Berlin - Die Partymusik im Hintergrund passte nicht so wirklich zur Stimme von Marcel Noebels. Ruhig, sachlich analysierend, emotional eher neutral und keineswegs überschwänglich sprach der Stürmer der Eisbären Berlin über den wichtigen 3:2-Sieg in Ingolstadt. Ein Erfolg, der ihm und seinen Teamkollegen nach der Auftaktniederlage in der Best-of-Three-Serie das sportliche Überleben sicherte, ihnen für Freitagabend (18.30 Uhr) ein Entscheidungsspiel um den Finaleinzug sicherte und der über die vollen 60 Minuten betrachtet auch vollkommen in Ordnung ging. „Wir standen mit dem Rücken zur Wand“, sagte Noebels und sprach von einem Charaktersieg.

Die Eisbären zeigen sich als komplette Einheit

In dieser, durch die Corona-Pandemie so durchgeschüttelten und sonderbaren Saison, haben sich die Eisbären als Einheit präsentiert, die immer enger zusammengewachsen ist und sich wohl auch deshalb von Rückschlägen nicht unterkriegen lässt. Als wäre das verlorene Spiel in Berlin nicht schon Ballast genug gewesen, ließ sich die Mannschaft von Trainer Serge Aubin, der davon sprach, dass ihm die vollen 60 Minuten seines Teams gefielen, auch nicht vom frühen Rückstand in der zweiten Partie der Play-off-Serie vom Plan abbringen. Sie erzielte stattdessen den Ausgleich. Und selbst als die Berliner im zweiten Abschnitt das klar bessere Team waren, den Puck aber nicht im Tor unterbringen konnten und mit dem zweiten Rückstand eiskalt erwischt wurden, ließ sie dies nicht verzagen. „Ich glaube, mit uns ist zu rechnen, weil wir nie aufhören, an uns zu glauben. Wir sind eine komplette Einheit“, so Noebels, „es macht Spaß, füreinander zu kämpfen, es macht Spaß, füreinander da in die Ecken zu gehen. Wir wurden belohnt für harte Arbeit und dafür, dass wir an uns glauben.“

Wären die Berliner im zweiten Spiel gescheitert, dann mit Sicherheit nicht am Einsatz. Dafür aber an der Chancenverwertung. Mehr als doppelt so viele Schüsse als die Ingolstädter gaben sie ab, konnten die Scheibe aber erst in der 50. Minute zum zweiten Mal im gegnerischen Tor unterbringen. „Wir müssen noch ein bisschen an der Chancenverwertung arbeiten, denn wir hätten schon viel früher die Nuss knacken können“, sagte Marcel Noebels. Nicht nur weil dieses 2:2 den Ausgleich markierte, sondern weil es zudem mal wieder in Überzahl fiel, war dieser Treffer gleich doppelt wichtig. Denn: Zuletzt hatten die Eisbären im Powerplay geschwächelt, waren in den drei Play-off-Spielen zuvor ohne Treffer geblieben, wenn sie mit einem Mann mehr auf dem Eis gestanden hatten. „Wir wussten, dass unser Powerplay in den letzten Spielen viele Chancen liegen lassen hat und nicht gut genug war“, so Noebels, „wenn man hart arbeitet, geht halt mal einer rein.“

Ab Donnerstag geht der Fokus auf Spiel drei

Mit diesem Treffer hatten die Eisbären das Momentum endgültig auf ihrer Seite und nach dem 3:2 von Ryan McKiernan die Serie auch endgültig nach Berlin für ein Entscheidungsspiel zurückgeholt. „Es ist ein tolles Gefühl, das dürfen wir genießen, aber ab Donnerstag richten wir den Fokus auf das dritte Spiel“, sagte der Siegtorschütze. Denn so schön der Erfolg am Mittwochabend auch war, „können wir uns am Freitag nichts mehr kaufen, es steht 1:1“, so Marcel Noebels, „aber wir sind jetzt wieder zu Hause und können beweisen, dass wir die ganze Saison heimstark waren.“ Wenn er und seine Teamkollegen ähnlich diszipliniert wie am Mittwoch – nur zwei Zeitstrafen – spielen, die Chancenauswertung verbessern und mit dem Glauben an die eigenen Stärken ein weiteres Mal so selbstbewusst auftreten, ist der Finaleinzug und dort sogar der Titel drin.