Zwei Minuten vor der Schlusssirene nahm das bayerische Meistertreiben an Fahrt auf. „Was ist das für ein schöner Eishockeyabend“, rief der Stadionsprecher durchs Mikrofon. Beim Stand von 6:3 stand längst fest, dass den Gastgebern der Titelhattrick gelingt und sie diese Serie mit 4:3 gewinnen. Und dass den Eisbären der letzte Schritt zur Sensation nicht gelingt. Entsprechend bildeten sich anschließend zwei sehr unterschiedliche Haufen. Hier die weißgekleideten Berliner, die auf ihre Stöcke geschützt ins Leere starrten oder resigniert auf dem Eis knieten.

Und dort die Münchner in Blau, die schunkelten wie nach fünf Maß auf der Wies’n. Noch bevor es in die erste Pause ging, erstarrte die Berliner Bank für einige Sekunden im Kollektiv. Es war der Moment, als die Schiedsrichter beim Videostudium über das vierte Münchner Tor entschieden, das dann auch zählte. Bei zehn Schüssen, die auf das Tor von Petri Vehanen abgegeben wurden, brauchten die Gastgeber also nur rund eineinhalb Versuche pro Treffer. Das ist ungewöhnlich für ein Finale.

Was zum einen natürlich für die Münchner spricht, denen es gelungen ist, den Abwärtstrend in dieser Serie zu stoppen und brutal zurückzuschlagen. Nach dem 3:3-Serienausgleich am Dienstag wirkte Don Jacksons Team noch ausgezehrt. Diesmal wollten sie aber beweisen, dass sie noch immer das Eishockey spielen können, dass sie schon zu den Titel 2016 und 2017 geführt hat.

Schneller Doppelpack

Die Eisbären wiederum konnten ihren frechen Stil der vergangenen Spiele nicht aufziehen. Zwar waren sie durch Micki DuPont im Powerplay sogar in Führung gegangen (12.). Doch dann rollte das Unheil auf die Berliner zu. Konrad Abeltshauser hatte beim Ausgleich zu viel Platz (13.). Dann wirkten die Berliner desorientiert. Jonathan Matsumoto und Steve Pinizzotto sorgten für einen Doppelpack binnen zwei Minuten (16./17.). Und als dann auch noch Louis-Marc Aubry wegen eines Checks eine 2+10-Minuten-Strafe aufgebrummt bekam, machte der ehemalige Berliner Mads Christensen in Überzahl das Quartett voll.

Nach der fulminanten Aufholjagd vom 1:3-Serienrückstand zum 3:3 und dem Gefühl, vielleicht sogar als Favorit in dieses entscheidende Spiel zu gehen, hätte es für die Eisbären bitterer nicht kommen können. Denn, um eine Aufholjagd beginnen zu können, braucht es einen Gegner, der das zulässt. Und dieser war München nicht. Das schon vor dem Spiel eine aus seiner Sicht wichtige Entscheidung angetrieben hatte. Weil man sich von den Schiedsrichtern benachteiligt fühlte, legte man Protest gegen das Gespann ein.

Mit Erfolg. Der NHL-erfahrene US-Amerikaner Mark Lemelin, sonst in Österreich tätig, war oberster Spielleiter. Und sorgte dafür, dass im Nachklang nicht über umstrittene Entscheidungen diskutiert wird. Wenn der sonst stoische Mister Jackson, der sich zum Finale seinen Play-off-Bart entfernt hat, hinter der Bande geradezu ekstatisch klatscht, ist das kein gutes Zeichen für den Gegner.

Letzte Comeback-Hoffnungen verschwunden

Nach Pinizzottos 5:1 in Überzahl waren die letzten Comeback-Hoffnungen endgültig verschwunden. Den Eindruck, dass sie an diesem Abend Großes leisten können, vermittelten die Eisbären aber viel zu selten. Man hatte das Gefühl, dass der Favoritendruck, der zuvor Münchner Hände zittern ließ, nun sie verkrampfte.

Die forsche Alles-oder-Nichts-Mentalität der vergangenen beiden Spiele war erst im Schlussdrittel ansatzweise zu erkennen, als die Niederlage kaum noch abzuwenden war. Jamie MacQueen (5:2)und James Sheppard (6:3) netzten ein. Brooks Macek spielte aber die finale Spaßbremse.

Einige Tage werden nun vergehen, bis das Gefühl einsetzt, dass diese Saison trotz des bitteren Endes ein Erfolg ist. Der große Umbruch, der im Sommer eingeleitet wurde, soll die Eisbären nachhaltig wieder in der Spitzengruppe etablieren. Dass die Mannschaft gleich in Jahr eins so nah am Titel dran ist, übertraf viele Erwartungen.

Vor allem für Marcel Noebels, Frank Hördler und Jonas Müller, die schon im Olympia-Endspiel unterlagen, dürfte dieses Jahr auch als eine Episode der verpassten Chancen in Erinnerung bleiben. Uwe Krupp, über dessen Zukunft auch bis zur Schlusssirene noch Ungewissheit herrschte, verlor auch sein drittes Trainerfinale. Und Petri Vehanen, der voraussichtlich sein letztes Spiel im Berliner Trikot bestritten hat, muss auf die geplante Krönung zum Schluss verzichten.