Eisbären Stefan Ustorf : „Ich bin für den Puls der Mannschaft da“

Stefan Ustorf, 40 hat die Eisbären Berlin als Kapitän zu sechs Meistertiteln geführt. Nachdem er wegen eines Schädel-Hirn-Traumas seine Karriere im vergangenen Jahr beenden musste, kehrt er jetzt als Sportlicher Leiter zurück. Sein Ziel: Die Mannschaft wieder zu alter Stärke bringen. Derzeit besucht der gebürtige Kaufbeurer deshalb verschiedene Weiterbildungen, im Juni will er die B-Trainerlizenz erlangen.

Herr Ustorf, Sie sind schneller zurück im Geschäft , als das viele erwartet haben. Wie geht es Ihnen?

Ich habe gelernt, wie ich mit dieser Sache umzugehen habe, und mich damit abgefunden, dass es nicht so wird wie früher. Ich werde nie wieder bei Hundert Prozent sein. Ich weiß meinen Tagesablauf so einzuteilen, dass ich mit den kleinstmöglichen Problemen davonkomme. Es ist an der Zeit für mich, den nächsten Schritt zu machen. Ich kann mich nicht einfach hinsetzen und nichts mehr tun für den Rest meines Lebens.

Ist der neue Job nicht anstrengend?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass mich das aufhält. Es ist ein Job, bei dem ich mir sehr viele Sachen einteilen kann. Wo ich abwarten muss, wie es funktioniert, ist die Reiserei.

Was genau wollen Sie bei den Eisbären bewirken?

Ich hoffe meinen Teil beitragen zu können, dass wir die Zusammenarbeit innerhalb der Truppe optimieren können. Meine Aufgabe liegt darin, für die Spieler die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, dass sie sich nur um Eishockey kümmern müssen. Peter John Lee war über Jahre jeden Tag bei der Mannschaft. Jetzt hat er wegen der vielen Termine nicht mehr die Möglichkeit, den Puls der Mannschaft ganz nah mitzubekommen. Dafür bin ich da.

Wie wird die Zusammenarbeit mit Cheftrainer Jeff Tomlinson aussehen?

Wir haben in der Vergangenheit sehr gut und sehr erfolgreich miteinander gearbeitet. Er als Assistenztrainer, ich als Spieler. Jetzt haben sich die Positionen gewandelt, aber ich sehe es nur positiv, dass wir uns schon so lange kennen. Ich bin froh, dass Leute da sind, mit denen ich schon in der Vergangenheit gut zusammengearbeitet habe. Das wird meinen Einstieg mit Sicherheit erleichtern.

Als Sportlicher Leiter werden Sie ihn auch kontrollieren müssen.

Ich bin da, um Jeff zu unterstützen und die Arbeit einfacher zu machen. Unsere große Stärke lag immer darin, zusammenzuarbeiten. Wenn du Meisterschaft gewinnen willst, reicht es nicht, dass nur die Mannschaft oder der Trainer gut arbeitet. Sondern es muss alles stimmen. Die Bürokräfte gehören genauso dazu wie die Betreuer.

Wie haben Sie die Entwicklung der Mannschaft zuletzt wahrgenommen?

Das ist nicht einfach zu beantworten. Ich habe nicht so viele Spiele verfolgt in der letzten Saison. Man muss mit Sicherheit eingestehen, dass letzte Saison eine schlechte Saison war. Wir haben mit unserer Mannschaft und unserem Umfeld sicher mehr erwartet.

Welche Ursachen sehen Sie hier?

Es gibt viele Gründe, warum es gelaufen ist, wie es gelaufen ist. Angefangen von Verletzungen bis hin zu dem Fakt, dass viele Spieler nicht die Leistung abgerufen haben, die möglich ist. Jetzt ist es unsere Aufgabe, dass wir die Leistung als Gruppe wieder abrufen können. Ich bin der Meinung, dass wir einen sehr guten Kader haben.

Könnte er durch Transfers nicht noch besser werden?

Die Situation ist nicht so einfach. Man kann immer sagen, dass man einen linken Verteidiger braucht. Aber wenn dieser Verteidiger nicht auf dem Markt ist, macht es keinen Sinn, das zu forcieren. Wir haben über die Jahre bewiesen, dass wir keine Fans von großen Umbrüchen sind, sondern lieber auf das vertrauen, was wir kennen.

Wie gehen Sie damit um, dass ihre Familie in den USA bleibt.

Mein Sohn geht jetzt ins letztes Jahr auf der Highschool. Da will ich ihn nicht von Amerika nach Deutschland schaffen, meine Tochter wird zwölf. Das sind familiäre Situationen, die man klären muss. Das ist nicht optimal, aber meine Frau und ich haben über die Jahre hinweg in dem Geschäft gelebt, und das hat wunderbar funktioniert. Wir wissen beide, was mein Job ist. Man bleibt eben nicht ewig an einem Ort.

Das Gespräch führte von Benedikt Paetzholdt