollen.

Gute Erfahrungen hat das Team mit der Verpflichtung von NHL-Cracks. Beim letzten Lockout der Weltklasseliga 2012 führten die verpflichteten Claude Giroux und Daniel Briere die Bären zur Meisterschaft, genauso wie Erik Cole, Nathan Dempsey und Goalie Olaf Kölzig, der im Zuge des Lockouts 2004/05 in Berlin gastierte.

Fraglich ist allerdings noch, wann ein möglicher Starspieler überhaupt in Berlin auflaufen könnte. Zuletzt verschob die DEL den Saisonstart auf Anfang November. „Bald wird die Entscheidung fallen, wann die neue Saison starten soll, dann werden wir alles genau planen“, zeigte sich Richer noch entspannt. Doch der Kanadier weiß auch um die Probleme, die mit der ungewissen Terminplanung einhergehen. „Es kann gut sein, dass unsere ausländischen Spieler in Berlin zunächst in Quarantäne müssen. Das muss man berücksichtigen. Ebenso wie die Tatsache, dass wir ohne entsprechende Vorbereitung nicht im Oktober in die Champions League starten können.“

Ungewiss ist auch die Zukunft von Ausnahmetalent Lukas Reichel. Der 18-Jährige ist für den derzeit auf unbestimmte Zeit verschobenen Draft angemeldet. Reichel erklärte der Eishockey News: „Im März habe ich acht oder neun Anfragen pro Tag aus der NHL bekommen. Im Mai waren es noch drei oder vier. Im Moment höre ich gar nichts.“ Er wisse aktuell nicht „welcher Klub Interesse an mir zeigt“. Der Jung-Eisbär trainiert für seinen Kindheitstraum NHL den ganzen Sommer über weiter sehr hart. „Wir sprinten fast jeden Tag ausgiebig einige Hügel in der Nähe des Sportforums hoch, das schlaucht.“

Für Reichel wird, trotz eifrigen Trainings, viel davon abhängen, ob die Nachwuchsligen der NHL in den nächsten Monaten den Spielbetrieb planen können. Fällt deren Saison, wie auch die der nordamerikanischen Baseball-Nachwuchsliga MiLB, ins Wasser, könnte Reichel womöglich sogar ein weiteres Jahr in Berlin bleiben. Stéphane Richer hätte sicher nichts dagegen.