Berlin - Das Sehnsuchtsobjekt wiegt 10,4 Kilogramm, misst in der Höhe 72 und in der Breite 46 Zentimeter. Die DEL-Meistertrophäe wird am Freitagabend auf jeden Fall in Berlin stehen, denn nach einer Stunde Spielzeit und vielleicht noch ein paar Zusatzminuten, falls eine Verlängerung fällig wird, steht fest, ob die Eisbären oder die Grizzlys Wolfsburg den Pokal in die Höhe recken dürfen. Das erste Bully in der Berliner Arena steigt um 19.30 Uhr.

Belohnung für eine außergewöhnliche Saison

Und nachdem es der Mannschaft von Serge Aubin beim 4:1 auch in dieser Finalserie geglückt ist, eine Auftaktniederlage wettzumachen, spricht nun einiges dafür, dass die Eisbären und Kapitän Frank Hördler, der an allen bisherigen Titeln mitwirkte, zum achten Mal Deutscher Meister werden. „Die Mannschaft will rausgehen und zeigen, was sie kann“, sagt er. Und Verteidigerkollege Jonas Müller meint: „Wenn wir alles rausholen und einfach Gas geben, wird es schwer für Wolfsburg, was zu kreieren.“

Und selbst wenn die EHC-Profis keinen Gedanken daran verschwenden, dass die Krönung schiefgeht, hat sich für die Niedersachsen mit dem Serienausgleich auch noch nicht so wahnsinnig viel verändert. Die Mannschaft von Pat Cortina ist ebenfalls nur einen Sieg vom Titel entfernt. Eine Perspektive, die die Eisbären bewusst verdrängen, denn es wäre nach dem Verlauf der Playoffs der sportliche Super-GAU. Weil der Gewinn der Meisterschaft für so vieles entschädigen würde, was diese ungewöhnliche Saison an Nebenwirkungen mit sich brachte.

Bevor es Ende Dezember schließlich mit der Spielzeit 2020/2021 losgehen konnte, war der Starttermin zunächst zweimal verschoben worden. Zwischenzeitlich musste man gar befürchten, dass der Spielbetrieb in diesem Winter ruhen muss aufgrund der wirtschaftlichen Probleme, die eine Saison ohne Zuschauer mit sich bringt.

Eng damit verbunden sind die finanziellen Einbußen, die alle im Verein aufbringen mussten, um die Bilanzen nicht ganz so düster aussehen zu lassen. Und bis auf Austin Ortega, den es zunächst nach Finnland verschlug, ehe ihn kürzlich der EHC Red Bull München unter Vertrag nahm, akzeptierten alle EHC-Profis diesen Einschnitt. Sie leisteten damit ihren Anteil, dass sich die Sportart, die sich im vergangenen Sommer und Herbst gefühlt in einer Art Wachkoma befand, berappelte.

Kapitän Frank Hördler hat Wort gehalten

Ausgerechnet in der unmittelbaren Saisonvorbereitung infizierten sich zahlreiche Profis mit Covid-19, was dazu führte, dass die Auswirkungen noch beim Saisonstart in Form von Ausfällen zu spüren waren. Und nicht zuletzt musste das Trainerteam in kurzer Zeit einen schlagkräftigen Kader formen, weil zahlreiche ausländische Profis aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen erst spät zum Team stießen. Dass sie sich alle als Leistungsträger erwiesen haben, spricht für den Instinkt der sportlichen Führung.

Alle diese Widrigkeiten, gepaart mit dem Fehlen der Fans, was Müller als „extrem schade empfindet“, weil sie gerade jetzt in den Playoffs „die Halle zum Beben“ gebracht hätten, sorgte keineswegs dafür, dass die Berliner abwartend in diese Spielzeit gingen. Vom ersten Spiel an, in dem sie gegen Bremerhaven noch als Außenseiter galten, hielten Frank Hördler und die Kollegen Wort. „Wir fühlen uns auch in der Pflicht, die Leute zu unterhalten. Wir wollen ihnen in diesen schwierigen Zeiten ein bisschen Freude bereiten“, hatte der Verteidiger vor dem ersten Spieltag wissen lassen.

Nach 38 Hauptrunden- und acht Playoff-Spielen gilt es jetzt, die Belohnung in Form eines Meisterpokals abzugreifen. Eine Erfahrung, die für viele Spieler im Kader unbekannt ist. Unter anderem für Noebels, der sich nach der zweifachen Auszeichnung zum Spieler des Jahres ganz besonders nach dieser Krönung sehnt. „Jetzt sind wir einen Sieg entfernt, dafür gilt es alles einzubringen.“