Straubing - Eine knappe halbe Stunde war in der Partie der Eisbären bei den Straubing Tigers am Sonntagnachmittag absolviert, da kam es zu einer Szene, die so typisch ist für die zweite Saisonphase der Berliner mit den Duellen gegen die Südteams: Die Partie lief aus Eisbären-Sicht ordentlich, die Defensive stand einmal mehr sicher, im Sturm fehlte die ganz große Durchschlagskraft, und dann kam Ryan McKiernan zum Zug. Nach Vorlage von Matt White jagte der Amerikaner mit irischem Pass den Puck unter die Latte des gegnerischen Tores als Auftakt zum 3:1-Sieg (0:0, 2:1, 1:0) am Pulverturm.

McKiernan erzielte fünf Treffer in den letzten vier Spielen

Damit baute er seine sehr eindrucksvolle Bilanz aus: Viermal duellierten sich die Eisbären nun mit Mannschaften aus Bayern, in jedem Spiel traf der Verteidiger – beim 5:2 gegen die Augsburger Panther sogar zweimal. Gleichzeitig war es der dritte EHC-Treffer in Serie, den McKiernan erzielte. Während es den Sturmkollegen bislang noch schwerfällt, die Torgefahr aus der Zeit der Nordgruppe zu entfalten, wirkt McKiernan offensiv wie entfesselt und belohnt sich für die harte Arbeit im Training.

Dass diese Qualitäten nicht zu Lasten der Defensivarbeit gehen, ist eine der großen Stärken derzeit. Nur sieben Gegentreffer mussten die Eisbären in den Vergleichen mit den Südteams bislang hinnehmen, davon vier beim 3:4 in Ingolstadt. Dass der erst 17 Jahre alte Straubinger Adrian Klein am Sonntagnachmittag sein erstes DEL-Tor überhaupt erzielte, ärgerte in erster Linie Tobias Ancicka, der mal wieder das Berliner Tor statt Mathias Niederberger hüten durfte und „einen sehr starken Job gemacht hat“, wie McKiernan befand. Wirklich abschreckend war dieser kleine Rückschlag aus Berliner Sicht aber nicht. Nur gute drei Minuten später erzielte Zach Boychuk die erneute Führung. Natürlich in Überzahl, hier bringt sich der kanadische Center besonders effektiv ein.

Das Powerplay sorgte schließlich auch für die Entscheidung zugunsten der Gäste aus der Hauptstadt. Mark Olver, der sich zuvor lange nicht mehr als Torschütze einbringen konnte, nutzte die Zeit, die ihm seine Gegenspieler gewährten, und legte den Puck per Rückhand ins Tor. Ein Treffer, der ebenfalls für die aktuelle Stärke der Berliner steht. Weil sie zum einen die Undiszipliniertheiten der Gegner gnadenlos bestrafen. „Wir wissen unsere Stärken hier einzusetzen“, sagte Stürmer Marcel Noebels bei Magentasport. Gleichzeitig blieb die Mannschaft von Trainer Serge Aubin bei eigener Unterzahl erneut ohne Gegentor. Kai Wissmann analysierte: „Wir haben uns vorgenommen, kompakt zu spielen. Wir haben in Unterzahl hart gearbeitet.“

Zum anderen ist der Kader derart breit aufgestellt, dass selbst eine anhaltende Torflaute der vermeintlichen Paradereihe scheinbar problemlos aufgefangen werden kann. „Wir müssen uns keine Sorgen machen, weil wir Chancen haben“, sagte Noebels, „aber wir haben unsere Chancen zuletzt nicht so genutzt wie in der Zeit davor.“

Am Montag sind die Eisbären wieder gefordert

Dass die Eisbären die Norddivision fast nach Belieben dominierten, lag zum Teil auch an der Qualität der Gegner. Dass sie nun aber auch im Nord-Süd-Vergleich derart souverän auftreten, wenngleich mit ganz anderen Qualitäten als dem Halli-Galli-Eishockey der ersten Saisonphase, spricht für das aktuelle Niveau dieser Mannschaft, die bereits am Montag in Nürnberg wieder gefordert ist (20.30 Uhr, Magentasport). Auch fiel nicht ins Gewicht, dass mit Sebastian Streu, der zuletzt gegen Ingolstadt einen harten Check kassiert hatte, Kris Foucault und PC Labrie drei Profis die Reise nach Bayern nicht antreten konnten.