Köln - Eigentlich waren sich die Kölner ziemlich sicher gewesen. „A good day for hockey“ hatten sie sich in die Katakomben der Arena geschrieben. Das heißt so viel wie: Heute ist ein guter Tag, um Großes zu leisten. Und auch für den öffentlichen zugänglichen Bereich hatten sich die Marketing-Strategen etwas einfallen lassen. „Die Haie sind bereit“, war auf Plakaten zu lesen, die man zusammen mit einem Sponsor entwickelt hatte.

Ganz so bereit war die Mannschaft von Uwe Krupp zum Start der Playoff-Finalserie gegen die Eisbären Berlin dann offensichtlich aber doch nicht. So manches zuvor fröhliche und zuversichtliche Gesicht der insgesamt 18.366 Zuschauer verformte sich recht früh in einen griesgrämigen Aggregatszustand. Die Galerie realisierte, dass sich der Trend der Hauptrunde auch an diesem frühlingshaften Apriltag fortsetzen sollte. Treffen Berlin und Köln aufeinander, gewinnt stets das Auswärtsteam. Das Spiel ging mit 4:2 an die Mannschaft aus der Hauptstadt, die plötzlich wieder wie der große Titelfavorit daherkommt.

Von Beginn der Partie an machten die Berlin deutlich, dass sich der Playoff-Nervenkitzel sehr förderlich auf ihre Leistungsfähigkeit auswirkt. Schon weit in der Hälfte der Haie attackierten sie ihre Gegenspieler, verschafften sich somit schnell optische Vorteile. Während sich Köln kaum entfalten konnte, fuhr die Mannschaft von Trainer Don Jackson einen gefährlichen Angriff nach dem anderen. Die Scheibe sauste mal links, mal rechts am Gehäuse von Torwart Danny Aus den Birken vorbei.

T.J. Mulock leitete in der zehnten Minute dann auch die überfällige Eisbären-Führung ein. An der Bande erkämpft er sich die Scheibe und legte auf Julian Talbot, den besten Playoff-Scorer der Berliner. Der bugsierte die Scheibe hinter die Linie. Der rote Teppich, den man zu diesem feierlichen Anlass vor dem Spiel auf dem Eis ausgelegt hatte, wollte aber nicht so recht zu der gesamten Darbietung auf dem Eis passen.

„Eishockey besteht aus Fehlern. Diese musst du ausnutzen“

Die Berliner mussten sich vorwerfen lassen, dass sie aus ihrer drückenden Überlegenheit nicht mehr gemacht haben. Nach der Pause wirkten die Kölner wie aufgeputscht. Sofort, nach dem der Spielbetrieb wieder lief, stürmten die Hausherren dann auf das Berliner Tor zu. Schon kurz später hatte Andreas Falk ausgeglichen (23.). Die Köln waren dran, ihre Prophezeiung eines großen Tages endlich auch umzusetzen. Jetzt musste man ihnen eine fahrlässige Fehlschussquote unterstellen. „Wir haben da ziemlich viel Glück gehabt“, sagte Eisbären-Trainer Jackson.

Dass seine Mannschaft erneut als Führender in die Pause geht, damit hätte zu diesem Zeitpunkt kaum jemand gerechnet. Zumal Kapitän André Rankel nach einem Zweikampf zwischenzeitlich angeschlagen vom Eis musste. Dank eines leichtfertigen Scheibenverlustes von Trainersohn Björn Krupp konnte der Titelverteidiger den Spielverlauf aber wieder zu seinen Gunsten drehen. Dieses Mal bereitete Talbot vor und T.J.Mulock vollendete. Der Torschütze sagte anschließend: „Eishockey besteht aus Fehlern. Diese musst du ausnutzen.“

Verwaltungsakt unter Wettkampfbedingungen

Auf den Kampfeswillen der Kölner wirkte sich das nachhaltig lähmend aus. Im unmittelbaren Wirkungskreis von Eisbären-Torwart Rob Zepp tauchte die sonst so gefährliche Sturmabteilung um NHL-Import Marco Sturm nicht mehr allzu oft auf. Stattdessen konnten sich die Titelverteidiger in einen mental entspannteren Modus katapultieren. Darin Olver hatte einen Kölner Schlittschuh angespielt, wovon der Puck zur 3:1-Vorentscheidung hinter die Linie trudelte (47.).

Bis zur letzten Minute hatte das Spiel dann vieles von einem Verwaltungsakt unter Wettkampfbedingungen. Erst Falk sorgte kurz vor Schluss noch mal für Spannung. Im Gegenzug und Sekunden vor Schluss stellte André Rankel den alten Vorsprung wieder her, ohne dabei in die Maschen getroffen zu haben. Er wollte ins leere Tor schießen, wurde dabei gefoult. Technisches Tor heißt die Diagnose dazu.

Am Dienstag (20.30 Uhr, Arena am Ostbahnhof) schon steht das nächste Aufeinanderteffen in der Serie Best-of-five an. „Jetzt müssen wir halt in Berlin an“, gab Köln-Trainer Uwe Krupp als Devise an. Das wäre auch nötig. Denn andernfalls könnte es passieren, dass sich die Damen und Herren der Marketingkampagne schon recht bald Gedanken für die nächste Kampagne machen müssen.