Berlin - Dass Serge Aubin offensichtlich der richtige Trainer für die Eisbären ist, zeigt der sportliche Aufschwung, den die Berliner genommen haben, seitdem er 2019 die Mannschaft übernahm. Folglich haben die EHC-Verantwortlichen um Sportdirektor Stéphane Richer und Manager Peter John Lee vor der entscheidenden Saisonphase den Vertrag mit dem Kanadier um zwei weitere Jahre verlängert.

Die Ausgangslage hat sich für Aubin nicht groß verändert

Aber gerade in dieser so angespannten Situation, in der es für die Eisbären am Mittwoch bei den Grizzlys Wolfsburg (19.30 Uhr) darum geht, nach der 2:3-Niederlage zum Auftakt die Best-of-Three-Serie auszugleichen und somit am Freitag ein Entscheidungsspiel um den Titel in der Deutschen Eishockey Liga zu erzwingen, gibt sich Aubin wohltuend unaufgeregt. „Wir genießen diesen Moment. Es ist ein spezielles Jahr. Die Spieler sollen sich erholen und ein Lächeln auf dem Gesicht behalten“, sagte er.

In dieser Einstellung kommen zwei ganz wesentliche Aspekte zum Tragen. Zum einen ist ja noch lange nichts verloren im Kampf um die achte Meisterschaft. Bereits im Viertelfinale und auch im Halbfinale haben die Berliner Comeback-Qualitäten gezeigt, die von einem hohen Maß an Selbstbewusstsein zeugen. „Wir verlieren den Glauben nie, egal was passiert“, sagte Verteidiger Kai Wissmann, „das haben wir schon oft genug bewiesen, und es wird auch jetzt so sein.“ Kapitän Frank Hördler ergänzte: „Der Wille und die Vorfreude auf das Eis zu gehen, ist da.“

Zumal sich nach Ansicht ihres Trainers so wahnsinnig viel gar nicht geändert hat durch diesen Dämpfer. „Ich hatte mir einen anderen Start gewünscht, aber so ist es jetzt“, sagte Aubin. „Wir wussten alle, dass es eine enge Serie und wahrscheinlich drei Spiele geben wird.“

Geduldig zu bleiben, wird für die Eisbären nicht ausreichen

Bei allen großen sportlichen Ambitionen ist sich der 46-Jährige aber auch sehr wohl bewusst, welch schwierige Monate das Eishockey und die Eisbären im vergangenen Jahr zu überstehen hatten, ehe klar war, dass diese Saison überhaupt starten kann. „Wir sind im Finale und sind zwei Spiele vom Titel entfernt“, verwies er auf die ausgesprochen komfortable Lage der Eisbären.

Aber natürlich wird auch er grübeln, wie die Eisbären den Wolfsburgern ihr Spiel aufdrücken können. Geduldig zu bleiben ist das eine. Allerdings haben die vier Vergleiche in der Hauptrunde und nun eben auch dieses 2:3 zum Finalauftakt gezeigt, wie spezialisiert die Niedersachen sind, schmerzhafte Nadelstiche zu setzen. „Sie haben unsere Nummer in diesem Jahr“, sagte Zach Boychuk, der 38 Sekunden vor dem Ende der offiziellen Spielzeit in Partie 1 den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 2:2 erzielt hatte. Übersetzt heißt das: Bislang hatten die Grizzlys einen ziemlich guten Plan für seine Mannschaft.

Der Überlebenswille wird im zweiten Spiel eine große Rolle spielen, um das zu ändern. Davon ist Boychuk überzeugt: „Wenn es um Leben und Tod geht, sind wir bereit und bringen unser bestes Spiel“, sagte er. Dennoch braucht es auch ein paar taktische Kniffe, um die Wolfsburger aus der Reserve zu locken.

Trainer Serge Aubin genießt schon jetzt höchstes Ansehen bei den Eisbären-Profis. Weil er einen klaren Weg vorgibt, den er mit seiner Mannschaft gehen will. In den kommenden Tagen kann er ein wichtiger Teil der EHC-Geschichte werden. Als der Mann hinter dem achten Titel, der die vielen Rückschläge und Einschränkungen dieses speziellen Jahres überstrahlen würde.